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Überdosis Mama

Warum Mütter auch mal loslassen sollten

Nicht alle Mütter beherrschen die Kunst des Loslassens. Dabei ist Selbstständigkeit für Kids so wichtig.

In unserer Kultur wird die alleinige Verantwortung für das, was aus dem Kind wird, überwiegend den Müttern zugeschrieben. Entwickelt es sich nicht erwartungsgemäß, wird das den Müttern angelastet. Diese Sichtweise stützt, dass manche Mutter Probleme hat, ihr oftmals einziges Kind rechtzeitig loszulassen. Es wird häufig überbehütet, denn auch wenn es auf der Welt ist, empfindet eine Mutter es oft nach wie vor als einen Teil ihrer selbst. Auch das Baby erlebt seine Mutter anfangs nicht als eine von ihm getrennte Person.

Für viele Mütter könnte dieses „Eins-Sein“ ewig weitergehen, doch das Baby hat ein ganz anderes Ziel. Es will selbstständig und unabhängig werden und kommt seinem Ziel mit jeder neuen Fertigkeit ein Stückchen näher. Einerseits ist das Baby, auch emotional, noch abhängig von der Mutter, andererseits strebt es weg von der Mutter-Kind-Einheit.

Ich will alleine!
Nach und nach will das Kind viele Dinge alleine tun. Viele Babys wehren sich dann gegen Hilfe und rufen, sofern sie schon etwas sprechen können: „Alleine.“ Sitzen, stehen, alleine essen und irgendwann sich alleine anziehen. Der Körperkontakt beim Tragen des Babys entfällt zugunsten der ersten Schritte. Auch wenn viele Mütter am liebsten noch lange das süße, hilflose Baby im Arm halten würden, ist es doch für seine Entwicklung wichtig, dass sie das Streben nach Selbstständigkeit unterstützen. Denn nur so ist das Kind in der Lage, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln. Es muss lernen: Ich kann was!

Doch nicht jede Mutter kann so gut loslassen. Kinderpsychologen bezeichnen beispielsweise die Dominanz vieler alleinerziehender Mütter als eine der Hauptursachen für das Dilemma zahlreicher Jungen. Das „Übermuttertier“ sei kein Wesen aus der Urzeit. Beobachtungen zufolge habe das Phänomen der dominanten Mütter in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen, bedingt durch die Kleinfamilie.

Mama allein zu Hause
Zudem werden die Lebensräume immer enger – und am Ende bleibt den Kindern, wenn der Vater Alleinverdiener oder gar ganz weg ist, nur noch ihre Mutter. Das Motto also: mit Mama allein zu Hause. Natürlich meinen die meisten Mütter es gut. Aber gerade das führt häufig dazu, dass ihre Dominanz zu vereinnahmend wird. „Viele alleinerziehende Mütter lassen Kindern zu wenig Raum für eine eigenständige Entwicklung“, stellte das Grüne Kreuz fest. Etwa 1,6 Millionen Alleinerziehende gibt’s derzeit in Deutschland, 90 Prozent davon sind Frauen.

Die Überdosis Mutti verzögert Selbstständigkeit. Natürlich ist die Mutterliebe eine unersetzliche Quelle – aber zu viel des Guten ist zu viel. Und sogar die meisten anwesenden Väter werden durch die immer noch vorherrschende Rollenverteilung zu Nebenfiguren, die quasi nur noch ausführen, was Mutter vorgibt. So fließen sogar am Kindergarten, wo doch das Kind gleichaltrige Freunde trifft und mit ihnen spielt, morgens manchmal schon die Tränen. Vor allem Mütter müssen lernen, ihre Kinder Schritt für Schritt loszulassen. Damit tun sie nicht nur ihrem Kind, sondern auch sich selbst den größten Gefallen.

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Unsere Expertin

Leif Koch

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