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Leinen los

Familienkreuzfahrten

Eine Kreuzfahrt mit Kind? Für viele Eltern undenkbar. Dabei bietet der Urlaub an Bord für Familien viele Annehmlichkeiten.

Entspannt sitzen Tanja und Alexander auf dem Sonnendeck ihres Kreuzfahrtschiffes und lassen sich die frische Meeresbrise um die Nase wehen. Ihr Blick schweift in die Ferne. Bis zum Horizont, wo die Sonne gerade auf Tauchstation geht. Sie fühlen sich ein bisschen wie Jack und Rose im Film „Titanic“ – traute Zweisamkeit, soweit das Auge reicht. „Es sieht so aus, als gäbe es auf diesem Schiff überhaupt keine kleinen Passagiere. Man sieht keine, man hört keine ...“ Aber Tanja hat das letzte Wort noch nicht ganz ausgesprochen, da sieht sie ihre Sprösslinge von Weitem auf sie zu stürmen.

Von Knoten, Kojen und Kombüsen
Völlig außer Atem prustet Luisa los: „Ich bin eine Piratin und habe einen Schatz gefunden.“ „Und ich habe sie hingeführt“, grinst Bruder Marius. Die Geschwister haben eine Bordsafari hinter sich, bei der Kinder in Kostüm und mit Kriegsbemalung das Kreuzfahrtschiff erkunden. „Wir waren überall und haben sogar den Kapitän auf der Brücke besucht“, berichtet der Siebenjährige stolz und stellt sofort das Allgemeinwissen seines Vaters auf die Probe: „Papa, weißt du, wie schnell das Schiff fährt?“ Dieser schüttelt den Kopf und spitzt die Ohren. „Das Schiff hat eine Höchstgeschwindigkeit von zwanzig Knoten. Das sind 37 Kilometer pro Stunde“, erklärt Marius. So geht es noch eine ganze Weile, bis lautstarkes Magenknurren den Monolog des kleinen Seebären unterbricht. „Bordsafaris machen hungrig. Ich schlage vor, wir statten Smutje einen Besuch ab und gucken mal, was es in seiner Kombüse Gutes zu essen gibt“, skandiert Alexander. Die Auswahl an Speisen im ­Restaurant ist riesig: Frischer Fisch, exotische Früchte und ein Schokoladenbrunnen, über den Marius und Luisa am ­liebsten sofort herfallen würden.

Vor Anker
Mit ohrenbetäubendem Hupen läuft der schwimmende Gigant am nächsten Morgen in den Hafen von Heraklion ein. Kretas Hauptstadt ist Ausgangspunkt für den Tagesausflug nach Knossos, den Alexander und Tanja mit ihren Kindern heute unternehmen. Mit dem Bus geht es etwa fünf Kilometer ins Landesinnere. Auf der kurzen Fahrt bleibt nicht viel Zeit, um einen Blick auf die vielseitige Landschaft der größten griechischen Insel zu erhaschen. Der Vorteil: Es bleibt Luisa und Marius  auch nur wenig Zeit für Fragen wie „Wann sind wir daaa?“.

Ankunft am Palast von Knossos. Der Sage nach regierte hier König Minos und hielt in seinem Labyrinth den Minotaurus – ein Wesen halb Mensch, halb Stier – gefangen. „Man kann sich das Labyrinth gut vorstellen“, meint Tanja, als sie vor der Ausgrabungsstätte steht. „Über­all diese verwinkelten Ecken und Gänge, die ins Leere führen.“ Die Anlage war aber nicht nur ein Irrgarten. Unter den rund 1.300 Räumen gab es auch königliche Gemächer, Schatzkammern und Vorratskeller. Marius und Luisa zeigen sich davon unbeeindruckt: „Ich sehe hier nur Steine“, entgegnet die Fünfjährige gelangweilt. Die gigantischen Stierhörner ziehen da schon eher die Aufmerksamkeit der Geschwister auf sich.   

Volle Kraft nach Haus
Der letzte Tag an Bord geht zu Ende. Anmutig gleitet der Bolide durch die mondlose Nacht. Von der immer gleichen Bewegung, mit der der Schiffsbug das Meer vor sich teilt, steigt monotones Rauschen empor. Alexander, Tanja und Marius lehnen an der Reling und sehen aufs Meer hinaus. Und Luisa? Die schlummert auf Papas Arm. „Eure Tanzeinlage auf der Abschiedsparty hat unsere Kleine ziemlich müde gemacht“, schmunzelt Alexander. „Nicht nur die“, flüstert Tanja. „Luisa erlebt hier so viel – kein Wunder, dass ihr abends die Augen zufallen.“

Alexander verabschiedet sich mit seiner Tochter in die Kajüte. Marius gähnt herzhaft und reibt sich die Augen, als plötzlich ein heller Lichtpunkt am Himmel vorbeihuscht. „Mama, Mama, eine Sternschnuppe“, poltert er los. „Du darfst dir was wünschen“, sagt Tanja. „Dann wünsche ich mir ...“ „Psst, du darfst es aber nicht laut sagen, sonst geht der Wunsch nicht in Erfüllung.“ Also kneift Marius die Augen zu und formt mit den Lippen lautlos ein paar Wörter. Ein letzter Blick in die Ferne. Noch ist kein Land in Sicht. Aber morgen wird die Familie wieder festen Boden unter den Füßen haben.

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