5 Tipps

Ich BIN eine gute Mutter! So entkommst du der Perfektionsfalle

Kinder brauchen keine Super-Mum. Also weg mit der Perfektion, den Selbstzweifeln und schlechten Gefühlen, sagt unsere Autorin Gyde Schmidt. Und verrät dir, wie du den fünf häufigsten Mama-Denkfallen entkommst.

Was genau ändert sich eigentlich, wenn eine Frau Mutter wird? „Vieles!“, sagen die einen. „Alles!“, schreien die anderen. Bereits in der Schwangerschaft und mit der Veränderung des eigenen Körpers entwickelt sich die Mutterrolle. Die werdenden Mamas träumen davon, mit ihrem Baby zu schmusen, es zu stillen, die kleinen Händchen zu halten. Sie stellen sich vor, wie ihr zukünftiges Leben mit Kind aussehen wird, und empfinden dabei großes Glück

Die Kunst, alle Rollen miteinander zu kombinieren

Und wir Frauen fragen uns, welche Veränderungen auf uns zukommen: Wie wirkt sich das Kind auf die Partnerschaft aus? Wann gehe ich zurück in den Job? Und natürlich stellen wir uns die Fragen aller Fragen: Werde ich eine gute Mutter sein? Unsicherheiten und Zweifel halten Einzug – und bleiben häufig auch. Und das zu Recht: Wer eben noch seine Freiheit genossen hat, fühlt sich mit Kind oftmals fremdbestimmt. Die Zweisamkeit mit dem Partner, Sex, romantische Dinner, Kinobesuche und abendliches Ausgehen gehören erst mal der Vergangenheit an. Treffen mit der besten Freundin, die früher spontan möglich waren, müssen nun gut geplant sein. Die Ehefrau, die Freundin, die Chefin oder die Kollegin, die wir seit vielen Jahren sind, bekommt Verstärkung von einer, die ganz andere Pläne hat: der Mutter. Mit dem ersten Nachwuchs bekommt die eigene Identität also Zuwachs, und die Bedürfnisse der anderen Persönlichkeitsanteile werden in der Regel erst einmal zurückgestellt. Das kann zu Unzufriedenheit und Unklarheit führen. Entscheidend dafür, eine gute Mutter zu sein, ist demnach die Kunst, möglichst alle Rollen miteinander zu kombinieren und mit der gesamten Lebenssituation zufrieden zu sein. Im Folgenden geben wir dir Impulse, wie du das schaffen kannst. 

Vor allem die eigene Mama prägt die Mutteridentität

Es ist vor allem die eigene Mama, die die Mutteridentität prägt. Dazu ein kurzer Rückblick auf meine Kindheit. Nach der Schule bin ich mit meinen Schwestern nach Hause gegangen und habe Mittag gegessen. Selbst gekocht von Muttern, klar. Und wehe, es war noch nicht fertig. Nachmittags haben wir gespielt, dem einen oder anderen Hobby gefrönt oder Freunde in der Nachbarschaft besucht. Was unsere Mutter in dieser Zeit gemacht hat? Vielleicht hat sie mit einer Freundin Kaffee getrunken. 

Frage ich sie heute, war die Zeit, in der wir Kinder klein waren, die schönste ihres Lebens. Nein, eine reine Hausmutter sei sie nicht gewesen. Auch nicht, wenn das Essen pünktlich auf dem Tisch zu stehen hatte. Meine Mutter hatte vormittags – je nach Lebensphase – ein kleines Inkassobüro geführt, an einer Akademie unterrichtet und sich später als Einrichterin selbstständig gemacht. Den Ehemann und Vater gab es auch dazu. Er ist morgens aus dem Haus gegangen und am frühen Abend nach Hause gekommen. Klassisch? Für damalige Zeiten vielleicht, wobei die „Mütter von früher“ meist keiner Arbeit nachgegangen sind, sondern sich um Kinder und Haushalt gekümmert haben. Heute stellen sich ganz andere Fragen: Kann man Mütter überhaupt stigmatisieren? Wer definiert das Rollenbild der Mutter heute? Und: Was bedeutet es, eine gute Mutter zu sein

Wir können unseren Lebensstil selbst bestimmen

Das Rollenbild der Mutter scheint sich der wandelnden Zeit des 21. Jahrhunderts anzupassen. Wir haben nicht nur die Wahl zwischen 16 Frischkäsesorten im Regal, sondern können auch aus vielen Möglichkeiten den für uns passenden Lebensentwurf gestalten. Ein Blick in meinen Freundinnenkreis bestätigt das Potpourri an Mutterrollen: Selbstständige, Angestellte mit 25- oder 30-Stunden-Wochen, Alleinerziehende und Hausmütter sind vertreten. 

Karrierefrau gegen das Modell „Heimchen am Herd”

Die Redakteurin, die zwei Jobs gleichzeitig gewuppt hat, bleibt erst einmal mit ihrem Baby zu Hause. Die Buchhalterin holt ihre Kinder nachmittags aus dem Hort ab. Und die PR-Frau entscheidet sich bewusst gegen die Mutterschaft. Sie alle müssen ihre Rolle verteidigen: Die, die sich für das traditionelle Rollenbild entscheiden, kämpfen als „Heimchen am Herd“ häufig mit einem niedrigeren Status als berufstätige Mamas. Die „Karrierefrauen“ geraten wiederum regelmäßig in Stresssituationen, wenn sie versuchen, Kind und Job unter einen Hut zu bekommen. Und dann sind da noch die Alleinerziehenden, die sich in Erziehungsfragen rechtfertigen müssen. Wenn frau ein Fazit ziehen will: Egal, für welches Lebensmodell sich eine Mutter entscheidet, sie wird von außen immer mit Ambivalenzen und hohen Erwartungen konfrontiert, die schlechte Gefühle wie Schuld oder Minderwertigkeit erzeugen können. Mütter können es nicht allen recht machen – außer sich selbst. Und wenn Frauen eine Mutterrolle leben, mit der sie sich wohlfühlen, dann tun es auch ihre Kinder.

Die fünf häufigsten Mama-Denkfallen - und wie du ihnen entkommst

Mit der Ankunft deines Kindes wird auch eine Mutter geboren. Unabhängig davon, ob du drei Schulkinder oder ein neugeborenes Baby hast, kannst du immer wieder in Selbstzweifel verfallen, die dich daran hindern, dich gut zu fühlen. Hier die fünf häufigsten Denkfallen und wie du ihnen entkommst.

1. Ich bin nicht gut genug!

Sie bewahren Ruhe, wenn ihre Blagen zu Streithähnen mutieren oder die Lauscher auf stumm stellen. Kurz und knapp: Andere Mütter machen alles viel besser als du. Du hast die Gabe, andere still und heimlich zu beobachten. Mach was daraus und übe dich zunächst in einem Punkt (Ungehorsam, Widerspruch, Streit), es der Mama gleichzutun, die du heimlich für ihre Stärke bewunderst.

2. Ich bin absolut überfordert.

Am liebsten parkst du deine Kinder vor dem Fernseher, um selbst eine Runde abzuschalten. Du bist ständig müde, fühlst dich einfach nur schlecht oder faul? Was bleibt, ist das Mangelgefühl, dich nicht ausreichend um deine Sprösslinge zu kümmern. Erlaube dir, dich weiterhin einmal in der Woche gehen zu lassen. An den anderen Tagen brauchst du Abwechslung und einen Plan, den du mit Freude umsetzen magst. Was könnte das sein?

3. Ich bin zu …

… streng? Zu inkonsequent? Zu unperfekt? Lass das Wort „zu” weg. Du bist streng. Ja, und? Achte darauf, ob du wirklich nur streng bist oder schon starr agierst. Jede (vermeintliche) Schwäche birgt eine positive Tugend. Finde die Übertreibung und sei dir des Gegenteils bewusst. Willst du lieber die Laissez-faire-Mama sein? Übe dich in Augenzwinker-Momenten: Erlaube dir und deinem Nachwuchs einmal am Tag ein Ja, was sonst ein Nein wäre.

4. Ich mache so viel falsch.

Wer sagt so etwas? Das Idealbild der perfekten Mutter erzeugt Druck, der von außen, aber auch von dir selbst kommen kann. Ratschläge werden oft als Schläge wahrgenommen, sofern sie ungebeten kommen. Leben und leben lassen, so die Devise. Lass doch die Tante aus dem Pekipkurs ihre Kinder zwei Jahre stillen oder dem Zweitklässler sein "iPhone". Was juckt es den Mond, wenn der Hund ihn anbellt! 

5. Ich werde niemandem gerecht!

Dein Partner kommt abends spät nach Hause. Die Großeltern wohnen 280 Kilometer entfernt. Du bist alleinerziehend – ob mit oder ohne Partnerschaft. Die lieben Kinderlein haben die Aufgabe, möglichst gut für sich zu sorgen: Kriege ich noch ein Eis? Was machen wir nun? Kann ich mich verabreden? Mach es ihnen gleich und sorge für dich und deine Auszeiten, indem du dir selbst eine gute Freundin bist.

Unsere Autorin

Gyde Schmidt arbeitet als Coach, hat jetzt drei Kinder und schreibt für kinder! eine Kolumne und Geschichten aus dem (Mutter-)Leben, www.fraeulein-schmidt.de

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