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Kolumne Joko Zoellner

Die kleinen Provokateure

Sie haben das Talent, ihre Eltern zur Weißglut zu bringen. Die Folge: Wutanfälle hüben wie drüben. Das beste Rezept? Gelassenheit! Leichter gesagt als getan. Aber wir haben wirkungsvolle Methoden gefunden.

Gelassenheit – das sagt sich so leicht daher. Und doch: Wir tun uns oft verdammt schwer damit. Warum ist es nicht ganz einfach, locker zu bleiben und die Ruhe zu bewahren anstatt sich provozieren zu lassen? Klar,  wer wünscht sich nicht diese gewisse Souveränität, über den Dingen zu stehen und mit dem richtigen Überblick auch das Richtige zu tun?

Gelassenheit gehört heutzutage grundsätzlich und überall zu den größten Herausforderungen – im Beruf, in der Ehe beziehungsweise in der Partnerschaft, in Freundschaften und mit einem ganz besonderen Stellenwert in der Erziehung. Denn die Kleinsten sind in unserer Gesellschaft oft die Größten darin, ihre Eltern zur Weißglut zu bringen. Und dann hat es sich mit der Gelassenheit – und dann auch leider oft viel schneller als in  anderen Lebenssituationen.

Was tun? Und: Wie umgehen mit den kleinen Wutknirpsen, ohne früher oder später die Beherrschung zu verlieren?

Antworten gibt es bekanntlich tonnenweise in allen alten und in den neuen Medien. Und außerdem – pardon – wissen es die allermeisten Eltern  sowieso immer noch ein Stückweit besser als alle anderen. Im Grunde genommen ist es wie bei der Führerscheinprüfung: Wer die Theorie bestanden hat, kann noch lange nicht fahren. In der praktischen Prüfung muss sich erst beweisen, ob jemand das Auto tatsächlich gut lenken kann.

Im täglichen Umgang mit Kindern stellt sich auch erst heraus, ob wir die Voraussetzungen mitbringen, ihnen mit ausreichend Gelassenheit zu begegnen. Indes: Immer die Ruhe zu bewahren, ist eine Illusion und schürt nur Erwartungshaltungen, die unerfüllbar sind. Dafür ist das Konfliktpotential in der Erziehung  zu vielseitig und vielschichtig.

Pädagogen und Psychologen sind sich unisono einig: Gelassenheit ist eine Frage des Charakters. Man kann sie nicht lernen aber sehr wohl trainieren, wohlwissend, dass es keine Patentrezepte gibt. Gehen wir also mal auf die Suche nach verheißungsvollen Methoden.

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Die Theater-Strategie

Einem Streit oder gar einem Machtkampf gehen Sie aus dem Wege, indem Sie den "Boxring" verlassen und sich bildhaft betrachtet in ein Theater begeben. Sie setzen sich ins Parkett und beobachten aus sicherer  Entfernung, was da auf der Bühne passiert. Sie erleben zum Beispiel Ihr Kind in der bühnenreifen Rolle "Wutanfall".

Die Gesundheits-Expertin Dr. Martina Hahn-Hübner hat die drei wichtigsten Gründe ausgemacht, die Kinder wütend machen:

- Das Kind will einen Machtkampf gewinnen. Der Wutanfall ist das Mittel, Mama und / oder Papa beharrlich und, wenn es sein muss auch lange, unter Druck zu setzen, um seinen Willen zu bekommen (Beispiel: Der Lolli im Supermarkt!).

- Das Kind will Aufmerksamkeit um jeden Preis – natürlich in erster Line von den Eltern. Dafür zeigt es schauspielerische Glanzleistungen.

- Das Kind ist frustiert über sich selbst, weil etwas nicht so klappte, wie es klappen sollte. Die Enttäuschung entlädt sich in Wutgebrüll.  Oft steckt dahinter Ungeduld, noch gesteigert durch Reizüberflutungen, Bewegungsmangel und vor allem durch Müdigkeit.

Was auch immer der Grund jetzt bei Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter gewesen sein mag, Sie sitzen im Parkett und bleiben Zuschauer. Sie beobachten die Szene und greifen schon wegen der Entfernung auch nicht ein. Abstand halten tut gut. Sie lassen sich nicht anstecken. Sie verhindern auf diese Weise den sonst oft üblichen verbalen und irgendwann lauten Schlagabtausch. Umso leichter sollte es ihnen fallen, Ihr Kind in den Arm zu nehmen, wenn sich der Rauch verzogen hat. Und der kleine Rebell lernt, dass siene Aktionen ergolglos blieben – kein Lolli!

Die Zeit-Strategie

Entdeckt! Damit der Alltag möglichst entspannend und auch ohne Konfrontationen abläuft, hat die Erzieherin und zweifache Mutter Petra Straßmeir ihre interessanten, praxisorientierten Ideen unter dem Titel "Klein wird groß" ins Internet gestellt: "Ich empfehle, Kinder rechtzeitig darauf vorzubereiten, was gleich auf sie zukommt. Es ist sinnvoll, dass sie eine gewisse Zeit haben, sich darauf einzustellen." Beispiele:

- Auf dem Spielplatz: "In zehn Minuten gehen wir nach Hause." Und etwas später: "In drei Minuten wollen wir los." Dann: "Komm jetzt bitte, die Zeit ist um."

- Ähnlich kann der Ablauf beim Ins-Bett-gehen sein.

- Hygiene: "Pass bitte selber auf. Wenn der Wecker klingelt, ist Deine Zeit zum Zähneputzen gekommen."

- Planung: Wichtige Ereignisse wie ein Besuch bei den Großeltern werden am besten schon Tage vorher angekündigt und mehrfach wiederholt: "In einer Woche fahren wir zum Oma und Opa." – "In drei Tagen – was machen wir da? Richtig, wir besuchen Deine Großeltern." – "Morgen starten eir unsere Reise. Was willst du mitnehmen?"

- Arztbesuch: Auch vielleicht etwas schmerzhafte Ereignisse müssen rechtzeitg angesprochen und damit vorbereitet werden, aber immer mit dem Unterton: "Das wird aber nicht so schlimm, wenn wir dort morgen hinfahren. Ich pass auf dich auf."

Fazit:  Entspannung verhindert Streit. Sie fördert auch gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Planungen. Wichtige Voraussetzungen und vorbeugende Maßnahmen für mehr Gelassenheit im Alltag.

Und wenn dann doch die eigene Ungeduld mal zu groß ist, wenn der Stress einfach zu heftig wird und der Druck überhand nimmt, wenn irgendetwas Unvorgesehens das Gleichgewicht ungewollt ins Wanken bringt und es folglich nicht so klappt mit den Ansprüchen an die eigene Gelassenheit, Souveränität und guten Laune, dann ist das auch unbedingt zu akeptieren, das es so ist, wie es ist.

In solchen Momenten, sich selbst treu zu bleiben, sich die eine oder andere (kleine) Schwäche einzugestehen und nicht den unfehlbaren Übermenschen zu spielen, schenkt Ihnen eine andere, aber wichtige Variante von Gelassenheit. Einfach mal probieren!

Unser Autor: Joko Zoellner

Joachim "Joko" Zoellner blickt auf eine lange und ausgefüllte Karriere im Journalismus zurück. Zu seinen dabei durchlaufenen beruflichen Stationen gehören unter anderem Chefredakteursposten (tw. stellv.) im Springer-Verlag. Vor allem im Sport- und Familienbereich war und ist Zoellner leidenschaftlich als Autor aktiv.

Weiter gründete der studierte Theologe den Verlag "Jokomedia UG" sowie die Zeitschrift "Familie&Co." Für wireltern.de schreibt er regelmäßig unterhaltsame und informative Kolumnen rund um die Themen Familie, Kinder und Erziehung. Dabei kritisiert und kommentiert er – stets mit einem Augenzwinkern – gängige Methoden und alltägliche Missverständnisse zwischen Eltern und Kind.

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Unsere Autorin

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

"Man kann immer dazu lernen"

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiamsus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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