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Über den Wolken

Fliegen mit Baby: Up and away!

Fliegen mit Baby kann eine Herausforderung sein. Unsere Reise-Expertin Kerstin Führer verrät, worauf Eltern bei der Planung achten sollten.

Damals als Paar war das Reisen einfach: Man ging ins Reisebüro oder stöberte in den Urlaubskatalogen und schaute, welches Ziel einem besonders zusagte. Passten Zeitpunkt und Preis, hat man gebucht, gepackt, den Reisepass geschnappt, und los ging’s. Ganz gleich ob mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug.

Wer jedoch Kinder hat, muss sich plötzlich deutlich mehr Gedanken über die An- und Abreise machen. Fliegen mit Baby erscheint vielen Neu-Eltern als allzu große Herausforderung. "Doch das muss nicht sein", so Reise-Expertin Kerstin Führer. "Ein Flug kann für die Familie ein entspanntes, schönes Erlebnis werden."

Die Vielfliegerin und Buchautorin spricht aus ihrer eigenen Erfahrung: Ihre Kinder Emelie und Paul waren jeweils acht Monate alt, als es zum ersten Mal an Bord eines Flugzeugs ging. Und weil das gut klappte, haben sie mit ihren Eltern bereits sechs Kontinente bereist. "Nur die Antarktis fehlt noch", sagt Kerstin Führer lachend. 

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Sicherheit steht an erster Stelle

Für eine entspannte Reise ist vor allem wichtig, dass die Kinder gut gesichert sind. Und da gibt es im Flugzeug nur eine Möglichkeit: Die Babyschale oder der Autokindersitz müssen mit – da sind sich alle Experten einig. Auf manchen Flügen sieht man zwar sogenannte Bassinets – Babykörbchen, die in der ersten Reihe in die Trennwand eingehängt werden – doch davon wird dringend abgeraten. "Im Falle von Turbulenzen ist das Kind darin nicht gesichert", so Führer. "Das Gleiche gilt, wenn das Baby auf dem Schoß der Eltern sitzt", warnt sie. Da bei den meisten Fluggesellschaften Babys und Kleinkinder auf dem Schoß der Erwachsenen kostenlos mitfliegen dürfen, kommt der sogenannte Loop-Belt aber immer noch sehr häufig zum Einsatz. Das Baby wird dabei mit einem Schlaufengurt am Gurt der Eltern befestigt. Im Falle von Turbulenzen kann der Loop-Belt aber zur Lebensgefahr werden, warnen Experten. Nicht umsonst war er auf Flügen in der Europäischen Union 14 Jahre lang verboten und ist es bis heute in Nordamerika. 

Kindersitze werden – wie im Auto auch – mit dem Sicherheitsgurt des Flugzeugsitzes befestigt. Dazu muss man zwar einen eigenen Sitzplatz für das Kind buchen, "doch die Sicherheit der Kinder sollte immer an erster Stelle stehen", betont Führer. Leider gibt es noch immer Airlines – vor allem Billigflieger – die das Mitbringen von Kindersitzen nicht akzeptieren. "Man sollte sich daher unbedingt vor der Buchung erkundigen, ob die ausgewählte Fluggesellschaft die Mitnahme erlaubt. Und wenn ja, welche Modelle", so Führer. 

Ab wann darf man mit einem Baby fliegen?

Viele Fluggesellschaften nehmen Babys ab einem Alter von acht bis 14 Tagen mit. Meistens muss ein Attest vom Kinderarzt vorgelegt werden, wenn man mit einem so kleinen Baby fliegen möchte. Experten raten aber ohnehin dazu, Flugreisen frühestens ab einem Alter von drei Monaten zu unternehmen. Je kleiner die Kinder sind, desto schwieriger fällt ihnen der Druckausgleich. Wenn Babys krank sind, also mit Infekten der oberen Luftwege wie beispielsweise Erkältungen, zu kämpfen haben sollten sie unbedingt am Boden bleiben. Ansonsten können heftige Ohrenschmerzen auftreten. Zudem ist die Luft im Flieger sehr trocken, was die Schleimhäute reizen kann. Klimaanlage und mögliche Viren anderer Passagiere machen das Flugzeug außerdem zu einem Ort, an dem man sich sehr schnell erkältet. Und das möchte man einem ganz kleinen Baby ja nun wirklich nicht zumuten. 

Das gehört ins Handgepäck

Im Flieger zieht man dem Baby am besten gleich mehrere Lagen übereinander an und packt zusätzlich eine wärmende Decke ein. Im Flugzeug kann es durch die Klimaanlage mitunter zugig und relativ kühl sein. Am Urlaubsort dagegen herrschen vielleicht hochsommerliche Temperaturen. Kann man das Baby rasch von einer Kleidungsschicht befreien, fühlt es sich gleich pudelwohl. Ganz wichtig: Ins Handgepäck gehört Wechselkleidung fürs Baby. Ausgerechnet auf dem einzigen Flug, auf dem ihre Tochter je spucken musste, hatte Kerstin Führer keinen zweiten Body für sie dabei. "Das ist mir danach nie wieder passiert", sagt sie lachend.

Die Reiseapotheke gehört selbstverständlich auch ins Handgepäck und sollte mit abschwellenden Nasentropfen und Fieberzäpfchen bestückt sein. Für einen Langstreckenflug empfehlen sich auch Nasentropfen aus Kochsalzlösung (kann man selber herstellen oder in der Apotheke kaufen), um die empfindlichen Nasenschleimhäute zwischendurch immer mal wieder zu befeuchten. 

Ansonsten sollte man natürlich ausreichend Windeln und Zubehör für's Wickeln mitnehmen. Hier gilt das Motto: Mehr ist mehr! Wer weiß, ob der Flieger Verspätung hat oder das aufgegebene Gepäck wirklich am Zielort ankommt – in diesem Fall sind ein paar Extra-Windeln im Handgepäck Gold wert. Zum Wickeln gibt es in den Bordtoiletten herunterklappbare Ablagen. "Aus Rücksicht auf die Nasen der Mitreisenden sollte man Zip-lock-Tüten oder parfümierte Windelbeutel für die gebrauchten Windeln mitbringen", rät Führer.

Bei Babys und Kleinkindern sind die Sicherheitsbestimmungen für das Handgepäck nicht so streng wie bei den Großen. Sprich: Heißes Wasser in der Thermoskanne kann problemlos mitgenommen werden. Ebenso wie Breigläschen, Snacks oder Milchpulver. Beim Security-Check kann es sein, dass man eventuell vor den Sicherheitsbeamten das ein oder andere kosten muss. An manchen Flughäfen gibt es auch spezielle Maschinen, die den Inhalt von Gläschen und Fläschchen untersuchen. Also lieber ein wenig mehr Zeit einplanen! An Bord helfen die Flugbegleiter/innen gerne beim Aufwärmen von Brei und versorgen einen mit warmem Wasser zum Anrühren der Pulvermilch. 

Was sich beim Fliegen mit Baby und Kleinkindern gerade bei einem langen Flug auch bewährt hat: Neues Spielzeug ins Handgepäck packen. So sind die Kleinen in der Enge des Fliegers zumindest vorerst gut beschäftigt. 

Gut vorbereitet, fliegt es sich entspannter

Geht der Flieger bereits ganz früh am Morgen, ist es ratsam, das Gepäck bereits am Vorabend aufzugeben. Auf der Webseite der Airline kann man sehen, ob ein Vorabend-Check-in angeboten wird. Dann kann die Familie am Reisetag direkt zum Gate durchgehen. Bei vielen Airlines ist es sogar möglich, das Baby im Kinderwagen bis zum Flugzeug zu schieben. Den Wagen lässt man beim Einsteigen in den Gepäckraum laden und bekommt ihn beim Aussteigen direkt ausgehändigt. In vielen Flughäfen stehen zudem Leih-Buggys für die Strecke bis zum Gate bereit. Und mittlerweile gibt es sogar Buggys, die sich so klein falten lassen (z. B. Yoyo von Babyzen), dass sie als Handgepäck in den Ablagefächern über den Sitzen verstaut werden können und dürfen.

Familien mit Kindern wird immer ein Pre-Boarding angeboten, sprich sie dürfen als Erste an Bord gehen. Das hat den Vorteil, dass man in Ruhe alle Sachen verstauen kann, ehe die restlichen Passagiere nachrücken. 

Wer außerhalb Deutschlands Urlaub macht, muss auch für den kleinen Touristen ein Reisedokument vorweisen. Das gilt für Babys und Kinder. Kinderreisepässe werden auf Wunsch bereits für Neugeborene ausgestellt. Das dazu benötigte Foto kann man selbst machen, es sollte lediglich das Gesicht ganz zeigen und frontal aufgenommen sein.

Wenn möglich, sollten Eltern mit kleineren Kindern grundsätzlich kürzere Flugstrecken für ihre Reise wählen. Bei Langstreckenflügen sind Nachtflüge am besten. So wird der Schlafrhythmus bei Kindern weniger gestört und die Zeit vergeht wie im Flug.

Entspannt ans Ziel

Wenn alle im Flieger sitzen, kann es endlich losgehen! Damit es beim Start und bei der Landung mit dem Druckausgleich gut klappt, sollten Kinder in dieser Zeit am Schnuller saugen oder aus dem Fläschchen trinken. Stillen geht natürlich auch. Hat das Kind eine Schnupfennase, gibt man vor dem Start auf jeden Fall Nasentropfen, damit die Schleimhäute abschwellen. 

Einige Eltern schwören bei einem Langstreckenflug auf Give-aways für die neben ihnen sitzenden Passagiere. Ohrenstöpsel, Süßigkeiten und vielleicht ein kleiner Zettel, auf dem um Verständnis gebeten wird, falls es mal ein wenig lauter werden sollte. Das ist sicherlich eine nette Geste – viele Passagiere haben aber ohnehin sehr viel Verständnis und Mitgefühl, wenn sie die kleinen Touristen sehen. Schließlich haben die meisten selber Kinder, Nichten oder Neffen und können sich in die Lage der angespannten Eltern gut hineinversetzen. "Locker machen" lautet also das Motto für Fliegen mit Baby und Kleinkind – denn das gute Gefühl überträgt sich schließlich auch auf die Kleinen. 

Buch-Tipp zum Thema Fliegen mit Baby

Kerstin Führer: "Fliegen mit Baby und Kleinkind", KidsAway, 14,95 Euro, E-Book 7,99 Euro.

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