Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

„Augen auf!“

Passende Policen für Familien

Ausbildungsversicherung, Risikolebensversicherung, Unfallversicherung – im Policen-Dschungel den Überblick zu behalten, stellt Familien vor eine Herausforderung. Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt, welchen Schutz Kinder und Eltern wirklich brauchen.

wireltern.de: Frau Weidenbach, welche Versicherungen sind für Familien ein Muss?

Das Gesetz schreibt vor, dass alle Familienmitglieder gesetzlich oder privat krankenversichert sein müssen. Zudem – das steht jedoch nicht im Gesetz – brauchen Familien eine private Haft-

pflichtversicherung.

Worauf sollten Eltern achten, wenn sie eine private Haftpflichtversicherung abschließen?

Bei vorsätzlich hervorgerufenen Schäden, und wenn der Schädiger den Schaden nicht bezahlen muss, tritt diese nicht ein. Kinder unter sieben Jahren – im Straßenverkehr Kinder unter zehn Jahren – sind nicht schuldfähig und müssen von ihnen hervorgerufene Schäden nicht bezahlen.

Wenn also beispielsweise ein fünfjähriges Kind mit einem Fußball die Fensterscheibe des Nachbarn kaputt schießt, kann man die Eltern nur belangen, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Anderenfalls muss der Nachbar für die neue Fensterscheibe selbst aufkommen. Das Berühmte „Eltern haften für ihre Kinder“ gilt also nur eingeschränkt. Es gibt aber auch haftpflichtversicherungen, die solche Schäden übernehmen.

Auf welche Policen können sie getrost verzichten?

Auf Handy- und andere Gerätereparaturversicherungen. Ebenfalls oft überflüssig: eine allgemeine Rechtschutzversicherung. Ein spezifischer Rechtschutz, wie beispielsweise Arbeitsrechtschutz, kann hingegen sinnvoll sein.

Benötigen Kinder eine spezielle Absicherung?

Mütter und Väter haben die Wahl zwischen einer Kinderunfall- und Kinderinvaliditäts-versicherung. Letztere ist eher empfehlenswert, weil sie sowohl leistet, wenn das Kind von einem Unfall Spätfolgen davonträgt, als auch bei dauerhaften körperlichen Beeinträchtigungen infolge einer Erkrankung. Kinderinvaliditätsversicherungen sind entsprechend teurer. Sie kosten etwa 300 bis 500 Euro pro Jahr, eine Unfallversicherung gerade mal zwischen 50 und 100 Euro.
 

Und wenn die Eltern erkranken, verunglücken oder gar sterben?

Für den    Hauptverdiener der Familie ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unabdingbar. Sie tritt ein, wenn der „Ernährer“ seinen Job zum Beispiel durch einen Unfall nicht mehr ausüben kann. Eine Risikolebensversicherung sichert die   Hinterbliebenen finanziell ab, falls ein Elternteil stirbt.
 

Was, wenn die Familie im Urlaub krank wird?

Für Familien, die im Ausland Urlaub machen, ist eine Auslandskrankenreiseversicherung ein Muss – selbst, wenn das Reiseziel in Europa liegt. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt zwar Behandlungen im europäischen Ausland. Aber: nur den Betrag, den die Behandlung in Deutschland kostet. Sind die Behandlungskosten höher, kommt man für einen Teil selbst auf. Einen Rücktransport ins Heimatland zahlt die gesetzliche Krankenversicherung nicht, sodass ich reiselustigen Familien allein aus diesem Grund zu einer Auslandsreisekrankenversicherung rate.  
 

Was empfehlen Sie Hauseigentümern?

Eigenheimbesitzer, die das Gebäude finanziert haben, benötigen auf jeden Fall eine Feuerversicherung. Besser ist eine verbundene Gebäudeversicherung gegen Brand-, Sturm- sowie Hagelschäden. Eine Hausratversicherung ist ebenfalls ratsam. Was Familien mit Eigenheim wissen müssen: Bei Schäden infolge von Überschwemmung und Lawinen leisten Hausrat- und Gebäudeversicherung nicht. Über eine Elementarschadenversicherung sollten Hausbesitzer deshalb auf jeden Fall nachdenken.
 

Ein Studium ist teuer. Schafft eine Ausbildungsversicherung finanziell Abhilfe?

Besser ist eine Risikolebensversicherung für den Hauptverdiener. Verstirbt dieser, können mit der Todesfallsumme die Kosten für die Ausbildung, aber auch für die Gesamtversorgung getragen werden. Um ein finanzielles Polster für die Ausbildung der Kinder zu schaffen, kann man zusätzlich einen Sparvertrag abschließen.

Können sich Familien überhaupt rundum absichern?

Es gibt immer Lücken. Zudem kostet eine solche „Rundumabsicherung“ viel Geld. Das müssen Familien erst Mal stemmen! Sie sollten sich darauf beschränken, Policen für die größten anzunehmenden Unfälle abzuschließen – also für die, die  ein Loch in die Haushaltskasse reißen würden.
 

Wie schützen sich Eltern davor, dass man ihnen unnötige Policen aufschwatzt?

Ich würde im Vorfeld unabhängige Information einholen – zum Beispiel bei „Stiftung Warentest“ oder den Verbraucherzentralen. Man kann natürlich auch zum Versicherungsberater gehen, der gegen Honorar berät. Wichtig: Man sollte nie sofort unterschreiben. Schon gar nicht, wenn man etwas nicht versteht.
 

Haben Sie einen letzten Tipp, wie Familien im Policendschungel den Durchblick behalten?

Bei Versicherungen gilt: „Augen auf, oder Portmonee auf!“ Man sollte eine Police niemals 30 Jahre im Ordner schlummern lassen. Sondern: wissen, welche Verträge bestehen, ab und zu mal reinschauen – und vergleichen. Schließlich gibt es immer wieder Neuerungen, die andere oder auch der eigene Versicherer womöglich zu einem günstigeren Beitrag anbieten.

Unsere Expertin:

Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Teile diesen Artikel:

]