Finanzen & Vorsorge

Leib und Leben vor Hab und Gut Unverzichtbar: Absicherung für Familien

Wer sein Haus besser versichert als ihr Leben, spart am falschen Ende. Ohne Risikolebensversicherung und Haftpflicht und Berufsunfähigkeitsschutz geht für Familien gar nichts. Lesen Sie, welche Policen unverzichtbar sind, welchen Schutz sie bieten und auf welche Versicherungen Sie verzichten können.

Die Deutschen sind gut versichert, aber nicht immer richtig. Zwar haben sie fast 500 Millionen Versicherungspolicen abgeschlossen, mehr als fünf pro Kopf. Doch Verbraucherschützer klagen, dass 90 Prozent aller Haushalte falsch oder unterversichert sind. Grundsätzlich sicherte man sein Hab und Gut zu hoch, Schäden an Leib und Leben zu niedrig ab.
Erschreckend: Zwei von drei Familien sorgen gar nicht vor für die Berufsunfähigkeit oder den Tod des Haupternährers. In so einem Fall ist auch ein Sparguthaben schnell aufgebraucht. Was sich im Moment auf dem Kapitalmarkt abspielt, kann Sparer sowieso nicht erfreuen. Magere Renditen drücken Lebens- und Rentenversicherer in die Defensive.Laufende Kapitallebensversicherungen werden laut Stiftung Warentest 2014 im Durchschnitt nur noch mit 3,43 Prozent verzinst. 2013 hatten sie und private Rentenversicherungen noch 3,6 Prozent (2004 noch 4,4 Prozent) abgeworfen.
Ganz mager: Der Garantiezins für neu geschlossene Verträge beträgt nur noch 1,75 Prozent. Im Jahr 2015 soll er auf eventuell 1,25 Prozent sinken. Das ist nicht sehr attraktiv. Auch eine Ausbildungsversicherung, die ja auch nichts anderes als eine Kapitallebensversicherung ist, kann man unter diesen Umständen nicht empfehlen.
Konventionell sparen zahlt sich da häufig mehr aus. Bei Anlagen immer an die Faustregel denken: hoher Zins, hohes Risiko.
Der klassische Dreiklang für Familien lautet: Berufsunfäigkeit-, Risikoleben-, und Haftpflichtversicherung. Die drei haben in der Finanzplanung sogar Vorrang vor Vermögensaufbau oder Altersvorsorge.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wenn die Gelddruckmaschine ausfällt.
Rein statistisch kann jemand häufiger durch Unfall oder Krankheit seinen Beruf nicht mehr ausüben, als das ein Todesfall eintritt. Kann ihre Arbeitskraft, wegen dauerhafter Erkrankung nicht mehr eingesetzt werden, greift eine private Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch als Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) Teil einer Lebensversicherung oder Rentenversicherung sein kann.
Die Versicherung sollte eintreten, wenn Sie Ihren Beruf für voraussichtlich sechs Monate zu 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Achten Sie darauf, dass ihr Vertrag keinen Ausschluss für bestimmte Erkrankungen enthält. Auch sollte die Police keine „abstrakte Verweisung“ vorsehen. Hinter dieser sperrigen Formulierung steht, dass die Versicherung Sie im Ernstfall auf Berufe verweisen kann, die man „theoretisch“ noch ausüben könnte. Wählen Sie keinen zu frühen Ablaufzeitpunkt. Die Meisten werden erst ab einem Alter von 55 Jahren berufsunfähig. Eine Höhe der Rente von 75 % Ihres (geschätzten) Nettoeinkommens mit 45 Jahren, gilt solider Schutz.
Achtung: Vorerkrankungen sind häufig ein Grund, warum der Vertrag einzelne Krankheiten ausschließt, man Zuschläge zahlen muss oder gar ganz abgewiesen wird. Verhandeln Sie mit dem Anbieter. Oft stellt ein ärztliches Attest klar, dass eine frühere Erkrankung abgeklungen ist. Den privaten Berufsunfähigkeitsschutz gibt‘s auch für Selbstständige.
Daran müssen Sie denken: Auszahlung bei 50%; Erwerbsunfähigkeit: keine „abstrakte Verweisung“; Kein Ausschluss bestimmter Erkrankungen; kein zu früher Ablaufzeitpunkt
 

Risikolebensversicherung: Sicherheit für den Ernstfall.

Die Lebensversicherung ist die Lieblingsvorsorge der Deutschen. Rund 94 Millionen Verträge haben die etwa 82 Millionen Bürger in Deutschland abgeschlossen. Für junge Familien empfiehlt die Risikolebensversicherung zur Absicherung des schlimmsten Falles, weil die Beträge verhältnismäßig niedrig sind. Ohne Sparanteil ist sie allein dafür da, dass im Falle des Todes eine Summe ausgeschüttet wird.
Die Höhe der Prämien richtet sich nach der Versicherungslaufzeit, dem Eintrittsalter des Versicherten, seinem Gesundheitszustand und eventuell zusätzlich vorhandenen Risiken durch die Lebensführung, wie Rauchen oder eine Vorliebe für Extremsportarten.
Dabei sollte man nicht nur an den Hauptverdiener denken, sondern auch an den Partner, der sich um Kinder und Haushalt kümmert. Bei Ehepaaren mit zwei Einzelverträgen ist die Versicherung „auf zwei Leben“ zu prüfen, bei der sich die Ehepartner gegenseitig absichern. Die Prämien sind meist günstiger als zwei Einzelverträge. Im Todesfall erhält der jeweils mitversicherte Partner die Auszahlung. Bei gleichzeitig eintretendem Tod geht die Zahlung einmalig an vorher zu benennende Hinterbliebene.
Da gerade bei dieser Versicherungsart die Prämien individuell festgelegt werden, lohnt sich der Vergleich im Internet. Wer einen günstigen Anbieter wählt, kann seine Beiträge – bei gleicher Leistung – um ein Fünftel drücken. Fragen Sie nach einer Unfall-Klausel, bei der die auszuzahlende Summe bei Tod durch Unfall verdoppelt wird.
Daran müssen Sie denken: Partner absichern; Prämien vergleichen; Gesundheitsfragen ehrlich beantworten.

Haftpflicht: Wer den Schaden hat...

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89 Prozent aller jungen Familien haben die wichtigste aller Versicherungen, eine Haftpflichtpolice. Doch im Gegenzug heißt das: Jede zehnte Familie hat keine, das kann im Ernstfall teuer werden. Denn wer einem anderen einen Schaden zufügt, haftet dafür im Zweifel unbegrenzt und mit seinem gesamten Privatvermögen. Beispiel: zwei Kinder verursachen beim Spielen einen Verkehrsunfall. Behandlungskosten und Ansprüche auf Schmerzensgeld summierten sich auf fast zwei Millionen Euro. Die Privathaftpflicht übernimmt die Ansprüche, leistet Rechtsschutz. Wichtig ist, dass die Deckungssumme der Police ausreichend hoch ist. Empfohlen sind 3 Millionen € bei weltweitem Geltungsbereich.
Vorteil für Familien: Bei der Haftpflichtversicherung lässt sich mit einem einzigen Vertrag die ganze Familie absichern. Das gilt für den Ehegatten des Versicherungsnehmers und dessen leibliche, Pflege-, Stief- und Adoptivkinder, sofern diese nicht berufstätig sind und bei ihm leben. Selbst unverheiratete Paare kommen mit einer Police aus, wenn sie eine gemeinsame Wohnung haben und der mitversicherte Partner im Vertrag des Anderen namentlich erwähnt ist.
Und die Haustiere nicht vergessen, die können auch ganz ordentliche Schäden anrichten.
Daran müssen Sie denken: Deckungssumme; Familienhaftpflicht; Forderungsausfalldeckung; weltweiter Geltungsbereich

Unfallversicherung: Wenn der Schutzengel frei hat.

Wenn ein Unfall passiert, dann deckt die Krankenkasse die Behandlungskosten ab, aber Folgekosten wie Therapien, eine Haushaltshilfe oder den Umbau von Auto oder Wohnung, trägt sie nicht. Dafür kommt eine Unfallversicherung auf. Mindestens 200.000 Euro sollte man als Auszahlungssumme veranschlagen, als Faustregel gilt: etwa das Fünffache des Bruttojahreseinkommens.
Sinnvoll ist jedoch nicht nur eine Unfallversicherung für Mutter und Vater, sondern auch für jedes Kind. Der gesetzliche Unfallschutz greift nur im Kindergarten und in der Schule sowie auf den Wegen dorthin und die Leistungen relativ gering. Eine Kinder-Unfallversicherung leistet auch bei Freizeitunfällen, etwa, wenn Ihr Kind vom Rad stürzt. Unfallversicherungen sind auch preisgünstiger als Familienversicherungen zu haben.
Doch das Hauptrisiko für eine Invalidität im Kindesalter sind nicht Unfälle sondern Krankheiten. Hier leistet nur eine spezielle Kinder-Invaliditätsversicherung auch oft unter dem Namen Kinderschutzversicherung angeboten. Bei Geburt abgeschlossen, zahlt sie ab einer Behinderung von 50 Prozent und ist teurer als eine reine Unfallversicherung. Wenn ein Kind eine schwere Krankheit bekommt, durch die es später behindert ist, etwa durch Krebs oder angeborene Krankheiten, erhält es eine monatliche Rente.
Weit verbreitet ist die Kinder-Invaliditätsversicherung nicht, nur jedes achte Elternpaar schließt eine ab. Die Gefahr einer schweren Krankheit ist aber, laut Statistik, 100 Mal wahrscheinlicher als eine Behinderung durch einen Unfall, den dagegen jede dritte Familie extra absichert.

Daran müssen Sie denken: alle Familienmitglieder versichern; Invaliditätsversicherung prüfen; Deckungssumme

Rechtsschutz:
Auch ihr Liebling?

Ein Rechtsstreit kommt oft unverhofft. Und kann schnell teuer werden. Fast jeder Vierte in Deutschland hat sich gewappnet, häufig mit einem Paket aus Privat-, Verkehrs-, Miet- und Berufsrechtsschutz.
Wichtig für die Qualität einer Rechtsschutzpolice sind die Vertragsbedingungen. In den Klauseln muss stehen, dass der Zeitpunkt des Schadensereignisses maßgeblich ist. Möglichst kurze Wartezeit bis die Versicherung greift. Deckungssumme mindestens 300.000 Euro. Leider wimmelt es in den Verträgen von Wenn und Aber und viele Risiken sind von vornherein ausgeklammert. Übernommen werden grundsätzlich nur Fälle mit Aussicht auf Erfolg und prinzipiell ist nur der Ausschnitt an Lebensbereichen abgedeckt, den man versichert hat.
Daher eigene Rechtsrisiken realistisch einschätzen und genau prüfen, was man wirklich ein Komplettpaket braucht, oder ob ein Verkehrsrechtsschutz ausreicht. Ein Tarif mit Selbstbehalt ist günstiger. Hat man zwei, drei Jahre lang keinen Schadensfall, sinkt der Selbstbehalt bei einigen Anbietern
Welche Gesellschaft wirklich „Anwalts Liebling“ ist und welcher Versicherer regelmäßig unfreundlich agiert, kann man unter www.rsv-blog.de nachlesen. Auf der Internetseite zweier Rechtsanwälte tauschen sich die Kollegen bundesweit über Erfahrungen mit Versicherern aus.
Daran müssen Sie denken: Rechtsrisiken; Schadenereignis; Wartezeit; Deckungssumme

Versicherung für Haus und Hof

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Hausbesitzer brauchen eine Gebäudeversicherung die elementarste Schäden wie Brand, Blitzschlag, Leitungswasser, Sturm und Hagel reguliert. Ist Ihr Haus finanziert, kommen Sie um eine derartige Versicherung gar nicht herum, denn Banken und Bausparkassen verlangen den Abschluss eines entsprechenden Policenvertrages.
Um alles was im Haus ist, das Inventar, abzusichern, brauchen sie eine Hausratversicherung. Damit ist kurz gesagt alles versichert, was man beim Auszug mitnehmen würde, einschließlich Bargeld (in der Regel bis 2000 €), Wertpapieren und Schmuck. Hausratversicherungen kommen auch für die Kosten auf, die bei Aufräumarbeiten entstehen und für Hotel- und Lagerkosten, wenn die Wohnung vorübergehend unbewohnbar ist.
Eine Hausratversicherung muss regelmäßig aktualisiert werden. Wer die alte Police jahrelang unberührt im Schrank liegen lässt, erlebt im Ernstfall eine böse Überraschung, weil er möglicherweise unterversichert ist. Viele Versicherer bieten heute Verträge mit Unterversicherungsverzicht an, so dass die Versicherungssumme jedes Jahr moderat steigt und im Schadensfall nicht geprüft wird, ob der Versicherte auch wirklich ausreichend versichert war, aber das hat Grenzen. Wer Antiquitäten, alte Münzen oder andere Wertgegenstände sammelt, sollte durchaus darüber nachdenken, sein Schutzniveau an diese Vorliebe anzupassen.

Achtung:
Wenn der Einbrecher durch ein gekipptes Fenster in die Wohnung gelangt, eine unbeaufsichtigte Spülmaschine einen Wasserschaden verursacht, hat der Kunde in den Augen der Versicherung den Schaden nicht zu verhindern versucht. Besser: Einen „Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit“ vereinbaren und sich damit auch bei etwas gravierenderen Aussetzern die volle Versicherungssumme zu sichern.
Zusatzverträge wie eine spezielle Elektronik-, Fahrrad- oder Glasversicherung können Sie sich sparen. Fahrräder sind teilweise in der Hausratversicherung mitversichert und die Beiträge der Glasversicherung sind im Vergleich zur möglichen Schadenshöhe viel zu hoch.Die Hausratversicherung sollte im Ernstfall nicht den Zeitwert, sondern den Wiederbeschaffungswert der zerstörten Gegenstände ersetzt.

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