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Brief an Working Moms

Liebe Mama in Festanstellung, wie schaffst du das?

Unsere Autorin Silke ist zweifache Mutter und selbstständige Journalistin. Job und Mama-Dasein bringen sie oft an ihre Grenzen. Sie fragt sich: Wie machen Mütter das, die sich ihre Arbeitszeit nicht frei einteilen können?

Liebe Mama in Festanstellung,

es ist 23.49 Uhr, und ich fange an, diesen Text zu schreiben. Du schläfst schon. Zumindest hoffe ich das. Denn morgen früh musst du wieder bei der Arbeit sein. Pünktlich natürlich. Sonst gucken die Kollegen. Sonst schimpft der Chef.

Vermutlich kannst du gar nicht zählen, wie viele Kämpfe du bereits gekämpft hast, bevor du an deinem Schreibtisch sitzt. Und ich wähle das Wort "Kampf" sehr bewusst, denn ein Kampf ist immer erschöpfend, ermüdend, anstrengend. Ganz egal, wie er ausgeht.

Ob das Brot falsch geschnitten ist oder die Zähne nicht geputzt werden wollen, ob die Bahn zu spät oder die Straßen zu voll sind – all diese kleinen Auseinandersetzungen am frühen Morgen lächelst du weg, wenn du bei der Arbeit erscheinst. Dabei hättest du genau jetzt die erste Pause nötig. Doch Pausen hast du bei der Arbeit nicht. Schließlich bist du "nur" die Teilzeitkraft. Und in der Zeit, in der du da bist, musst du dich beweisen. Sonst gucken die Kollegen wieder. Weil du "so früh" schon nach Hause gehst.

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Ich arbeite vom Küchentisch aus. Und ich arbeite viel. Sobald die Kinder schlafen, sitze ich wieder hier. Wenn ich Deadlines habe, die eng sind, auch die Nacht durch. Selten gehe ich vor 1 Uhr morgens ins Bett. Das ist nicht schön. Und ja, es bringt mich oft an körperliche Grenzen. Ich weine, weil ich den Stress nicht anders abbauen kann. Ich werde krank, weil ich nie richtig ausschlafe. Und ich vernachlässige meine Freundschaften, wenn ich zu viel zu tun habe.

Aber all das tust du auch. Doch du bist nicht nur durch deine Kinder fremdbestimmt, sondern auch noch durch deinen Arbeitgeber. Wenn ich einen Anruf aus der Kita bekomme, dass mein Kind krank ist, muss ich das nur mit mir selbst und meinem Mann abklären. Und das ist stressig genug. Du aber? Du musst dich auch noch vor Kollegen und Vorgesetzten rechtfertigen. Auch deine Arbeit bleibt liegen, so wie meine – aber du kassierst noch blöde Blicke oder gar Sprüche dazu. Wie hältst du das aus?

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Und es sind ja nicht nur die Krankheiten. Es ist Spendenlauf an der Schule. Das Sommerfest in der Kita. Die Weihnachtsaufführung in der Aula. Die Tombola für wohltätige Zwecke. All diese Termine, die ein ohnehin schon fragiles Zeitkonstrukt aus den Fugen reißen. Wie schaffst du das?

Ich bekomme es ja kaum hin, überall rechtzeitig anwesend zu sein. Und ich muss mir noch nicht einmal Urlaub dafür nehmen. Könnte ich auch gar nicht: Der wäre durch die Krankheitstage der Kinder spätestens im Februar aufgebraucht. Bronchitis, Lungenentzündung, Pseudo-Krupp – meine Kinder haben dieses Jahr aus dem Vollen geschöpft und waren immer gleich wochenweise krank zu Hause.

Manchmal sage ich im Scherz, dass ich in einer Festanstellung deshalb sowieso längst entlassen worden wäre. Doch ich fürchte, das ist gar kein Scherz. Sondern ein Druck, der vermutlich ganz ernsthaft auf deinen Schultern lastet. Zusätzlich zu allem anderen.

Liebe Mama in Festanstellung, wenn du bis hierhin gelesen hast, danke ich dir für deine Zeit. Ich weiß, dass du nicht viel davon hast. Umso wichtiger ist es mir, dir ganz deutlich zu sagen, warum ich dir diese Zeilen geschrieben habe. Ich möchte, dass du weißt: Du bist großartig! Ich habe den größten Respekt davor, wie du Familie und Arbeit meisterst. Wie du jeden Tag aufs Neue zwischen deinen eigenen Ansprüchen und denen anderer bestehst. Und ich wünsche dir, dass du dazu kommst, hin und wieder doch eine kleine Pause einzulegen.

Es ist 1.12 Uhr und ich gehe jetzt schlafen. Denn auch ich kann jetzt nicht mehr.

Deine Silke

PS:

Wenn du noch die Zeit für einen zweiten Text hast, empfehle ich dir diesen sehr lesenswerten Artikel der Autorin Marlene Hellene. Sie schreibt über das Piepen, das das kleine Kästchen von sich gibt, an das sie ihren Arbeitszeiterfassungschip hält. Ein Piepen, das ihr sagt, sie hat endlich genug getan.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei wireltern.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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