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Erfahrungsbericht

5 Dinge, die ich vom Mama-Coach gelernt habe

Einfach mal raus: Unsere Autorin Silke war beim "Mutterhelden Retreat" in St. Peter-Ording. Ein Wochenende lang gab es dort Entspannung pur – und ganz viel Erziehungs-Input vom Mama-Coach.

Heute kann man sich ja für alles coachen lassen: Ob Beruf oder Beziehung, Kommunikation oder Verhandlungsgeschick – ich habe mich schon oft in die Hände von Profis begeben, wenn ich auf der Suche nach Input und Austausch war. Aber mich im "Mama-Sein" coachen lassen? Das war neu für mich. Kein Wunder also, dass ich beim "Mutterhelden-Wochenende" unglaublich viel gelernt habe. Über mich und meine Bedürfnisse, über meine Kinder und ihre Sicht auf die Welt, über Wutanfälle und ihre Ursachen, über meine "So-eine-Mama-will-ich-doch-gar-nicht-sein"-Momente voller Schimpfen und Schreien. Und darüber, wie ich diese Momente immer seltener werden lassen kann. 
Nach zwei Tagen mit Mama-Coach Imke Dohmen und Heilpraktikerin Saskia Druskeit ist mein Notizbüchlein vollgekritzelt mit Nachrichten an mich selbst. Und mit wertvollen Erkenntnissen, die ich auf keinen Fall vergessen möchte. Hier die fünf, die mich am nachhaltigsten beeindruckt haben:
 

1. Ich kann meine Kinder nur zu 10 Prozent erziehen!

Denn 90 Prozent ihres Verhaltens schauen sie sich ganz einfach ab. Von mir, von ihrem Vater, von ihren Großeltern und anderen Bezugspersonen in ihrem Leben. Der beste Weg, seine Kinder zu guten Menschen zu erziehen, ist also: selbst ein guter Mensch sein. Oder wie Mama-Coach Imke es so schön sagte: "Wenn du selbst kein Arschloch bist, wirst du auch kein Arschloch großziehen." Ganz schön beruhigend. Und vor allem: Ganz schön überflüssig, wie viele Gedanken und wie viel Stress man sich rund um die eigenen Erziehungsmethoden (und deren Unzulänglichkeiten) macht.
 

2. Ich muss mein Kind nicht zwingen, seine Spielsachen zu teilen!

Und auch nicht dazu, sich zu entschuldigen. Empathie und das Teilen von Dingen liegen nicht in unseren Genen. Hätten die Steinzeitmenschen ihre Beute immer mit allen geteilt, würde es uns heute vermutlich gar nicht mehr geben. Kinder müssen erst einmal lernen, sich in andere hineinzuversetzen. Bis sie verstehen, dass ein anderes Kind hungrig, traurig oder eifersüchtig ist, vergehen Jahre.

Wenn mein Kleinkind seine Schaufel auf dem Spielplatz nicht dem fremden Kind ausleihen möchte, muss es das deshalb auch nicht. Selbst dann nicht, wenn die andere Mutter mit den Augen rollt. Und ist mir eine Sache, die mein Kind getan hat, wirklich unangenehm, entschuldige ich mich einfach selbst in seinem Namen. Denn mit erzwungenen Entschuldigungen bringe ich meinem Kind nur eine Sache bei: Dass das Wort "Entschuldigung" eine Floskel ohne Bedeutung ist. Autsch.

3. Meine Kinder haben kein Zeitgefühl!

Ja, das wusste ich schon vorher. Aber erst an diesem Wochenende wurde mir bewusst, was das bedeutet. Kurz nach einer Meditationsphase - ich hatte mir gerade einen frischen Tee geholt - sagt Imke zu uns: "Stellt euch vor, jetzt geht die Tür auf, der Hausmeister poltert rein und ruft ‚Los, packt zusammen, ihr müsst nach Hause, und zwar JETZT.‘ So fühlen sich eure Kinder, wenn ihr sie aus dem Playdate mit einem Freund reißt." Gar nicht schön, realisiere ich. Und entscheide: Geplante Aufbrüche bei Spielverabredungen kündige ich künftig mehrmals an.
 

4. Wenn meine Kinder spielen, hören sie mich WIRKLICH nicht!

Und sie meinen es nicht böse. Spielt mein Sohn mit seinen Lego-Batman-Figuren, ist er mit Leib und Seele in Gotham City. Und Batman hat nun einmal keine Mama, die plötzlich "Essen ist feeertig!" aus der Küche brüllt. Wenn auf das Rufen keine Reaktion folgt, brauche ich also nicht lauter zu rufen (und wütend zu werden) - sondern gehe stattdessen zu meinem Sohn hin, suche Blickkontakt und hole ihn für einen kurzen Moment zurück in die Realität. Dann fällt ihm im besten Fall auch direkt auf, dass er Hunger hat.
 

5. Ich muss öfter meine Energien aufladen - und zwar so richtig.

Auch das wusste ich schon vorher. Aber mir war nicht bewusst, wie groß die Wirkung einer echten Auszeit sein kann. Am Sonntag geht die ganze Gruppe an den Strand - mit Handy- und sogar Sprechverbot. Ich komme mir vor wie auf Klassenfahrt. Die Mama, mit der ich zusammen hierhergefahren bin, und ich gucken uns an und wir kichern sofort los. Wie soll ich das aushalten, frage ich mich noch. Doch nach wenigen Minuten ist jede Albernheit verpufft. Wir sitzen schweigend nebeneinander im Sand und hören dem Wellenrauschen zu. Mehr nicht. Ich fühle mich so zeitlos, wie meine Kinder beim Spielen, und hoffe, dass wir noch lange bleiben dürfen.

Nach einer Zeitspanne, die irgendwo zwischen einer halben und zwei Stunden liegen muss, geht jede von uns allein für sich zurück zum Hotel. Und ich fühle mich so tiefenentspannt wie seit Jahren nicht mehr. Als ich abends zurück nach Hause komme, stürzen sich die Kinder auf mich. Und obwohl es mit meinem Mann anders vereinbart war, übernehme ich das Ins-Bett-Bringen heute nicht nur freiwillig, sondern überglücklich und voller Stolz auf diese beiden großartigen kleinen Menschen in meinem Leben. 
 

Ich schreibe diesen Text zwei Tage nach meiner Rückkehr aus der Mutter-Auszeit. In den ersten 48 Stunden haben die Erkenntnisse des Wochenendes hier zu Hause schon für so manche positive Überraschung gesorgt. Und ich bin fest entschlossen, ganz viel von dem Gelernten weiterhin anzuwenden. Vor allem, dass ich nicht vergesse, immer mal wieder meine Energie-Reserven aufzuladen. Für Nadja, die mich nach St. Peter-Ording begleitet hat, und mich steht fest: Wir gönnen uns ganz bald schon eine Wiederholung so einer Auszeit.

Das Mutterhelden Retreat findet in St. Peter-Ording im Beach Motel statt. Die nächsten geplanten Termine sind im November diesen Jahres. Am 9./10. November findet das "Durchatmen"-Wochenende statt, von dem unsere Autorin in diesem Text berichtet. Am 23./24. November gibt es mit dem "Frischer Wind"-Wochenende die inhaltliche Fortsetzung für Mütter mit Kindern ab 5 Jahren. Beide Wochenenden kosten je 250 Euro Teilnahme-Gebühr zuzüglich Übernachtungskosten.

 

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei wireltern.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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