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Mama ist die Beste

Bin ich eine gute Mutter?

Diese Frage stellen sich früher oder später wohl alle Mütter. Aber keine Sorge: Kinder brauchen keine perfekte Super-Mami, sondern eine ganz normale Mutter mit Stärken, Schwächen, Zeit und Zuversicht, die bei aller Hingabe selbst nicht zu kurz kommt.

 

Ein Nachmittag auf dem Spielplatz. Es ist Frühling. Die Sonne scheint. Drei Jungs buddeln im Sand. Ein Mädchen sitzt auf der Schaukel. Ein Kleinkind macht Laufversuche mit Festhalten. Eine Clique aus Fünfjährigen spielt im Holzhaus. Die Mütter beobachten ihre Kinder und könnten eigentlich zufrieden entspannen. Denn sie tun ihrem Nachwuchs etwas Gutes: Die Kleinen dürfen draußen sein, sich bewegen und Neues probieren. Sie haben Spielkameraden und sind sicher betreut – mehr brauchen sie im Moment nicht. Und doch ist keine der Mamas zufrieden.

Müsste ich mich nicht in den Sand setzen und mein Kind zum Bauen anregen? Braucht die schaukelnde Tochter Hilfe beim Schwungholen? Wäre es nicht besser, mit den Großen jetzt in den Schwimmkurs zu gehen? Oder zur musikalischen Früherziehung? Solche Überlegungen werden von der Nachbarmutter unterbrochen: „Du, die Hannah müsste doch längst laufen können, oder?“ – „Warum ist dein Max denn so aggressiv heute? Geht ihr zu Hause auch so miteinander um?“ 

 

Mütter haben Zweifel: Mache ich das richtig?

Wenn nicht selbstgemacht, dann kommen die Zweifel von außen, die fast alle Mütter plagen: Mache ich alles richtig? Bin ich eine gute Mama? Verbringe ich genug Zeit mit meinem Kind? Liebt es mich, auch wenn ich mal schimpfe? Wohl kaum eine Frau stellt sich solche Fragen nicht, sobald sie ein Baby erwartet. Bevor es das Licht der Welt erblickt, sind die guten Vorsätze unermesslich hoch: Ich werde eine perfekte Mutter, strahlend vor Glück, lässig pendelnd zwischen Küche, Kind und Karriere.

Doch spätestens nach der Geburt ist man auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Statt um Perfektion geht es jetzt erst einmal um die „Basics“: Sattwerden, Schlafen, Wickeln, Schmusen und vor allem: Nicht schreien. Allein das ist schon schwer genug. Der Anspruch, nebenbei auch noch den Haushalt perfekt zu führen, erledigt sich meist von allein. Auch später gehen die allzu guten Vorsätze im Alltagstrubel unter, doch das schlechte Gewissen bleibt. Obwohl nicht nur die Erfahrung, sondern auch Erziehungsratgeber und Experten längst klar gemacht haben: Keine Mutter kann perfekt sein. Es ist auch gar nicht nötig, dem Kind alles zu geben. Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn es im Alltag drunter und drüber geht.   

Trotzdem lassen sich Mütter durch Kommentare von anderen oder Erlebnisse, die sie falsch einordnen, immer wieder aus dem Konzept bringen. Wenn du selbst allzu oft unter dem Gefühl leidest „Ich bin keine gute Mutter“, kannst du dich mit den folgenden Gedanken trösten. Vielleicht helfen dir die Erkenntnisse, ein bisschen zufriedener mit dir selbst zu sein:

 

Gute Mütter ...

...opfern sich nicht auf. Innerlich kochen, aber nach außen dauerlächeln? Endlich einmal raus wollen, aber aus falsch verstandener Rücksicht nicht mehr ohne Kids das Haus verlassen? Die eigenen Interessen aufgeben? Wer das tut, manövriert sich selbst in die Rolle des unglücklichen Opfers, obwohl glückliche Mütter das Beste für ihre Kinder sind. Nehme statt dessen Hilfe an. Väter, Großeltern, Nachbarn, Babysitter – Kindern tut es gut, mehr als eine Bezugsperson zu haben. 

...unterwerfen sich nicht dem Vergleichs-Terror. „Unsere Mia spricht mit eineinhalb schon in ganzen Sätzen.“ – „Finn ist noch nicht mal zwei und geht allein aufs Töpfchen.“ Wenn andere Eltern mit frühen Fähigkeiten prahlen, kommt einem das eigene Kind wie ein vernachlässigter Winzling vor. Bedenke: Schneller ist keineswegs besser. 90 Prozent aller Kinder erreichen ihre „Meilensteine“ in normaler Geschwindigkeit.

...glauben an sich selbst. „Versuch’s doch mal mit der Flasche“, rät die Schwiegermutter, weil der gestillte Säugling schreit. „Das würde ich mir nicht bieten lassen“, erklärt die Nachbarin beim Anblick eines Wüterichs in der Trotzphase. In schwierigen Situationen kommen häufig ungebetene Ratschläge von Besserwissern. Lass dich davon nicht verrückt machen. Du selbst kennst dein Kind am besten. Im Zweifelsfall frage lieber echte Experten wie Kinderärzte, Psychologen oder Pädagogen.

...nehmen sich Zeit für Rituale, gemeinsame Mahlzeiten, Familienspiele, Singen, Ausflüge, Kuscheln oder Vorlesen, fühlen sich aber nicht verpflichtet, ihr Kind rund um die Uhr zu beschäftigen oder vorm Fernseher zu parken, wenn es Langeweile hat. Für Rollen- und Phantasie-Spiele sind Gleichaltrige die besseren Partner. Wenn dem Kind nichts einfällt, womit es sich beschäftigen könnte, darf es auch mal Leerlauf ertragen. Das macht nämlich kreativ.

... arbeiten, wie es ihnen gefällt. Karrieremütter kontra Hausfrauen. Schadet es meinem Kind, wenn ich arbeite? Darüber lässt sich kaum fair diskutieren. Studien haben gezeigt, dass liebevolle und verlässliche Eltern zufriedene Kinder haben – gleichgültig ob Mama arbeitet oder nicht. Fürs Lebensglück spielt das kaum eine Rolle. Wer einer berufstätigen Mutter vorwirft, dass sie über ihren Job ihr Kind vernachlässigt, oder einer Hausfrau mit Verachtung begegnet, ist meist nur neidisch, weil der andere hat, was einem selbst fehlt.

 

Pädagogisch wertvoll nebenbei

Um deinem Kind pädagogisch Wertvolles mit auf den Weg ins Leben zu geben, musst du keine Fachkurse besuchen. Die besten Dinge klappen bei guten Müttern ganz nebenbei: 

Mut machen. Je mehr Dinge Kinder alleine ausprobieren dürfen, desto besser entwickeln sie sich. Gib deinem Kind Zeit und Gelegenheit, selbstständig zu werden, auch wenn’s anfangs etwas länger dauert.

Die Sinne anregen. Kinder erfahren die Welt mit allen Sinnen. Fordere deinen Nachwuchs deshalb immer wieder zum Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken und Riechen heraus.

Toll, mein Schatz! Lobe jeden Versuch, etwas Neues zu lernen. Erlaube Fehler, ermuntere danach zum Neustart. Selbstbewusstsein ist die beste Basis, um später mit Veränderungen klar zu kommen.

Ran an die Alltagsarbeit. Kein Kind nimmt Schaden, wenn es – seinem Alter entsprechend – körperlich etwas tun muss. Es sollte beim Einkaufen helfen, den Schulweg zu Fuß machen, ein Ausflugsziel mit dem Rad erreichen – körperliche Aktivitäten im Alltag sind genauso wichtig wie das Kinderturnen im Verein.

Das schmeckt mir. Jungen und Mädchen essen anders als Erwachsene es gern hätten. Trotzdem muss Mama nicht jedem Wunsch nach Süßem nachgeben. Gesundes Essen und feste Mahlzeiten sind im Alltag selbstverständlich. Naschen bleibt die Ausnahme.

Lust auf Bildung. Schlau werden macht Spaß. Lebe deinem Kind vor, dass es wunderbar ist, etwas Neues zu lernen und sich vielseitig zu interessieren.

Humor und Gelassenheit zeigen. Wenn etwas schief läuft, geht die Welt nicht unter. Gelassenheit ist im Umgang mit Kindern sehr effektiv. Lachen macht große und kleine Leute glücklich. Sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann, bringt nichts.

Du interessierst mich. Kinder kann man nicht nach Lehrbuch erziehen. Frage dein Kind nach seinen Gefühlen und nehme Rücksicht darauf. Die Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse der Kleinen hineinzuversetzen, ermöglicht es Eltern, in unterschiedlichen Situationen angemessen zu reagieren.

 

 

Mama kontra Mutti – wer ist die Best(i)e?

Der Psychoanalytiker Torsten Milsch warnt vor Müttern, die unter dem Deckmäntelchen der Fürsorge verhindern, dass ihre Kinder sich gesund entwickeln

Sie wollen nur Gutes, tun aber Schlimmes. Der Arzt und Psychoanalytiker Torsten Milsch beklagt sich in seiner Streitschrift „Mutti ist die Best(i)e“ über Mütter, die sich allzu sehr für ihre Kinder aufopfern und daraus unbewusst das Recht auf Unterdrückung ableiten. In dreißig Jahren Praxis, so der Experte, habe er beobachtet, dass Grundprobleme trotz aller Veränderungen in unserer Gesellschaft immer gleich bleiben: „Viele Menschen können sich weder in sich selbst noch in andere einfühlen. Sie haben keine emotionale Grundlage für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft.“ Die Schuld daran liege „zu Hause bei Mutti“. Die böse Mutti steht für den Psychoanalytiker symbolisch für einen Charakter, der seine Egozentrik auf Kosten seiner Mitmenschen auslebt.

Solche Macht-Typen, die im übrigen auch Männer sein können, machen es anderen unmöglich, sich gesund zu entwickeln. In der Familie sind das fast immer die Mütter. „Diese Muttis entscheiden über richtig und falsch, kontrollieren Hausaufgaben und Freizeit, dulden keine abweichende Meinung und machen aus ihren Kindern unglückliche und unselbstständige Erwachsene.“

Liebevolle Mama oder destruktive Herrscherin?

Der Autor bekennt: „Ich weiß, dass man das nicht sagen darf. Die Stellung der Mutter ist tabu. Ich sage es trotzdem.“ Er selbst hatte als kleines Kind eine liebevolle Mama und bekam nach deren frühem Tod eine „absolutistische Herrscherin“ als Stiefmutter. „Durch ihre destruktive Terrorherrschaft weiß ich heute, wie sich viele Kinder fühlen.“

Der Facharzt für Psychiatrie unterscheidet die Mutter-Typen: „Ich kenne die liebevoll zugewandte Mama und ich kenne die oberflächlich lächelnde, aber innerlich kalte und gefühllose Mutti.“ Weil unsere Gesellschaft mit negativen Mutti-Systemen infiziert sei, gebe es immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Ängsten, sagt Torsten Milsch. Sein Fazit: „Wir haben zu wenig Mamas, die ihre Kinder lieben, fördern und sich über ihre Entwicklung freuen, und zu viele Muttis, die vor allem sich selbst lieben und ihre Kinder benutzen, um sozial mächtig zu bleiben.“

Woran erkennt man gut gewillte Mütter auf dem Weg zur schlechten Mutti? Dr. Milsch nennt ein paar Kriterien: Schlechte Mütter ...

... klagen gerne und laut über ihr Schicksal als angebliches Opfer. Lieblingssatz „Ich mache das alles nur für euch“. Wenn jemand etwas anders sieht, folgt automatisch: „Dann hat Mutti dich nicht mehr lieb.“

... antworten für ihre Kinder, auch wenn die längst sprechen können. Sie geben den Kindern keine Chance für eigene Antworten, weil sie angeblich ohnehin wissen, was ihr Sprössling denkt.

... bestimmen beim Einkauf ganz allein, was in den Wagen darf und was nicht. Wenn Väter oder Kinder ebenfalls Wünsche anmelden, werden die übergangen nach dem Motto: „Ich weiß am besten, was gut für euch ist.“

... kutschieren ihre Kinder überall hin – ob zur Schule, zu Freunden oder zum Ballett. Angeblich, weil sonst etwas passieren könnte, in Wirklichkeit aber, um alles unter Kontrolle zu haben. 

... lauern auf Fehler, die Mann und Kinder im Haushalt machen. Wehe, wenn Papa den Wischlappen falsch hält oder das Kind beim Kochen kleckert. „Lass mich mal, ihr könnt das doch nicht.“

... reden vor Publikum mit den Kindern nur in säuselnden Tonfall, verändern den aber schlagartig, sobald die Tür verschlossen ist.

... tun dauernd Dinge, die sie eigentlich nicht mögen, klagen darüber und erzeugen damit bei anderen ein schlechtes Gewissen. Die Kinder haben keine Chance, sich dafür zu revanchieren.

... sorgen ständig für Zugang zu Essbarem, um Fürsorge zu demonstrieren und Dankbarkeit zu sichern. Ob das Kind Hunger hat, spielt keine Rolle. Torsten Milsch: „Die den ganzen Tag stattfindenden Dauermahlzeiten bringen keine echte Sättigung, bedeuten aber, dass das Kind kein Gefühl für eigene Bedürfnisse entwickeln kann.“

Buchtipp: Dr. Torsten Milsch: „Mutti ist die Best(i)e – Die heimliche Diktatur vieler Mütter“, Piper 2013, 19,99 Euro. 

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