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40 Jahre alt? Nein: jung!

Muttersein damals und heute

Junge Familie feierte 2009 ihr 40-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass haben wir drei 1969 geborene Mütter zum offenen Austausch über das Muttersein und Kinderhaben heute und einen Rückblick in vergangene Zeiten gebeten.

JF: Wo und in welcher Familienkonstellation seid ihr aufgewachsen?

Cornelia: Ich bin in Cuxhaven aufgewachsen. Meine Eltern waren beide im Schuldienst. Ich habe keine Geschwister und kam durch die morgendlichen Unterrichtszeiten meiner Eltern in den Nachmittagsstunden in den Genuss sowohl meiner Mutter als auch meines Vaters. Dass mein Vater den Kinderwagen geschoben hat, war für die damalige Zeit genauso untypisch wie die Berufstätigkeit meiner Mutter.

Anneliese: Ich bin in Holland geboren, in einem Krankenhaus, was für holländische Verhältnisse damals wie heute ungewöhnlich ist, da die meisten Kinder nach wie vor zu Hause geboren werden. Mein Vater hat immer gearbeitet, meine Mutter blieb in den ersten Jahren bei mir und meiner Schwester.

Anke: Die ersten Jahre haben meine Eltern mit mir und meiner großen Schwester in Freiburg gelebt, später sind wir zurück nach Hamburg  gezogen, woher meine Eltern stammten. Meine Mutter war die ersten Jahre zu Hause und hat als Tagesmutter gearbeitet, später hat sie ihr Pädagogikstudium wieder aufgenommen. Mein Vater war netterweise während seiner Promotion viel zu Hause. Später hat er sich spaßhaft als „Mutter ohne Brust“ bezeichnet, weil meine Mutter während ihres Referendariats viel weg war und er für uns gesorgt und gekocht hat.

JF: Lässt sich euer Alltag mit dem damaligen Leben eurer Eltern vergleichen? Cornelia: Nein, mein Leben ist ganz anders als das meiner Eltern. Mein Mann geht um acht und kommt um acht – wochentags bin ich quasi alleinerziehend.

Anneliese: Mein Mann arbeitet nicht in Hamburg, sodass auch ich mit den Kindern viel alleine bin. Diese Trennung der Familie war vor 40 Jahren, vor allem in Holland, nicht denkbar.

Anke: Mein Mann ist derzeit auch nur am Wochenende bei uns.

Spielen früher und heute

JF: Wo und mit was habt ihr gespielt?

Anke: Ich habe meine halbe Kindheit im Garten verbracht oder auf der Straße. Wenn ich jetzt durch die Straßen meiner Kindheit gehe, bin ich schockiert, wie zugeparkt dort alles ist und wie sehr der Verkehr zugenommen hat.

Anneliese: Wir waren auch ganz viel draußen, immer zusammen mit den Nachbarskindern, und haben uns auf Decken ein Puppenlager aufgebaut. Aber besonders geliebt habe ich meine Märklin-Eisenbahn.

Anke: Ich hatte viele Sachen, mit denen meine Kinder heute auch spielen: Brio-Eisenbahn, Matchbox-Autos und vor allem Lego. Mit dem spielen heute meine Kinder.

Cornelia: Und Playmobil kam auf. Meine erste Packung war ein Männchen mit Schaufel.

JF: Wart ihr behüteter oder hattet ihr mehr Freiräume als eure Kinder heute?

Cornelia: Es gab sicherlich insgesamt mehr Kinder, die Gesellschaft hat mehr auf sie achtgegeben und sie selbstverständlicher in den Alltag integriert. Nun werden Grundschulkinder mit dem Auto zur Schule gebracht, zu Fuß trifft man kaum jemanden. Wir sind nachmittags allein mit den anderen Kindern um die Häuser gezogen, einer hat immer geguckt.

Anneliese: Ich denke schon, dass unsere Eltern durchaus die gleichen Sorgen hatten wie wir heute. Wenn meine beiden großen Töchter heute abends weggehen bin ich immer unruhig, bis ich weiß, sie sind sicher zu Hause. 

JF: Was meint ihr: Gibt es in den heutigen Kinderzimmern ein Überangebot an  Spielzeug, das die Fantasie dämpft?

Anke: Mein Sohn hat sicherlich mehr Spielzeug als wir hatten. Dennoch ist er mit seinen fünf Jahren sehr fantasievoll und baut seit Monaten aus Legosteinen kunstvolle, große Raumschiffe. 

Anneliese: Die Kinder haben heute mehr Auswahl, aber das hindert sie nicht  an ihren eigenen Spielideen. Vor allem die klassischen Rollenspiele Vater-Mutter-Kind gleichen exakt dem Spiel unserer Kindheit.  

Cornelia: Unsere Kinder kombinieren die verschiedenen Spielangebote. Der Bauklotzhafen beherbergt das Playmobilschiff, umgeben von  einer Stadt aus Legosteinen. Dazu spielen meine Kinder ganz viel nach, was sie selbst erlebt  haben und fahren Skirennen auf dem Teppich.

Familie und Beruf

JF: Wie leicht oder schwer fällt es euch heute, Familie und Beruf miteinander zu kombinieren?

Anke: Für mich war immer klar, dass ich mein erfolgreiches Büro nicht aufgeben möchte. So waren die Kinder schon vor ihrem ersten Geburtstag betreut. Mittlerweile sind meine Kinder beide in der gleichen Kita, sodass ich in den Vormittagsstunden arbeiten kann. Wenn ich Seminare gebe und den ganzen Tag unterwegs bin, unterstützen mich meine Eltern.

Anneliese: Eigentlich bin ich Kinderkrankenschwester, doch nach der Geburt meiner beiden großen Töchter war klar, dass ich im Krankenhaus mit Schichtdienst nicht weiterarbeiten kann. Da ein Zuverdienst für uns immer wichtig war, habe ich vor 16 Jahren begonnen, als Tagesmutter zu arbeiten. Das ist ein toller Job, mit den Kindern gut zu vereinbaren und die Kleinen, die  vormittags unsere Wohnung bevölkern, bereichern unser Familienleben. Das mache ich, bis ich Oma werde... (lacht).

Cornelia: Die Frage, ob ich denn auch noch einmal arbeiten möchte, finde ich in Anbetracht unserer drei kleinen Kinder immer relativ dreist. Ich wäre froh, wenn ich überhaupt wieder Zeit zum Lesen fände...

JF: Können euch eure Mütter im Alltag mit den Kindern helfen und Ratschläge geben?

Anke: Meine Mutter unterstützt mich sehr und gibt mir ganz viel Bestätigung. Sie ist eine ganz tolle Großmutter, die mit den Kindern viel spielt und schöne Ausflüge unternimmt.

Cornelia: Meine Mutter hilft auch sehr. Und sie verwöhnt die Kinder, dafür sind Omas ja aber auch da.

 

Partnerschaft heute

JF: Was haltet ihr vom neuen, seit 2008 gültigen Unterhaltsrecht im Falle einer  Ehescheidung, nach der der Unterhalt beziehende Partner – meist die Mutter – sehr viel früher als bisher wieder selbst tätig werden soll, um für den eigenen  Lebensunterhalt zu sorgen?

Anneliese: Damit hat der Staat die klassische Hausfrauenehe zum Auslaufmodell erklärt und mutet den Partnern mehr Eigenverantwortung zu. Schon jetzt zeichnet sich der Trend ab, dass wesentlich mehr Mütter nach der Geburt der Kinder auch in einer intakten Partnerschaft weiter- arbeiten, um ihre Unabhängigkeit zu behalten. Das setzt allerdings voraus, dass diese Mütter auch einen Job finden oder in ihre alte Stellung zurückkehren können. Und das wird mit der Geburt jedes weiteren Kindes immer schwieriger.

Anke: Grundsätzlich finde ich mehr Eigenverantwortung richtig und gut. Ziel sollte schon sein, möglichst bald nach der Trennung für den eigenen Unterhalt sorgen zu können. Ich finde es jedoch wichtig, die Kinder sanft und  schrittweise an Betreuung zu gewöhnen. Den Alleinerziehenden sollte außerdem neben der Arbeit noch Zeit und Kraft für ihre Kinder bleiben.

Cornelia: Eine längere und frühere Fremdbetreuung der Kinder ist für die Gemeinschaft der Familie kritisch, da die Kinder aufgrund des Altersunterschiedes selten zusammen betreut werden können. Ansonsten ist das Thema sehr komplex und juristisch noch nicht mit letzter Klarheit durchgefochten, sodass ich denke, dass die Anwendung in der Praxis in den nächsten Jahren zeigen wird, ob dieser theoretische Weg im Alltag Bestand hat.

JF: Ihr seid jetzt 40 Jahre alt – ist nun die Zeit der Midlife-Crisis gekommen?

Cornelia: Als ich 40 wurde, war ich im siebten Monat schwanger, da hatte ich keine Zeit über diese Zahl nachzudenken.

Anke: Ich hatte die 40-Jahre-Krise ein bisschen, vorher bin ich immer gerne älter geworden, doch an der 40 hatte ich ein bisschen zu knabbern. Auch weil mir bewusst wurde, dass ich – in Anführungszeichen – eine alte Mutter bin, denn meine Tochter ist erst zwei.

Anneliese: Ich bin mit 21 Jahren Mutter geworden und war immer das Küken. Mit meiner Jüngsten, die jetzt acht Jahre alt ist, komme ich langsam in den Bereich hinein, wo andere Eltern auch in meinem Alter sind.

Interview: Sandra-Valeska Bruhns

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