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Unter Zwergen

Ein Vater erzählt von seiner Elternzeit

Intensiv, anstrengend, völlig losgelöst: Der Sprung aus dem Vollzeit-Büroalltag in die Elternzeit garantiert Vätern unvergessliche Eindrücke mit ihrem Kind. Junge Familie-Redakteurin Annette Langer kehrte an ihren Schreibtisch zurück, während sich ihr Mann Hajo um die gemeinsame Tochter Feline kümmerte. Ein Resümee seiner persönlichen Erfahrungen.

Hajo, du hast dir beim ersten Kind nach der Geburt drei Wochen freigenommen, und nach zehn Monaten bist du in Elternzeit gegangen ...
Stimmt, es war mir wichtig, möglichst viel von Feline mitzubekommen.

Wie kam die Ankündigung deiner Elternzeit bei deiner Arbeit an?
Ich arbeite ja im Kulturbereich, einem Berufsfeld mit hohem Frauenanteil. Deswegen war es ganz normal, dass ich drei Monate Elternzeit angemeldet habe. Ich weiß von Freunden in Ingenieurberufen, dass man sich dort stärker durchsetzen oder rechtfertigen muss, wenn man als Mann sein Kind betreuen will. Bei uns ist gerade ein regelrechter Babyboom ausgebrochen. Es ist immer jemand in Elternzeit, wenn nicht sogar zwei. Und das bei 15 Angestellten.

Ist es dann nicht erst recht schwierig, die Arbeit zu organisieren?
Ja, natürlich bringt das die eine oder andere Mehrarbeit mit sich oder die Einarbeitung einer Vertretung. Aber da alle Kinder haben, ist das Verständnis groß.

Worauf hast du dich am meisten gefreut, als du in Elternzeit gingst?
Toll fand ich, dass du mir am ersten Tag meiner Elternzeit einen Kaffee-Thermosbecher geschenkt hast, den ich dann immer dabei haben konnte. Ich habe mich nämlich vorher schon darauf gefreut, mit dem kleinen Zwerg viel unterwegs zu sein und zwischendurch gemütlich Kaffee trinken zu können.

Das klingt ja so richtig nach Urlaub ...
Na, ja, ehrlich gesagt war ich immer so übermüdet, weil ich die Nächte auch übernommen habe. Ich war oft froh, wenn ich das Kind angezogen hatte, es ruhig war und in den Kinderwagen verfrachtet. Dann schafften wir es meist nur kurz bis in den nächsten Park, weil dann schon wieder Brei kochen, füttern und Windeln wechseln anstand.

Ja, deshalb war ich zu der Zeit auch froh, eine Fortbildung machen zu können, wieder Büroluft zu schnuppern, einfach mal wieder etwas anderes zu machen.
Ja, ich wusste danach auch noch besser zu schätzen, dass du Feline schon zehn Monate lang betreut hattest ...

Danke!
... und verstehe, dass du abends immer kaputt warst, wenn ich nach Hause kam und wolltest, dass ich gleich irgendwas übernehme. Ich habe gemerkt, dass es sehr anstrengend sein kann, so ein Baby den ganzen Tag zu versorgen. Aber trotzdem fand ich es gut, mal eine Zeit lang komplett allein verantwortlich zu sein. Und wirklich von morgens bis abends den Tag mit Feline zu verbringen. Meine Beziehung zu ihr ist in der Zeit besonders innig geworden und ich habe sie sehr gut kennengelernt. Ich habe gelernt, genau zu gucken, welche Bedürfnisse sie hat.

Wahrscheinlich hat es dir auch Spaß gemacht, dich endlich mal als Vater ausprobieren zu können, ohne dass ich im Hintergrund irgendetwas besser zu wissen glaubte, oder?
Ganz klar: Ich hab mich am meisten darüber gefreut, meine eigene Umgangsweise mit dem Kind zu finden, und nicht alles in Abstimmung mit dir. Und einfach selber zu entscheiden, was gerade wichtig und gut ist fürs Kind.

Ich muss zugeben, dass es mir – obwohl ich einerseits erleichtert war – auch nicht ganz leicht fiel, nicht mehr Vollzeitmutter zu sein und dich einfach machen zu lassen ...
Natürlich hast du als Mutter, die das Kind die ganze Zeit betreut, den Dreh raus, was es in bestimmten Situationen will oder nicht will. Wenn man nicht so viel zu Hause ist, ist man im Nachteil, weil man die Signale nicht so gut deuten kann. In der Elternzeit hatte ich mal die Chance, das selber rauszufinden. Und das hat total Spaß gemacht. Vielleicht hat ein Kind dem Vater gegenüber ja sogar andere Bedürfnisse als gegenüber der Mutter.

Wie hast du die Zeit mit Baby gestaltet?
Ich habe zum Beispiel einmal die Woche eine Krabbelgruppe besucht und mich mit Müttern aus dem Freundeskreis getroffen, die in Elternzeit waren. Es  waren fast ausschließlich Mütter im Kurs. Da hab ich schon gemerkt, dass man bei so was als Mann doch noch allein auf  weiter Flur ist. Dazu gehörte auch, mir die Gespräche über entzündete Brustwarzen anzuhören und andere kuriose Frauenleiden.

Ich erinnere mich daran, dass du von eher skeptischen Reaktionen von Müttern erzählt hast, die dir unterwegs begegnet sind, war es nicht so?
Ja, das stimmt schon. Mir hat mal ein anderer Vater, der das ganze erste Lebensjahr die Elternzeit übernommen hat, leicht verzweifelt geklagt, wie schwer es als Mann ist, auf dem Spielplatz Kontakt zu anderen Müttern mit Babys zu bekommen. Ich selbst habe auf der Straße eine gewisse Solidarität zwischen Vätern mit Kinderwägen wahrgenommen. Wir haben uns gleich nett gegrüßt. Wenn mir Frauen entgegengekommen sind, haben sie mich komisch angeguckt oder mich gar nicht beachtet. Es hat mich echt ein bisschen gewundert, gerade hier in Hamburg, wo ich dachte, dass es gang und gäbe wäre, dass auch Väter zu Hause bleiben.

Wir bekommen bald unser zweites Kind: Willst du dann wieder Elternzeit nehmen oder reicht dir das eine Mal?
Ich würde sehr gern wieder in Elternzeit gehen.

Und das nächste Mal auch länger? Vielleicht sogar ein ganzes Jahr?
Ein ganzes Jahr nicht unbedingt, nein. Also ganz zu Hause bleiben, fände ich doch ein bisschen eintönig. Aber zwei bis drei Monate intensive Zeit mit dem Kind zu verbringen, ist definitiv etwas Besonderes und prägt die Beziehung nachhaltig.

Ja, ja, die Väter picken sich die Rosinen raus ...
Na, ja, hinzu kommt jetzt, mit Ende 30, dass die berufliche Karriere ein bisschen auf Eis liegt, wenn man viel Zeit mit seinem Kind verbringen möchte. Man muss sich da entscheiden, glaube ich. Denn wenn man den Job wechselt oder einen Karrieresprung macht, kann man sich eine Elternzeit erst mal nicht leisten. Sollte sich beruflich etwas ergeben, würde ich jetzt wahrscheinlich zugreifen und auf eine Auszeit sogar ganz verzichten. Aber schweren Herzens.

Väter in Elternzeit

2009 nahm laut Statistischem Bundesamt (Destatis) knapp jeder vierte Vater Elterngeld in Anspruch. Bei im Jahr 2008 geborenen Kindern lag die Väterbeteiligung noch bei knapp 21 Prozent. In Sachsen und Bayern gibt es die meisten Väter, die für ihr Kind zu Hause bleiben, gefolgt von Berlin und Thüringen. Nach wie vor melden die meisten Väter maximal zwei Monate Elternzeit an.

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