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Wie Robinson Crusoe

Auf nach Åland, rein ins Abenteuer

Familien, die das Abenteuer suchen, sind auf Åland – sprich: Oland – genau richtig. Warum der Osteearchipel mit 6.500 Inseln, eigener Flagge und eigenen Briefmarken zwischen Schweden und Finnland ein Geheimtipp für Klein und Groß ist.

Reinsetzen, Spritzschutz befestigen, fertig. Leif Hörglund, macht vor, wie es geht. Greta (5), Lea (8), Vater Jens und Mutter Kirsten staunen, wie schnell der Paddelcoach seine 1,90 Meter Körpergröße in seinem schlanken Einer-Seekajak verstaut. Leif hat Übung und: Er hat zweifelsohne etwas von einem „Drill Instructor“, wenn man von seinen Blümchen-Badeshorts absieht. Waden wie Baumstämme, Glatze, Sonnenbrille, eine signalrote Schwimmweste, die ihn noch muskulöser erscheinen lässt, und eine kraftvolle, dunkle Stimme, mit der er die Paddelneulinge in die Kunst des Kajakfahrens einführt. „When you get into the kayak, stop dancing, otherwise you’ll do the Eskimo roll even before paddling“, scherzt Leif in Englisch mit finnischem Akzent. Die Eskimorolle. Kirsten findet die nicht so lustig.

Erst die Theorie

Leif schwört auf die Eskimorolle, die beste Methode, ein Kajak nach dem Kentern schnell aufzurichten – und zwar ohne auszusteigen. „Don’t worry: Just turn the kayak around and go on“, erklärt der Paddelprofi gelassen. So viel zur Theorie. Auf die haben Lea und Greta längst „keinen Bock“ mehr. Sie können es kaum erwarten, die Boote endlich dem Praxistest zu unterziehen und stürmen zum Steg, wo zwei Zweier-Kajaks bereit liegen.

Leif und Jens hieven die Gefährte ins Wasser. Lea und Greta wollen unbedingt zusammen paddeln. „Nix da, Greta fährt mit mir, Lea mit Mama“, bestimmt Jens. Papa hat gesprochen. Unter Protest nehmen die Schwestern vorne im Kindersitz der Kajaks Platz. Als Kirsten einen  Fuß ins Kajak setzt, wackelt es gefährlich. Es gelingt ihr jedoch einzusteigen – begleitet von lautstarkem „Uuuaaahhh“ und dem Gelächter der Mädchen.

Ah, jetzt, ja, eine Insel!

Leif paddelt voraus. Zügig gleitet er durchs Wasser – seine Schützlinge immer im Blick. Greta hat die Technik raus: Entspannt zurücklehnen und „Paddel-Papa“ machen lassen. Klappt gut, findet auch Leif, und kommentiert Gretas Strategie prompt mit „You are doing a good job“. Für die 6,5 Kilometer vom Hafen in Lervik bis zur Insel Kobba Klintar braucht man etwa zwei Stunden. Die Kanuten paddeln gemächlich durch die unberührte Schärenlandschaft Ålands – vorbei an runden Felsklippen aus dem ålandtypischen Rapakiwi-Granit, einsamen Buchten und üppig bewachsenen Miniatur-Inseln.

Zeit, festzumachen. Leif hilft beim Aussteigen. Während Jens und Kirsten einen Blick auf das Lotsenhaus von 1862 riskieren,  steuern Lea und Greta geradewegs auf das Café zu und wollen nur noch eins: essen.

Nur eine Handvoll Leute sitzt an den Holztischen, die sich um das Café verteilen. Der Wind weht ein paar fremdsprachige Gesprächsbrocken herüber, während sich die Familie „Ålandspannkaka“ schmecken lässt. „Ålandspannkaka“ – ein Wort, das Raum für Assoziationen lässt, die mit Essen herzlich wenig zu tun haben. Auch für Greta, die den ersten Bissen des ålandischen Kardamom-Pfannkuchens ungeniert auf den Boden spuckt. Kardamom ist wohl nicht ihr Fall. Zurück nach Mariehamn muss die Familie zum Glück nicht paddeln – wozu gibt es schließlich Taxiboote?

"Spielplatz" Natur

Ruhe. Bis auf das monotone Summen der Mücken. Und davon gibt’s auf Åland definitiv zu viele. Lea hält  den Mückenstichrekord, dicht gefolgt von Jens und Greta. Die drei sind mit dem Boot raus gefahren, um das Abendessen zu angeln.

Kirsten macht es sich unterdessen auf der Veranda ihres modernen Trockenkiefer-Ferienhauses gemütlich. Es ist 25 Kilometer von Mariehamn entfernt und liegt trotzdem mitten in der Natur. Und die Natur ist für Greta und Lea der beste Spielplatz.

Tipps & Infos

Fakten: Åland gehört zu Finnland, Amtssprache ist jedoch Schwedisch. Der Euro ist offizielles Zahlungsmittel.

Touristeninformation: Visit Åland, Storagatan 8, AX-22100 Mariehamn, www.visitaland.com

Reisezeit: ganzjährig. Hauptsaison ist von Juni bis August.

Anreise: zum Beispiel per Fähre. „Viking Line“ verkehrt zweimal täglich von Stockholm nach Mariehamn. Kosten pro Strecke für vier Personen inklusive Pkw: ab 50 Euro.

Übernachtung:  Ferienhäuser mit Badestrand und Sauna „Edens Stugor“ in Sund. www.eden.ax

Kajaktouren: S.G.U Friluftsentreprenörerna, www.sgu.nu

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