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Donnerwetter!

Das richtige Verhalten bei Gewitter

Kein (Früh-) Sommer ohne Blitz und Donner! Angst braucht man vor Gewitter nicht zu haben – insofern man ein paar Regeln beherzigt. Denn die können im Zweifel lebensrettend sein! Blitzexperte Thomas Raphael erklärt, welche das sind.

Der Himmel verdunkelt sich. Wolkenberge türmen sich auf, Blitze erhellen den Himmel, es folgt ein ohrenbetäubender Donnergroll. Auch wenn ein Gewitter einem ganz schön Angst einjagen kann, so ist es besonders für Kinder ein spannendes Naturschauspiel. Und das kann man jetzt häufig beobachten. Der Grund: „Die Sonne erwärmt den Boden, der Boden erwärmt die Luft, die nach oben steigt und dort auf kühlere Luftmassen trifft. Diese verwirbeln und es entstehen elektrische Ladungen – es blitzt und donnert“, erklärt Blitzexperte Thomas Raphael vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). So schön ein Gewitter anzusehen ist, es kann auch gefährlich werden – vor allem, wenn man sich im Freien aufhält. Das haben die zahlreichen Blitzunfälle dieses Jahr gezeigt. „Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihrem Nachwuchs frühzeitig erklären, wie man sich richtig verhält – und selbst mit gutem Beispiel vorangehen“, rät Thomas Raphael.

Bei Donner Schutz suchen

Grundsätzlich gilt: Wer sich draußen aufhält, sollte bei Donner gefährdete Bereiche wie freies Feld oder einzeln stehende Bäume verlassen. Ist das Gewitter nahe, findet man Schutz in Gebäuden oder Autos. Wann ein Gewitter nahe ist, lässt sich ganz einfach bestimmen: Nach dem Blitz zählt man die Sekunden, bis man den Donner hört. Liegen zwischen Blitz und Donner nur noch zehn Sekunden, ist das Unwetter etwa drei Kilometer entfernt. Jetzt wird es allerhöchste Zeit, sich in Sicherheit zu bringen! Tipp: Mithilfe von „Wetter-Warner“-Apps kann man sich frühzeitig über herannahende Gewitter informieren.

Hockstellung und Füße zusammen - das ist die Schutzhaltung bei Gewitter im Freien.

Im Wald und auf der Wiese: Metall schützt

Im Auto mit geschlossenen Fenstern und Türen ist man sicher, da der Blitz um die Metallkarosserie herum in die Erde geleitet wird („Faradayscher Käfig“). „Ein Blitz nimmt bevorzugt den Weg über Metall, weil es den elektrischen Strom besonders gut leitet“, erklärt Thomas Raphael. Auch Lichtmasten, Stromleitungen, Antennenmasten, Pfosten mit Wegweisern und andere Dinge aus Metall bieten Schutz vor Blitzschlag, insofern man sich mit mindestens einem Meter Abstand neben sie stellt. Wenn nichts davon in der Nähe ist, hockt man sich in eine Senke, hält die Füße geschlossen und macht sich so klein wie möglich. Dann schlägt der Blitz eher in einen Baum ein, der aus dem Gelände hervorsteht. Ob Eiche, Buche oder Birke, ist dem Blitz übrigens herzlich egal. Die alte Regel „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“ ist Quatsch. Im Wald sollte man zu Bäumen möglichst zehn Meter Abstand halten.

 

Ein Fahnenmast aus Metall schützt vor Blitzschlag. Illustrationen: VDE

Und im Freien gilt außerdem: Zu anderen Menschen und Metallzäunen mindestens einen Meter Abstand halten. Die Familienfahrradtour muss man auf jeden Fall unterbrechen und rechtzeitig in Gebäuden oder in der Nähe von Metall Schutz suchen. Wer trotz Donner weiterradelt, bietet dem Blitz durch die erhöhte Sitzposition auf dem Fahrrad einen hervorragenden Einschlagspunkt.

Im Schwimmbad, im Planschbecken, im Meer oder am See: Sofort raus aus dem Wasser!

In größter Gefahr ist, wer sich während eines Gewitters im Wasser aufhält. Wasser leitet den Blitz über große Distanzen. Ein Blitz kann auch in 100 Meter Entfernung und mehr beim Schwimmer einen Schock auslösen und zum Ertrinken führen. Also sofort raus aus dem Wasser, sobald sich ein Gewitter zusammenbraut! Auch Baden und Duschen sind jetzt tabu.

Zu Hause: Die eigenen vier Wände bieten Sicherheit

Wer sich in einem Wohnhaus mit Blitzableiter aufhält, ist rundum sicher. Aber auch ohne Blitzableiter ist man ziemlich gut geschützt. „Auch wenn ein Blitz in ein Haus einschlägt, nimmt er bevorzugt den Weg über Metall, zum Beispiel entlang eines Wasserrohrs oder einer Stromleitung“, sagt Thomas Raphael. „Der Blitz wird nicht auf eine Person in der Nähe überspringen – vorausgesetzt, sie berührt weder Heizkörper, Fensterrahmen noch andere Metallteile oder Elektrogeräte mit Kabel.“ Wenn auch der Fernseher, das Radio und andere elektronische Geräte das Gewitter unbeschadet überstehen sollen, empfiehlt der Ingenieur, einen Überspannungsschutz zu installieren. Denn dann sind die Geräte auch geschützt, wenn man mal bei Gewitter nicht zu Hause ist und vergessen hat, die Stecker zu ziehen. Zum Schluss noch ein Tipp für campingbegeisterte Familien: Ein Zelt bietet wegen der geringen Abstände zwischen Außenhaut und Personen im Inneren selbst bei Metallgestänge keinen Schutz vor Blitz und Donner. Hier sollte man bei nahem Gewitter einen sicheren Zufluchtsort aufsuchen.

 

Die wichtigsten Verhaltensregeln bei Gewitter im Überblick

 

  • Wenn du Donner hörst, ist ein Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt. Dann solltest du das freie Feld oder einzeln stehende Bäume verlassen. Vergehen zehn oder weniger Sekunden zwischen Blitz und Donner, ist das Gewitter sehr nahe – der nächste Blitz kann dich treffen.
  • Schutz bieten Gebäude, möglichst mit Blitzschutzanlage, und Autos. Auch in der Nähe von Metallmasten, Stromleitungen o. ä. bist du vor Blitzeinschlag sicher.
  • Ist kein Unterschlupf in der Nähe: Achte darauf, nicht den höchsten Punkt in der Umgebung zu bilden. Hocke dich mit geschlossenen Füßen in eine Senke, eine Bodenmulde o. Ä.
  • Halte einen Meter Abstand zu anderen Menschen.
  • Begib dich im Wald auf eine freie Fläche möglichst zehn Meter von allen Bäumen entfernt und nimm die oben beschriebene Hockhaltung ein.
  • Beim Schwimmen oder Tauchen: Sofort raus aus dem Wasser!   
  • Runter vom Rad: Unterbreche die Fahrt und suche in der Nähe von Metall Schutz.
  • Wenn das Haus/die Wohnung keine Blitzschutzanlage hat, fasse keine Heizkörper, andere Metallteile oder Elektrogeräte mit Kabel an.

Tipp: App „Donner-Wetter! Wissen für Kids zu Donner und Blitz“

Die App „Donner-Wetter! Wissen für Kids zu Donner und Blitz“ bringt Kindern im Grundschulalter spielerisch das richtige Verhalten bei Gewitter näher. Die Comic-Helden Laura, Linus und Basti erklären anhand von 19 Beispielen, wie man sich schützt.

Kostenlos erhältlich für iOS im App Store, für Android im Google Playstore, mehr Infos: www.donner-wetter.info

 

 

Unser Experte

Dipl.-Ing. Thomas Raphael, Geschäftsführer des Ausschusses für Blitzschutz und Blitzforschung beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e. V. (VDE), www.vde.com

 

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