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Wo das Glück lacht

Eine Hamburger Familie wagte das Experiment: mit sechs Menschen machte Großvater Wolfgang Polte Urlaub.Und es ging gut. Alt, jung und ganz jung verstanden sich prächtig – und die Woche wurde zum besonderen Erlebnis.

Endlich angekommen. Wir stehen auf dem Balkon des gemütlichen Hotelchalets, sieben Personen zwischen 70 und 13 Jahren. Philipp der jüngste, ich – der Opa – der älteste. Zum ersten Mal im Leben wohnen wir alle unter einem Dach. Wird das gutgehen? Etwas Lampenfieber habe ich schon.
Aber jetzt sehen wir stumm und überwältigt von dem schönen Ausblick auf ein grünes Tal, dahinter gigantische Berge. Der Himmel leuchtet zartrot in der versinkenden Abendsonne. Der Großglockner, Österreichs höchster Alpengipfel, ist als dunkler Schatten zu erkennen.  Wir Erwachsenen sind ziemlich müde, aber Philipp drängelt: „Ich habe Hunger. Und ich will endlich was spielen.“
„Dumm gelaufen“, heißt das Spiel, das er sich ausgesucht hat. Ein schlechtes Omen? Schon am nächsten Morgen scheiden sich die Wünsche ans Tagesprogramm: Erst mal Wellness im Hotel? Oder Einkaufen fahren? Lieber gleich eine Wanderung machen?

Ohne Kompromisse geht es nicht. Wir entscheiden uns, da die Sonne lacht, für eine kleine Wanderung. Danach können wir ja immer noch einkaufen und anschließend saunieren, schwimmen oder uns massieren lassen.
„Glückswege“ sind uns im Hotelprospekt versprochen worden. Sie beginnen gleich vor der Hoteltür und führen in den Nationalpark „Hohe Tauern“, der direkt an das Hotelgelände grenzt. Ein rauschender Bach begleitet uns. Nach zehn Minuten sehen  wir mit Hilfe eines Fernrohrs die ersten Gämsen. Glück gehabt! Über uns kreist ein Steinadler. Philipp ist begeistert. Wir Erwachsenen genießen die würzige Luft aus dem Zirbelkiefernwald und freuen uns über die weißen und gelben  Blütenteppiche auf den Almwiesen. Auch hier lacht das Glück und gute Laune kommt von alleine auf. Wenn der Magen sich nicht melden würde, wir wären immer noch am Wandern. Leider haben wir Getränke und Butterbrot vergessen; also zurück in eine der Gaststätten ins Dörfchen Kals, dann eingekauft im einzigen Supermarkt des Ortes für die halbe Woche und anschließend ins Wellnessbad unserer Hotelanlage „Gradonna Mountain Resort“, die wie eine riesige futuristische Raumstation über Kals zu schweben scheint.  Schon diesen Anblick fand Philipp „cool“.
 Meine Schwiegertöchter und ich brauchen eine Massage. Enkel, Onkel und der Papa wollen im Hallenbad toben. Hinterher gibt es das Abendessen und dann wieder „dumm gelaufen“. Der Fernseher bleibt ausgeschaltet. Eigentlich ein kleines Wunder.
 Bevor es „Bussis“ (österreichischer Wangenkuss) fürs Zubettgehen gibt ist mir klar: Wir haben es richtig gemacht: Das vom Massentourismus noch nicht entdeckte Tal von Kals ist genau richtig für einen Drei-Generationen-Urlaub. Denn jeder findet etwas, was ihm Spaß macht. Das schlimmste wäre, stets alles zwanghaft gemeinsam machen zu wollen. Besser: Jeder geht seinen Urlaubswünschen nach und erzählt dann abends, was er so erlebt hat. Nicht nur Gespräche über die Tageserlebnisse bringen uns näher. Immer öfters im Laufe der Woche wird auch über Gefühle, Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse gesprochen. Wir kommen uns so nah wie nie. Am Ende der Urlaubswoche werden wir uns wieder wie eine große, harmonische Familie fühlen.
Und so kommt es, dass wir alle unsere  Ideen „ausleben”. Drei  haben eine längere Wanderung vor, die Philipp „überhaupt nicht cool“ findet. Ich auch nicht. Und so entscheiden wir uns für ein interaktives Tourenportal am Computer. Wenn es uns neugierig macht, können wir es ja  in der Natur nachvollziehen.
Die Bilder der „Wanderung auf dem Monitor“ erwecken tatsächlich unsere Neugier. Geheimnisvolle Waldwege wie in einem Fantasyfilm, Schatzsuche an versteckten Uferplätzen an einem Bach, im Hintergrund die Dreitausender-Gipfel des Schobergebirges, ein kleiner See. „Wenn’s nicht weit ist, dann hätte ich Lust direkt hinzugehen“, meint Philipp.

Diesmal vergessen wir Butterbrot und Wasser nicht.
Bis zum späten Nachmittag dauert unser Ausflug. Wir kommen gerade noch rechtzeitig zurück, bevor die drei „Großen“ ihre Mammutwanderung zum Törlhaus geschafft haben. Alle erzählen wie wird durcheinander. Erst gegen zwei Uhr morgens geht es ins Bett. Aber wir können ja ausschlafen. Am nächsten Tag ist „Brunch“ statt Frühstück angesagt.
Ein Ausflugsziel ist für die Goßfamilie musste es nach so viel Natur sein. Er führt nach Lienz, der etwa eine halbe Autostunde von Kals entfernten  Bezirkshauptstadt von Osttirol.
Die Frauen wollen shoppen, wir Männer ins Schloss Burg, dem wichtigsten Museum von Osttirol. Hier sind Reste aus der Römerzeit zu sehen. Philipp wird es schnell langweilig und so gehen Enkel und Opa ins Kino. Als Treffpunkt um 19 Uhr ist ein kleines Café am quirligen Marktplatz (rund 300 Geschäfte und Gaststätten) ausgemacht. Jeder hat nun sein Wunscherlebnis gehabt und so geht es wieder gut gelaunt zurück .
Noch zwei Tage bleiben für Spieleabende, Ausflüge und Wanderungen. Rund 250 Kilometer lang ist das Wegenetz, das durch die vier Täler rund um Kals, führt. Philipp haben wir noch einen Ausflug in den Abenteuerpark im benachbarten Hochpustertal versprochen. Er liegt in einem  Wald, durch den ich mit meinen Schwiegertöchtern geruhsam spazieren gehen kann, während  sich die anderen im Hochseilgarten und an der Seilrutsche austoben. Auf dem Rückweg  sehen wir auf dem rauschenden Fluss Isel noch die nächste Herausforderung: Rafting. Ein Glück, dass Philipp das ein bisschen zu wild ist. Aber wir werden wieder her kommen und dann meinetwegen auch mit einer Wildwassertour.

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