Fake-Shops erkennen, Schnäppchen ergattern, sicher bezahlen

Auf der sicheren Seite: 12 Tipps fürs Online-Shopping

Einkaufen im Internet boomt. Insbesondere Familien profitieren von der Angebotsvielfalt, Zeitersparnis und bequemen Lieferung. Aber: Wie sicher ist eine Online-Bestellung? Was passiert mit meinen Daten? Und: Wann ist der günstigste Zeitpunkt für den Internet-Kauf?

Deutsche Sparfüchse kaufen bevorzugt im Internet. Laut aktuellen Zahlen des Bundesverbandes für E-Commerce und Versandhandel legte das Online-Geschäft im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zu. Ob Fashion, Möbel, Spielzeug, Schreibwaren oder Lebensmittel: Im World Wide Web gibt es Produkte für die ganze Familie. Eltern profitieren von einer großen Auswahl im Netz und von Öffnungszeiten rund um die Uhr. Und: Sie können jederzeit bequem vom Sofa aus bestellen.

Einfach Produkt auswählen, in den Warenkorb legen, persönliche Daten eingeben, an der virtuellen Kasse bezahlen – und ein paar Tage später wird das Wunschprodukt bis an die Haustür geliefert. Der nervenzehrende Shopping-Trip mit quengeligen Kids in der überfüllten Stadt inklusive lästiger Parkplatzsuche und Wartezeiten an der Kasse entfällt. Ganz nebenbei lassen sich Preise ohne große Mühe online vergleichen. Das erleichtert die Schnäppchen-Suche. Darauf solltest du beim Einkaufen im Internet achten: 

1. Nicht alle Produkte eignen sich für den Online-Kauf.

Im Internet kann man zwar alles kaufen. Sollte man aber nicht. Vor allem keine Produkte, bei denen Beratungsbedarf besteht. Dazu gehören beispielsweise Kinderschuhe. Ob sie dem Kind tatsächlich passen, findet man nicht durch die "Daumenprobe" im heimischen Wohnzimmer heraus, sondern mit Hilfe des Kinderfuß-Messsytems WMS, das im Fachgeschäft zur Verfügung steht. Auch Fahrräder und Schulranzen wollen probegefahren beziehungsweise -getragen und nicht im Online-Handel "blind" bestellt werden. 

2. Den günstigsten Zeitpunkt für Schnäppchen abpassen.

Online-Shopping im richtigen Moment: Studien zufolge sollen Haushaltsgeräte zum Wochenstart günstiger sein, dienstags spart man bei (Kinder-) Mode, Elektronik und Schmuck, mittwochs bei Sportartikeln. Wer online Wein bestellt, wartet bis Donnerstag, während Medikamente und Brillen freitags preiswerter sind. Das Wochenende gilt als Primetime beim Online-Shopping von Möbeln, Beauty, Tierbedarf und Städtetrips.  

3. Preise vergleichen und sparen.

Wer online die günstigsten Angebote finden und Schnäppchen jagen will, sollte über einen längeren Zeitraum die Preise vergleichen. Hier helfen Vergleichsportale wie idealo.de, mydealz.de, oder kaufda.de. Am besten verschiedene Portale besuchen und auf Neutralität achten. Bis zu 20 Prozent extra sparen lässt sich mit Gutscheincodes, Saison- oder Treue-Rabatten sowie Nachlässen für Neukunden und Newsletter-Anmeldung.

4. Besser nicht mit dem Smartphone einkaufen.

Wer per Handy bestellt, ist laut Algorithmus schneller bereit zum Kaufabschluss. Daher veranschlagen Online-Shops häufig höhere Preise für Kunden, die via Smartphone einkaufen. Im Zweifel bezahlt man also zu viel. Um Geld zu sparen, die Preise besser zu Hause am Computer vergleichen und darüber bestellen. Online shoppen per iPhone? Auch das kann teurer werden, da Apple-Usern eine höhere Umsatzbereitschaft zugeschrieben wird.

5. "Big Brother"-Internet is watching you.

Hinter der dynamischen Preisgestaltung stecken Algorithmen, die ein Produkt bei hoher Nachfrage teurer machen. Algorithmen werten Nutzerdaten von Google, YouTube, Facebook & Co. aus. Händler können aus Surfverhalten, Interessen und Aufenthaltsorten für den Kunden relevante Produkte und personalisierte Werbung generieren: Die Kinder-Jeansjacke, die ich mir im Online-Shop angeschaut habe, "folgt" mir beim Surfen auf anderen Websites. Individuelle Angebote orientieren sich an ganz persönlichen Bedürfnissen. 

6. Sicherheitssoftware regelmäßig updaten und wenig Spuren im Internet hinterlassen.

Bereits der Browser kann Einfallstor für Pishing, Viren und Online-Betrug sein. Neueste Softwareversionen und Anti-Viren-Programme schließen Sicherheitslücken. Beim Surfen besteht die Gefahr, dass persönliche Daten wie IP-Adressen und Seitenbesuche ausgelesen werden. Cookies, wenn überhaupt, also nur temporär erlauben und regelmäßig (automatisch) löschen. Das gilt auch für den Suchverlauf. Dem Datenschutz zuträglich ist, ohne WLAN mit verschiedenen Endgeräten ins Internet zu gehen. 

7. Produktbewertungen lesen - und kritisch betrachten.

Schmeckt das Bioprodukt wirklich? Hält das Anti-Fleckenmittel, was es verspricht? Produktbilder und -beschreibungen im Internet verraten nicht alles. Dann sind Erfahrungswerte anderer Käufer Gold wert. Quantität und Qualität der Produktbewertungen sind dabei entscheidend: Sind von 27 Produktbewertungen 25 positiv, spricht das für Glaubwürdigkeit. Fake-Bewertungen erkennt man unter anderem an übertriebenen Lobeshymnen. Produktbewertungen vor dem Kauf am besten immer mit gesunder Skepsis lesen, auf Details achten und nicht zuletzt auch auf das Bauchgefühl hören.

8. Impressum, AGB und Datenschutz checken.

Seriöse Online-Händler erkennt man an einem vollständigen Impressum. Hinein gehören der Firmenname mit Rechtsform, Anschrift, Vertretungsberechtigte, Kontaktdaten, Handelsregistereintrag sowie die Steuernummer. Ein Unternehmenssitz in Deutschland ist für die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen wichtig. Auf der Website eines seriösen Anbieters sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), Informationen zu Zahlung, Versand und Datenschutz sowie eine Widerrufsbelehrung aufgeführt.

User müssen die AGB und die Datenschutzerklärung aktiv per Klick akzeptieren, indem sie ein Häkchen setzen. Vorsicht bei Bestellungen in ausländischen Online-Shops! Hier können hohe Versandkosten, lange Lieferzeiten sowie extra Steuern und Zollgebühren anfallen. Auch Garantie, Gewährleistung und Widerruf können problematisch sein. Wer im Ausland (unwissentlich) ein Plagiat bestellt, muss mit Strafzahlungen rechnen. Finger weg von Fake-Shops! Auffällige Internetadressen, unrealistisch günstige Preise, gefälschte Gütesiegel, fehlende AGB sowie unsichere Zahlungsarten sind Indizien für Shops mit betrügerischen Absichten. 

9. Auf Gütesiegel achten.

Güte- oder Sicherheitssiegel können Aufschluss über die Qualität eines Online-Shops geben. Allerdings muss man die Siegel genau unter die Lupe nehmen. Seriöse Siegel sollten allgemein anerkannt und auf ein offizielles Prüfzertifikat verlinkt sein. Als etabliert gelten zum Beispiel Siegel vom TÜV, "Trusted Shops", "Safer Shopping" sowie "geprüfter Online-Shop". Mehr Infos unter bsi.bund.de 

10. Ein sicheres Passwort wählen.

Um seine digitale Identität bestmöglich zu schützen, rät die Verbraucherzentrale zu einem eigenen Passwort für jedes Benutzerkonto. Hier gilt: Je länger und ungewöhnlicher, desto besser. Ideal ist ein Mix aus mindestens acht Zeichen von Klein- und Großbuchstaben, Sonderzeichen und Zahlen. Personenbezogene Passwörter wie Name des Kindes, Hochzeitsdatum oder Geburtstag sind tabu.

Ein sicheres Passwort entsteht beispielsweise aus den zusammengesetzten ersten Buchstaben und Zeichen eines Satzes. Aus dem bekannten Kinderlied „Alle Vögel sind schon da" wird beispielsweise „AV-ssd11!“. Außerdem wichtig: Passwörter regelmäßig ändern. Übrigens: Eine Merkliste auf Papier ist sicherer als ein digitaler Passwort-Manager. 

11. Sicher bezahlen im Netz.

Bei der Bezahlung per Bankeinzug oder Kreditkarte auf eine verschlüsselte Verbindung - SSL oder HTTPS - achten (erkennbar am Schlosssymbol im Browser). Authentifizierungsverfahren wie "Verified by Visa" (Visa) und "SecureCode" (Mastercard) sorgen für zusätzliche Sicherheit bei der Kreditkartenzahlung. Vorkasse wird als Zahlungsart ebenfalls häufig angeboten. Was man wissen muss: Eine Überweisung lässt sich schwerer rückgängig machen als ein Bankeinzug. Als risikoarm gelten Bezahldienste wie Paypal oder Paydirekt, bei denen man ein Konto anlegt und die Zahlung autorisiert. Wer wirklich sichergehen will, zahlt erst nach Erhalt der Ware. Die Bezahlung per Nachnahme ist sicher, kostet jedoch zusätzlich. Am sichersten ist der Rechnungskauf. 

Einige Shops gewähren den Kauf auf Rechnung schon Neukunden ab der ersten Bestellung als Zahlungsmöglichkeit  - sogar trotz Schufa-Eintrag. Eine Bonitätsprüfung ist jedoch obligatorisch. Der beliebte Rechnungskauf ist ohne Risiko, da keine Bankdaten weitergegeben werden und der Käufer nur die Artikel bezahlt, die er behält. Bei größeren Anschaffungen und finanziellen Engpässen ist auch der Ratenkauf von Vorteil, sofern man vom niedrigen Zinsniveau profitiert. Wer allerdings nur "auf Pump" kauft, riskiert, den Überblick zu verlieren - und in der Schuldenfalle zu landen.

12. Vom Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Der Artikel passt oder gefällt nicht? Die Rückgabe der Ware kann ohne Nennung von Gründen innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Einige Online-Shops gewähren ihre Kunden auch mehr Zeit. Wer zahlt die Retourekosten? Grundsätzlich der Verbraucher, wenn vom Händler nichts anderes vereinbart wurde. Große Shops bieten in der Regel kostenlosen Versand und Rückversand. In jedem Fall VOR dem Kauf prüfen! Wer ein Produkt im Online-Shop umtauschen will, widerruft am besten schriftlich, sendet die Ware zurück und bestellt neu. Die Mängelhaftung (Gewährleistung) gilt unabhängig vom Widerruf ab Kauf zwei Jahre lang. Dabei muss der Käufer dem Verkäufer die Möglichkeit geben, den Schaden an der Ware zu beheben. 

Unsere Expertin

Annette Voß, Fachbereichsleiterin Telekommunikation/Internet/Medien, Verbraucherzentrale Hamburg, www.vzhh.de

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