Wohnen mit Kindern Einrichten und aufräumen

Constanze, genannt Conni, Köpp verfügt über echte Bühnenpräsenz. Wobei man es bei ihr wohl besser als "Raumpräsenz" bezeichnen sollte.

Passend zu ihrem Job als Leiterin des Unternehmens "Wohnkosmetik". Ihr Motto lautet "Ich schaffe aus Räumen ein Zuhause". Sie spricht mit dem ganzen Körper. Ihre Augen leuchten. Gesten untermalen ihre Worte. Manchmal kichert sie kurz, bevor wir wieder in ernstere Themen einsteigen. Man spürt sofort, dass sie mit Herzblut bei der Sache ist.

„Ich lehre meine Kunden die Reduktion, die Liebe zum Loslassen, die Freude am Weniger. Chaos kann schon mal zur Isolation führen, warum ich das Haben reduzieren und den Fokus auf das Sein legen will!“

Constanze schafft es, Räumen ein Wellness-Programm zu verpassen. Und das ganz ohne Neuanschaffungen. Sie mistet aus, stellt um und hilft dabei, Dinge loszulassen. Systematisch aufräumen bringt Ordnung in das ganze Leben. Dabei gibt sie eines zu bedenken:

„Die richtige Frage dabei ist: Welche Sachen müssen bleiben, weil das Herz daran hängt?“

Ausmisten, verändern und loslassen

Mit Kindern zu arbeiten macht Constanze großen Spaß. Sie ist der Meinung, dass Mütter oft zu nah dran sind. Es ist klar, dass es gar nicht so leicht ist, objektiv zu sein, wenn es um das eigene Kind geht. Und meistens spielt der eigene Geschmack auch noch eine große Rolle.

„Ich komme nie zum Aufräumen, sondern immer zum Loslassen und Verändern. Ich genieße das kindliche Chaos und Zimmer, die leben. Wichtig ist, im Nu ohne Stress auch Freude beim Aufräumen zu haben.“ Mit Kisten und liebevoll gestaltete Schachteln sollte das Kind zumindest die Möglichkeit haben, alles wegzupacken. Das Verstauen der Lieblingssachen kann richtig Spaß machen, wenn das Regal selbst mit Farben gestaltet wurde. 

Constanze hat so ziemlich alles gesehen. Sie weiß, wie glücklich Kinder oft mit nur wenigen Dingen sind. Der Kreativität wird so viel mehr Raum gegeben, als in vollen Kinderzimmern. Große Ansammlungen von Dingen können Kinder genau wie Erwachsene überfordern. Dann findet ein liebevoll ausgesuchtes neues Spielzeug auch gleich viel mehr Beachtung. Und aus der Chaos-Bude wird ganz spielerisch ein aufgeräumtes Zimmer.

Nicht aus vollen Schubladen aussortieren

Conni rät dazu, Gegenstände aus vollen Schubladen nicht auszusortieren, sondern die komplette Schublade auszukippen und dann gezielt und systematisch zurück zu sortieren. Was behalten wird, wird wieder verstaut. Wer einmal so aufgeräumt hat, wird feststellen, was für einen großen Unterschied das macht. Dabei wird klar unterteilt: Soll, darf oder muss etwas bleiben? Ein "Ja!" bedeutet auf jeden Fall: "Wird behalten". "Vielleicht" oder "weiß nicht" bedeutet Zweifel und landet daher in der gleichen Kiste, wie die Dinge, die ein "Nein" bekommen haben. Das funktioniert vom Kleiderschrank über das Bücherregal und die Spielzeugkiste bis hin zu Schreibtisch. Conni findet dazu klare Worte:

„Ich möchte, dass jemand, der aus meinem Regal ein Buch herauszieht, denkt: Das ist Connis Welt! Bücher sind Spiegel, da soll nicht zufällig ein Konsalik zu finden sein“,

lacht die Wohnkosmetikerin und wird gleich wieder ernst:

„Je mehr Dinge du besitzt, desto weiter bist du entfernt von Freiheit und Unabhängigkeit. Der Mensch braucht nicht viel, und das Wenige soll ihn erfüllen und sein Umfeld verschönern.“

Bei Conni melden sich oft Familien in Situationen, die Veränderung bedeuten. Wenn Paare Eltern werden, Kinder in die Pubertät kommen, oder auch nach Trennungen. Räume von Kindern findet sie besonders spannend. Ein ordentliches Kinderzimmer und klare Grenzen können auch Stabilität bieten.

„Was habe ich schon liebevoll mit Eltern geschimpft, weil sie es nicht zugelassen haben, wenn ihr Kind sich eine Veränderung in seinem Zimmer gewünscht hat. Eltern müssen den Geschmack der Kinder nicht teilen, doch sie sollten ihn respektieren und tolerieren. Ich habe oft betont, wiesehr ich sie darum beneide, Kinder zu haben, die fühlen, was ihnen gefällt und gut tut.“

Das Kinderzimmer ist in Constanzes Augen losgelöst vom Rest der Wohnung zu betrachten. Es muss nicht zur Einrichtung der restlichen Wohnung passen. Sie rät dazu, es als eine Wohnung im Kleinformat zu sehen. Es sei doch eine Wohnung im Kleinformat. Und wenn das Kind den Schrank gerne blau anmalen möchte, dann wird er eben blau.

„Bei „Wohnkosmetik Junior“ schließe ich mich mit den Kiddies ein. Dann wird ihr Refugium geschaffen und natürlich gelernt, Strukturen zu schaffen und bei Bedarf auch mal loszulassen.“

Einrichten und aufräumen Foto: Sebra

Einfach mal die Gardinen abschneiden

"Wohnkosmetik" hat sie vor inzwischen elf Jahren gegründet und sie ist mit ihrem Unternehmen gewachsen. Ein Händchen fürs Aufräumen, Einrichten und Umgestalten hat sie schon seit sie denken kann. Bereits als Kind nervte sie ihre Eltern, indem sie einfach mal einen Heizkörper schwarz lackierte oder spontan die Gardinen kürzte. Die Eltern ihrer Freunde sahen ihren Besuchen immer mit leichter Besorgnis entgegen. Nie war hinterher alles so, wie vorher. Die anderen Kinder fanden ihre kleinen Umräumaktionen immer spannend.

Eine Besonderheit ist Constanze im Laufe der Jahre immer wieder aufgefallen. Sie kommt immer wieder zu Familien, bei denen das ganze Haus als Kinderzimmer dient.

"Wenn die Kinder ihr Spielzeug in der ganzen Wohnung verteilen dürfen, wie sollen sie dann jemals die Wichtigkeit eines Rückzugsortes kennenlernen? Ein Kind, das sein Kinderzimmer liebt, hält sich auch gerne dort auf. Wir Erwachsenen freuen uns ja auch, wenn wir nach einem anstrengenden Tag in ein Zuhause zurückkehren, das wir mögen."

Einrichten und aufräumen Foto: Sebra

Das Schlafzimmer sollte den Eltern gehören

Diese besondere Freude möchte Conni auch den Kleinsten nicht vorenthalten. Besonders kritisch sieht sie es, wenn sich das Kinderzimmer bis ins elterliche Schlafzimmer ausgebreitet hat. Sollte dies doch schließlich ein Ort der Verführung sein. Sprich: Wenn die Tür geschlossen ist, sollte das Paar dahinter auch Paar sein dürfen.

„Wo ist das Flair von 1001 Nacht?“

Diese Frage stellt sie den Eltern gerne, wenn sie über Puppen stolpert, sich auf dem Nachttisch Kinderbücher stapeln, oder sie an den Wänden über dem Ehebett Kinderfotos findet.

„Die gehören gern überall hin, doch nicht in den Raum der Intimität und Sinnlichkeit."

Sie möchte den Familien, zu denen sie eingeladen wird, etwas von sich mitgeben.

"Wenn ich gehe, möchte ich Spuren hinterlassen haben. Mein Ziel ist es, die Welt im Kleinen reizvoller zu machen. Das Schwere ins Leichte zu verwandeln, das Dunkle ins Helle, das Volle ins Leere. Was wir in unseren Räumen bewegen, hat immer Auswirkungen und auch einen therapeutischen Effekt für Seele, Körper, Geist. Es zieht etwas Schönes nach sich, wenn wir Klarheit an der Basis schaffen. Wir haben eine alte Un-Ordnung aufgebrochen und das hat unweigerlich Einfluss auf weitere Bereiche. Oft rufen mich Kunden nach einiger Zeit an und berichten mir stolz, was sie mit den Veränderungen alles angeschoben hätten. Im positiven Sinne.“

Immer wieder umstellen

Bei sich zu Hause probiert Conni immer wieder Umstellungen aus. Dabei kann es für sie nie leer genug sein.

„Erst neulich wurde ich gefragt, an welchen Dingen ich denn hänge. Zum ersten Mal nach vielen Jahren konnte ich sagen: An nichts. Ich bin frei! Ich finde, das ist ein unglaubliches Gefühl!“

Mehr Tipps für ein aufgeräumtes Leben mit Kindern in:

„Aufgeräumt leben – Warum weniger Haben mehr Sein ist“, Knaur Verlag, 8,99 Euro oder direkt bei Constanze Köpp: wohnkosmetik.de

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