Facebook & Co. Dürfen Eltern Fotos von ihren Kindern im WWW posten?

Bilder vom Nachwuchs in sozialen Netzwerken zu posten ist heute selbstverständlich, geschieht aber oft unbedacht. Soll die Kita vor den Gefahren von Facebook & Co. warnen?

Toni hat schon mal ihren Herzchen-Pyjama angezogen. Selmas Gesicht ist verschmiert mit Schokolade. Linus streckt die Zunge raus. Die Eltern sind entzückt. Beim Kitafest bieten sich so viele Möglichkeiten für lustige Kinderfotos. Weil Tonis Mutter besonders gut fotografiert, wird sie immer wieder um Bilder gebeten. Sie verspricht, die Highlights bei Facebook online zu stellen. Vielleicht kann die Kita auch ein paar Fotos für ihren Webauftritt gebrauchen? Die Erzieherin winkt ab: „Das dürfen wir gar nicht.“ Warum denn nicht? Die Eltern wundern sich. „Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild“, erklärt sie. Ohne das Einverständnis der Erziehungsberechtigten dürfe die Kita keine Kinderfotos veröffentlichen, auf denen einzelne Kinder deutlich zu erkennen sind.

Fotos von den Kids auf Facebook posten? Machen doch alle!

„So ein Quatsch. Machen doch alle. Das lassen wir uns nicht verbieten. Ist im digitalen Zeitalter selbstverständlich. Was soll da schon passieren? Später freuen sich die Kinder drüber“, argumentieren Mütter und Väter. Ihnen erscheinen die Warnungen reichlich kleinkariert und realitätsfern. Wenn es darauf ankäme, würden sie ihr Einverständnis auch geben, versprechen sie. Trotzdem rät die Erzieherin zur Vorsicht. Argumenten wie „Machen doch alle“ stehen Gesetze entgegen. Dazu gehört das Recht am eigenen Bild, das jedem Menschen unabhängig vom Alter zusteht. Da die Kleinen dieses Recht weder kennen noch einfordern können, müssen ihre Eltern darüber entscheiden. Die sind nun verunsichert und wünschen sich mehr Informationen von den Kita-Experten. Was sollen die empfehlen?

Die Privatsphäre von Kindern achten

Bilder von ihren Kindern auf Facebook und anderen Social-Media-Kanälen zu posten, ist für die meisten Mütter und Väter selbstverständlich. Im Rahmen einer Umfrage in den USA und in mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, gaben 81 Prozent aller Väter und Mütter an, dass sie bereits Fotos ihrer unter zweijährigen Kinder ins Netz gestellt haben. Meist geschieht das ohne großes Nachdenken – aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit. Über die weitreichenden Folgen macht sich kaum jemand Gedanken. Was ist, wenn die Kinder größer sind und später mit den vermeintlich witzigen Pyjamafotos geärgert werden? Oder wenn die Bilder in falsche Hände geraten, für Werbezwecke verwendet werden oder auf Pädophilenseiten erscheinen? Denn auch trotz Löschung oder Privatsphären-Einstellungen können Fotos, die einmal hochgeladen wurden, immer wieder auftauchen. Die Empfehlung lautet deshalb:

"Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook & Co. zu posten"

Wer sein Kind davor schützen will, sollte keine Bilder ins Internet stellen, wie es zum Beispiel die Polizei im nordrhein-westfälischen Hagen auf ihrer Facebook-Seite rät: „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook & Co. zu posten. Auch Kinder haben eine Privatsphäre!“ Wer sich nicht daran halten möchte, kann seine Kinder auch auf andere Weise schützen, indem sie zum Beispiel nur von hinten fotografiert oder mit verpixelten oder mit Smileys versehenen Gesichtern gezeigt werden. Manche Eltern finden das allerdings gruselig. „Unser Kind soll nicht wie ein Verbrecher aussehen. Wir möchten es nicht verstecken.“

 

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