Stress und ... Die größten Achtsamkeitsfallen im Familienalltag - und wie du ihnen entkommst

Im stressigen Familienalltag geht ein achtsamer Umgang miteinander oft verloren. Das kann Folgen für Eltern und Kinder haben, wie eine Studie zeigt.

Morgens, halb sieben in Deutschland: Der Wecker klingelt, raus aus dem Bett,  Kinder anziehen, Frühstück machen, Zähne putzen, die Kleinen in die Kita bringen und losdüsen zur Arbeit. Nachmittags die Kids abholen - aber pronto, die Zeit drängt, schließlich ist gleich Fußballtraining. Zwischendurch dann noch schnell eine Maschine Wäsche waschen und schonmal das Abendessen vorbereiten. Und, ach ja, da ist auch noch die Steuererklärung, die erledigt werden will. Und am Samstag ist Omas 80., für den noch ein Geschenk her muss. Apropos kaufen: Brauchte der Große nicht dringend neue Schuhe? Ein beispielhafter Tag im Leben einer Familie. Der Alltag ist durchgetaktet, lässt wenig Zeit und stellt Mütter und Väter oft vor große Herausforderungen. Wie sie mit ihnen umgehen, kann Konsequenzen fürs Kind haben, wie der zweite Teil der Studie „Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?“ der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung belegt, bei der nun - nach Befragung der Kinder in 2017 - die Daten der ebenfalls befragten 1.091 Eltern ausgewertet wurden.

Im Spannungsfeld zwischen Familie, Partnerschaft und Selbstverwirklichung

Eltern befinden sich demnach häufig in einem deutlichen Spannungsfeld zwischen Familie, Partnerschaft und Selbstverwirklichung. Auch wenn sich die meisten im Großen und Ganzen in ihrer Rolle als Mutter oder Vater sicher fühlen, berichten doch viele der Befragten von Unsicherheiten und Belastungen in ihrem Familienleben: 20 Prozent der Befragten glauben, dass sie kein gutes Vorbild für andere Eltern sind, 19 Prozent geben an, ihre eigenen Erwartungen bei der Kindererziehung nicht zu erfüllen, und 15 Prozent der Befragten fühlen sich bei der Erziehung alleingelassen.

Die Ergebnisse der Elternbefragung auf einen Blick

  • 17 Prozent der Befragten fühlen sich durch ihre Elternrolle gestresst
  • 32 Prozent empfinden dauerhafte Belastung durch beruflichen Ärger
  • 45 Prozent leiden dauerhaft unter Ärger im privaten Umfeld
  • 11 Prozent haben kein gutes Gefühl, wenn sie über ihr Leben nachdenken
  • 20 Prozent glauben, kein gutes Vorbild für andere Eltern zu sein
  • 19 Prozent geben an, ihre eigenen Erwartungen bei der Kindererziehung nicht zu erfüllen 
  • 15 Prozent fühlen sich bei der Erziehung alleingelassen

Stress, Multitasking und Ärger im Job bedeuten eine hohe Belastung

Ein weiterer ernstzunehmender Belastungsfaktor ist Stress. 17 Prozent aller befragten Eltern geben an, durch ihre Elternrolle gestresst zu sein. In weiter gefasstem Umfeld wird dies noch deutlicher, denn 32 Prozent empfinden dauerhafte Belastung durch beruflichen Ärger, der sie auch in der Freizeit nicht loslässt, und ganze 45 Prozent leiden dauerhaft unter Ärger im privaten Umfeld. Das hat Auswirkungen: Fast die Hälfte der stressbelasteten Eltern berichtet, dass sie sich häufig niedergeschlagen oder erschöpft fühlt. Dies trifft nur für rund ein Fünftel der nicht gestressten Eltern zu. Im Extremfall wirkt sich dies sogar auf die Lebenszufriedenheit aus: 11 Prozent der Eltern haben kein gutes Gefühl, wenn sie über ihr Leben nachdenken.

Über diese Faktoren hinaus haben auch Zeitmangel und Multitasking maßgeblich negativen Einfluss auf die Achtsamkeit von Eltern – für ihre Kinder und sich selbst. Von Kindern empfundene Missachtung hat belegbare Auswirkungen auf ihre Entwicklung, Verhalten und emotionale Gesundheit. 41 Prozent der Kinder, die von ihren Eltern nur wenig Beachtung erfahren, zeigen beispielsweise deutliche Verhaltensauffälligkeiten (unter anderem Lügen, Wutanfälle, Mobbing anderer Kinder); 43 Prozent klagen häufig über KopfschmerzenBauchschmerzen und Übelkeit.

Feste Familienzeiten und Familienrituale in den Alltag integrieren

Wie aber können Eltern für einen achtsamen Umgang miteinander sorgen? Die Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung, Familienberaterin Katia Saalfrank, rät dazu, klare Prioritäten zu setzen. "Allen gleichzeitig gerecht werden zu wollen, führt nicht zu einer Entlastung. Im Gegenteil: Das Stresslevel und damit einhergehende Konflikte werden so gefördert.“ Eltern sollten in ihrem Alltag Qualitätszeiten für die Familie einrichten, in denen die Kinder die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern genießen. Während dieser gemeinsamen Familienzeit sind Smartphone, Laptop & Co. für alle tabu. "Darüber hinaus schaffen auch gemeinsame Rituale, wie das abendliche Vorlesen bei kleineren Kindern oder das gegenseitige Erzählen der Erlebnisse des Tages bei größeren Kindern, Raum für gegenseitige Achtsamkeit", sagt die Erziehungsexpertin. Sie legt Vätern und Müttern auch an Herz, regelmäßig Auszeiten ohne Nachwuchs einzulegen.

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