Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Kolumne Joko Zoellner

Weniger ist mehr

Nur etwas das Tempo aus unserem Leben nehmen, das Alter wertschätzen, den Alltag entstauben, der Routine ein Schnippchen schlagen, Altes gezielt loslassen, Neues wagen – mit Gelassenheit ohne übereifrigen Aktionismus.

Geht nicht? Geht! Es ist zumindest einen Versuch Wert. Wer nur eine Empfehlung beherzigt, hat bereits viel an Lebensqualität gewonnen.

Minimalistisches Leben hat eine lange Tradition – Konfuzius hat mal gesagt: "Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen." Viele Menschen laden sich zu viel auf – privat wie beruflich, sie stehen dadurch ständig unter Strom. Einige finden keinen Weg aus dem Dauerstress, der sogar krank machen kann.

Hier sind Anregungen, mit denen das Leben wirksamer zu entschleunigen und unkomplizierter zu gestalten ist. Das Gute: Ein paar Empfehlungen  lassen sich bereits innerhalb kürzester Zeit umsetzen! Man muss es nur wollen...

Ballast im wahrsten Sinne des Wortes erschwert uns das Leben. Dazu gehören unter anderem materieller Überfluss, leidige Verpflichtungen, lähmende Routine oder negative Beziehungen. Ballast abzuschütteln hat den einzigen Sinn, sich Freiräume zu verschaffen. Unsinnig wäre es dann allerdings, sich aufs Neue mit Verpflichtungen, Aufgaben, Menschen oder anderen Dingen voll zumüllen. Es geht um "frei", um durchatmen, um Luft holen, sich "irgendwie" leichter, erleichtert fühlen.

Keine Angst: Minimalistischer zu leben bedeutet nicht, allen Besitz zu verkaufen, in eine winzige Wohnung zu ziehen, die kriselnde Beziehung zu beenden, den Job hinzuwerfen, ehrgeiziges Handeln zu verdammen und plötzlich der Faulheit ein Loblied zu singen. Es ist viel einfacher, viel weniger radikal. Schon kleinste Veränderungen im Alltag sorgen für mehr Wohlbefinden!

15 Empfehlungen - 15 Anregungen - 15 Hinweise

1. Weniger kaufen - dafür auf Qualität achten. Ob im Supermarkt, in der Boutique oder im Schuhladen, egal! Vor jedem Kauf stellen sich die Fragen: Besitze ich das noch nicht? Würde sich mein Leben durch den Kauf verbessern? Könnten mir daraus Nachteile entstehen? Gutes Essen ist etwas teurer, ist aber gesünder; gute Kleidung ist teurer, hält aber  länger. Einkäufe machen nur dann Sinn wenn man genau weiß, was man braucht, was einem besonders am Herzen liegt oder wovon man total überzeugt ist.  Im Zweifel den Kauf aufschieben, um zu prüfen, ob es sich dabei nur um ein Objekt der Begierde handelt.

2. Das Ansammeln von Unnötigem vermeiden. Wie das geht? Für jeden Gegenstand, der neu in die Wohnung kommt, muss ein anderer weichen.

3. Gegenstände feste Plätze geben. Ordnung ist das halbe  und damit minimalistischere Leben. Wer regelmäßig aufräumt und Dingen einen festen Platz gibt, findet erstens seine Sachen schneller und behält zweitens den Überblick über seinen Besitz. Das verhindert unnötige Doppelt-und-Dreifach-Käufe. Auch ist man eher zum Ausmisten bereit.

4. Ein Tag ohne Energie und Elektrizität. Stehe ohne Wecker auf, lass das Handy, das Radio, den Fernseher aus, mach Laptop, Smartphone oder PC gar nicht erst an, gehe raus ins Freie – bewege dich auf dem Rad oder zu Fuß, sprich mit deinem Gegenüber.

5. Absagen helfen. Wenn man im Vorfeld weiß, dass eine geschäftliche oder auch private Verabredung beiden Seiten außer ein paar schönen Worten nichts bringt, sollte man drauf verzichten. Verschenkte Zeit!

kinder! im Abo

kinder! setzt sich intensiv mit den erzieherischen und unterhaltenden Themen auseinander, die Eltern und Kinder interessieren und beschäftigen.

Mehr Infos

6. Immer das Optimale wollen, ist nicht erstrebenswert! Wer dem Perfekten hinterherjagt, ist schutzlos der Unzufriedenheit ausgeliefert, denn es ist aussichtslos, perfekt zu sein. Bleibe dir selbst treu und setze das für dich machbare um. Da hast du schon genug zu tun.

7. Der Routine den Kampf ansagen. Immer so weitermachen, weil man es immer schon so gemacht hat? Immer bequem, immer gemütlich? Ein gefährlicher, verführerischer Irrweg. Alles einfach so laufen lassen, ist ein Leben ohne Ziel und macht auf sicher irgendwann mehr und nicht weniger Probleme.  Was tun? Täglich zwei- oder dreimal innehalten und sich fragen: Ist das, was ich jetzt gerade tue, sinnvoll? Mit einem Hauch spontaner Selbstkritik stellen sich die Weichen manchmal schnell neu.

8. Weniger ist mehr, auch in Sachen Versicherungen. Es reicht, die existenzbedrohenden Risiken abzufedern: Kranken-, Haftpflicht-, auch vielleicht noch die Hausratsversicherung. Welche richtig wichtig sind, hängt vom Familienstand und der sonstigen Lebenssituation ab. Aber beantworte dir diese eine Versicherungsfrage: Brauche ich das wirklich?

9. Verstaubte Bücher. Wenn Bücher länger als ein Jahr nur so im Regal stehen, nie gelesen oder verliehen werden und nicht ein einziges Mal in die Hand genommen wurden, kosten sie nur eins: Platz. Bücherregale sollten "leben" und in mehr oder weniger großen Abständen entsorgt werden. Auch Bücher, die zwar gekauft, aber bis jetzt noch nicht gelesen wurden, gehören dazu. Zugegeben: Man darf sich Ausnahmen gönnen.

10. Kleine Umstellungen - große Wirkung. Niemand kann und will jedes Jahr umziehen. Aber man kann in seiner Wohnung für ungeahnt frischen Wind sorgen, wenn die Möbel umgestellt werden. Das Sofa vors Fenster, der Teppich vielleicht mal auf die andere Seite, oder die Bilder tauschen? Sollte das alles nicht möglich, macht allein die neue Anordnung der Pflanzen aus dem Zimmer ein anderes Zimmer.

11. Einfach mal kochen! Hände weg vom Fünf-Gänge-Menü und von Suppentüten aus dem Supermarktregal! Es gibt in allen Medien zahllose, gesunde Gerichte, die auch für ungelernte Hände unproblematisch und zügig zuzubereiten sind. Nur Mut! Kann ich nicht? Gilt nicht. Spaß am Kochen macht Spaß am Essen. Der allererste selbstgeschnippelte Salat - klein aber fein -  ersetzt jeden Gänsebraten mit allem Pipapo.

12. Veggie ist in – zu Recht! Sich hin und wieder einen Tag mal pflanzlich zu ernähren, tut Körper, Geist und Seele gut. Und nicht von vornherein ablehnen, erstmal probieren, was man mit Getreide, Rohkost, Gemüse, Nüssen etc. Leckeres zaubern kann!

13. Langsam und mit Genuss essen – ohne Ablenkung. Musik hören, E-Mails schreiben oder Zeitung nebenher lesen, kommt nicht in Frage, denn alle drei lenken ab und verführen, mehr zu essen als man eigentlich wollte.

14. Mineralwasser trinken! Gesünder ist Durst nicht zu löschen. Kaffee und Tee, Säfte, Limonaden, Bier, Wein & Co. sind Genussmittel.

15. Ziemlich viel auf einmal. Sich aber bitte deshalb nicht einschüchtern lassen – niemand ist gezwungen, alles umzusetzen. Vieles lässt sich nach und nach in den Alltag integrieren. Und wenn’s mal zu kompliziert wird, gibt’s immer noch Konfuzius. Hauptsache, es passiert mal was!

Unser Kolumnist: Joko Zoellner

Joachim "Joko" Zoellner blickt auf eine lange und ausgefüllte Karriere im Journalismus zurück. Zu seinen dabei durchlaufenen beruflichen Stationen gehören unter anderem Chefredakteursposten (tw. stellv.) im Springer-Verlag. Vor allem im Sport- und Familienbereich war und ist Zoellner leidenschaftlich als Autor aktiv. 

Weiter gründete der studierte Theologe den Verlag "Jokomedia UG" sowie die Zeitschrift "Familie&Co." Für wireltern.de schreibt er regelmäßig unterhaltsame und informative Kolumnen rund um die Themen Familie, Kinder und Erziehung. Dabei kritisiert und kommentiert er – stets mit einem Augenzwinkern – gängige Methoden und alltägliche Missverständnisse zwischen Eltern und Kind.

Profilbild

Unsere Autorin

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

"Man kann immer dazu lernen"

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiamsus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

Teile diesen Artikel:

]