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Wilder Westen

Arizona: Kakteen, Cowboys und Candy

Arizona im Südwesten der USA bietet jede Menge Indoor- und Outdoor-Aktivitäten. Dazu: Sonne satt und unendliche Weite.

Wo ist mein Cowboyhut?!“ Mit diesen Worten springt Martin aus den Federn und beginnt, das Hotelzimmer in Scottsdale in der Nähe von Phoenix umzugraben. Seine Mutter Melanie reibt sich den Schlaf aus den Augen und kann den Fünfjährigen gerade noch davon abhalten, in seinem Übermut ihr neues Souvenir, eine Holzschachtel mit Indiander-Symbolen, vom Schreibtisch zu fegen. In Momenten wie diesen wünscht sie, ihr Sohn wäre ein Morgenmuffel. Doch der denkt nicht daran und ist wieder einmal energiegeladen auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Wüstenfeeling
Und das soll er haben – natürlich mit Cowboyhut, den er schließlich unter seinem Bett wiederfindet. Mit einer internationalen Gruppe soll es bei Sonnenaufgang im Heißluftballon über die Wüste Arizonas, das Sonoran Desert, gehen. „Mama, wann sind die fertig? Mir ist langweilig!“ Martin interessiert sich nicht dafür, wie der Ballon mit heißer Luft befüllt wird. Er will endlich einsteigen.

Eine halbe Stunde später ist es soweit, der pralle Ballon ist startklar und wartet darauf abzuheben. Nur die Sandsäcke hindern ihn noch daran. Der Korb besteht aus fünf unterteilten Passagier-Bereichen, damit das Gewicht gleichmäßig verteilt ist. Zwölf Ballonneulinge wie Anna aus Kanada und ihre Tochter Lara füllen vier davon. Pilot Philipp teilt sich sein Abteil mit vier großen Gasflaschen. „Verbrauchen wir die alle?“, fragt ein technisch versierter Besucher aus Deutschland. „Nein, zwei sind nur als Reserve dabei, falls eine ausfällt“, entgegnet der Ballonfahrer.

Tierische Aussicht
„Ich kann Kaninchen sehen“, ruft Martin. Und tatsächlich, zwischen dürrem Wüstengestrüpp und unendlich vielen Kakteen bewegt sich etwas. „Ihr werdet es nicht für möglich halten,doch in dieser Wüste leben rund 60 Säugetierarten“, klärt der Pilot die Passagiere auf.

„Mama, ich muss mal“, ertönt es kurz darauf kleinlaut. „Das geht jetzt nicht“, versucht Melanie ihren Sohn zu vertrösten. Doch Philipp nimmt es gelassen. „Kein Problem, der Korb muss ohnehin mal geputzt werden, dabei helfen uns die Sträucher von unten. Ein Zwischenhalt ist inklusive“, schlägt er vor. Martin freut sich. „Papa, stell dir vor, der hat extra für mich angehalten“, wird er seinem Vater stolz nach der Rückkehr erzählen. Allerdings holt er sich bei seinem Zwischenstopp ein paar Kratzer an den Beinen.

Physik in luftiger Höhe

Auch der Physikunterricht ist inklusive. In 1.000 Metern Höhe verschließt Philipp eine leere Plastikflasche. Während der Ballon sinkt, zerknautscht die Flasche mehr und mehr, weil die Luft oben dünner ist, wie der Pilot erklärt.

Experiment Nummer zwei: „Was glaubt ihr, was passiert, wenn ich ein zusammengeknülltes Taschentuch in die Luft werfe?“, fragt Philipp die anwesenden Kinder, während der Ballon weiter an Höhe verliert. „Es fällt runter“, meint Lara zu wissen. Doch sie täuscht sich. Tatsächlich fliegt das Taschentuch nach oben, zumindest sieht es so aus. „Weil wir schneller sinken als das Taschentuch fällt, scheint es, als würde es nach oben fliegen“, erklärt der Chauffeur.

Stacheln beim Frühstück
„Don’t drop your rabbit“, ermahnt Anna ihre Tochter Lara. Doch zu spät, schon liegt das Kuscheltier im Wüstensand. Und der ist übersäht von Kaktusstacheln der Nationalpflanze, dem „Saguaro Cactus“. Er kann 15 Meter hoch werden und ein Methusalemalter von 250 Jahren erreichen. Die Arme fangen erst mit etwa 50 Jahren an zu wachsen.

So schön es ist, nach der Ballonfahrt in dessen bescheidenem Schatten zu frühstücken, so sehr muss man doch achtgeben, dass die Kinder dem Kaktus und seinen Stacheln nicht zu nahe kommen. Inzwischen hat Anna das Kuschel-Kaninchen ihrer Tochter abgeklopft und Lara hält es wieder liebevoll im Arm. „Mir ist so heiß!“, klagt Martin, noch bevor das Frühstück mit Croissants und alkoholfreiem Apfel-Cidre vorbei ist.

Zum Glück trägt er noch immer seinen Cowboyhut, ohne den ein Sonnenstich nicht unwahrscheinlich wäre. Die Wüstentemperaturen von etwa 40 Grad sind gewöhnungsbedürftig. Auch die Großen können sich momentan nichts Schöneres vorstellen, als endlich wieder in den Pool einzutauchen. Arizona hat ganze 300 Sonnentage im Jahr zu bieten.

Saiten, Felle und Schläger

Mit seiner neuen Ferienfreundin Lara aus der Reisegruppe unternimmt Martin einen weiteren Ausflug. Gemeinsam macht der Besuch im Musical Instrument Museum (MIM) in Phoenix, der Hauptstadt Arizonas, gleich doppelt so viel Spaß. Vor allem, als sie im Experimentierraum um die Wette musizieren oder besser gesagt lärmen. Inspiriert vom Musikinstrumente-Museum in Brüssel beherbergt das MIM etwa 14.000 Ausstellungsstücke.

Nahezu 200 Länder sind hier repräsentiert. Instrumente aus Costa Rica werden noch gesucht, wie man auf einer kleinen Tafel lesen kann. „Jetzt bin ich mal dran!“, ruft Martin und schiebt Lara energisch beiseite. Er will auch auf den großen Gong schlagen – der Bass kitzelt so schön im Bauch. Und schon beginnt ein tosender Gong-Wettbewerb.


Schnurrbärte aus Zucker
Währenddessen schauen sich die Mütter noch schnell den letzten Kontinent auf ihrer musikalischen Reise an. Wie die Kinder tragen sie Kopfhörer, mit denen sie je nach Station Musik aus sämtlichen Ländern hören. Allen Gesunde-Ernährungs-Vorsätzen zum Trotz gibt es „downtown“ für Martin im Candyshop „Smeeks“ einen süßen Marshmallow-Schnurrbart am Stock. Damit fühlt er sich noch mehr als Cowboy. Lara entscheidet sich für Kaugummi in Form knallroter Kusslippen.

Am Abend genießt die Reisegruppe im legeren Steakhouse „Pinnacle Peak Patio“ Live-Musik unter freiem Himmel. Countryklänge, Kakteen und Wüste erinnern die Karl-May-Freunde aus Deutschland an Winnetou. Krawatten sind hier in alter Tradition verboten. Das erfährt Martin hautnah. Die kinderfreundliche Bedienung im Cowgirl-Outfit hängt ihm einen Schlips um: „So, und der wird jetzt abgeschnitten“, erklärt sie dem verdutzten Jungen. An der weitläufigen Decke des Restaurants hängen bereits rund eine Million abgeschnittene Krawatten ahnungsloser Gäste.

Spätestens nach dem Besuch im Arizona Science Center, einem Mitmachmuseum, in dem eine ein Meter große Nase Bälle alias Popel spuckt und die Kinder ein Nagelbrett ausprobieren, will Martin trotz der Hitze, die ihn anfangs so gestört hat, nicht mehr abreisen. Doch wie sagen die Amerikaner noch so schön? „There’s always next time“.

Reiseinfos

Im Sommer ist in Arizona Nebensaison.Übernachtungspreise sind dann um bis zu 60 Prozent reduziert, da viele Einheimische zu dieser Zeit vor der Hitze flüchten.m Hauptsaison ist von Oktober bis März – die Preise sind entsprechend höher, das Wetter für Wüstenverhältnisse kühler.

Weitere Infos unter www.visitphoenix.com und www.scottsdalecvb.com

Einreise
Wer kein Visum hat, muss vor der Einreise in die USA das ESTA-Formular ausfüllen (etwa 10 Euro).

Kinderfreundliche Unterkünfte
Fairmont Scottsdale Princess, Doppelzimmer im Sommer ab etwa 105 Euro/Nacht,
www.fairmont.de/scottsdale

Westin Kierland Resort & Spa, Doppelzimmer ab etwa 90 Euro/Nacht, www.kierlandresort.com

Ausflüge mit Kindern

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