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Öko? Logisch!

Grüner Familienurlaub auf Lolland-Falster

Auf den dänischen Inseln Lolland-Falster gehen große und kleine Naturfreunde mit Windrädern auf Tuchfühlung, schauen Biobauern bei ihrer Arbeit über die Schulter und legen beim Apfelsaftmosten selbst Hand an.

„Willkommen am Ende der Welt“, sagt Hanne Madsen lachend und bleckt ihr Pferdegebiss, als sie die Tür ihres Restaurants „Den Fuldkomne Fisker“ öffnet. Das Ende der Welt – so mutet das Örtchen Onsevig auf West-Lolland, wo sich das Restaurant befindet, tatsächlich an. Ringsrum sieht man nichts außer grünen Wiesen, Windrädern und ein paar Häuschen. Menschen? Eine seltene Spezies. Zweibeiner leben hier angeblich, man sieht aber keine. Dafür bekommt man umso mehr Schafe und Rinder vor die Linse. Sie stammen aus ökologischer Aufzucht – und werden von Hanne zubereitet. „Am Anfang waren wir ein Anglerrestaurant. Heute kommen auch Familien mit Kindern.“ Sicher auch, weil der dazugehörige Campingplatz zu lauschigen Abenden am Lagerfeuer einlädt. Dass das Speiselokal ursprünglich ein Anglerrestaurant war, lässt sich am Interieur der Gaststube unschwer erkennen. Überall ausgestopfte Fische, manche mit riesigen Mäulern und scharfen Zähnen.

Küche & Klima

Der Duft nach frischem Brot lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Wer dem Duft folgt (man kann gar nicht anders), landet in der rustikalen Küche, wo Pfannen, Töpfe und allerlei andere Küchenutensilien von der Decke baumeln. Hanne schwingt hier höchst selbst den Kochlöffel. Sie spricht wie ihr Mann Carl ganz gut Deutsch. „2006 wurde Lolland von einem kleinen Tsunami überflutet. Wir mussten etwas unternehmen, damit das nicht noch mal passiert. Weil es zu teuer gewesen wäre, Deiche zu bauen, haben wir uns für eine Klima-Anpassungsanlage entschieden, die von EU-Geldern gefördert wird“, erzählt Carl, der Mitbegründer des Onsevig-Klimaparks ist und sich zu Hanne an den Herd gesellt.

Zu diesem Klimapark gehört zum Beispiel eine Anlage, die Energie aus Algen erzeugt. Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Restaurants und kann besichtigt werden. Besuchen können Familien auch die vielen anderen grünen Energieprojekte auf Lolland-Falster. zum Beispiel ein Wasserstoffdorf, eine Wellenenergie- und Windkraftanlage – und: einen der größten Offshore-Windparks der Welt, den Nysted Havmøllepark, den man eindrucksvoll bei einer Bootstour bestaunt.

Windrad voraus!

Die Schiffsmotoren werden leiser, das „Schrapp-schrapp-schrapp“ lauter. Im Schneckentempo tastet sich die „M/S Amigo“ an den ersten weißen Riesen heran, um genau unter ihm beinahe zum Stehen zu kommen. Wow! Man zieht unweigerlich den Kopf ein, wenn man von unten auf das Windrad blickt. Nötig ist das nicht, immerhin ist der Koloss samt Rotor 110 Meter hoch und die Wahrscheinlichkeit, dass man sich den Kopf anstößt, gering. „Windrad“ ist übrigens wissenschaftlich nicht korrekt – es heißt „Windkraftanlage“. „Windrad“ klingt da irgendwie sympatischer.

72 dieser Windräder befinden sich im Nysted Havmøllepark. Drei Kilometer westlich stehen noch einmal 90. „Der Vorteil von Windkraftanlagen im Wasser ist, dass sie im Durchschnitt 1,5 Prozent mehr Energie erzeugen als Windkraftanlagen an Land“, erklärt Skipper Svend Erik Rasmussen, der die Tour begleitet. „Das liegt daran, dass auf dem Wasser ein stärkerer Wind pfeift. Die Anlage produziert Strom für 145.000 Einfamilienhäuser im Jahr. Eine ganze Menge!“ Insgesamt gibt es auf Lolland-Falster übrigens 407 Windräder, die höher als 70 Meter sind. Familien, die eine Tour mit der Amigo unternehmen, kommen aber nicht nur Windrädern ganz nah. Mit ein bisschen Glück erspähen sie auch Seehunde auf den Sandbänken. Tipp: Unbedingt ein Fernglas mitnehmen!

Ah, jetzt ja, eine Insel!

Die Amigo tuckert zurück in Richtung Hafen. An Fejø kommt sie dabei nicht vorbei. Die Insel liegt nämlich am anderen Ende von Lolland – im Smålandsfarvandet, zu Deutsch: Smålandsfahrwasser. Fejø hat mehr Apfelbäume als Einwohner. 1000 Apfelbäume stehen allein auf Plantage des Öko- und Erlebnisbauernhofs Kernegaarden – doppelt so viele, wie Menschen auf der Insel leben. Zweibeiner sind also auch hier eine Seltenheit.

„Aus jeder Kiste ein paar Äpfel in den Eimer, und dann in den Presskorb!“, weist Kai Winter die großen und kleinen Amateur-Apfelbrauer an. Ob es ein Problem ist, dass manche Äpfel Würmer haben? „Nee, das ist egal. Die Würmer werden mitgepresst!“, sagt der Braumeister trocken. Apfelsaft mit Fleischeinlage. Lecker! Aber: Kai wird’s wissen, schließlich wurde sein Apfelsaft mit ökologischem Gold ausgezeichnet. Kai lebt zusammen mit Frau Anita und den zwei Töchtern auf dem Hof. Sie brauen nicht nur Apfelsaft, sondern bieten auch Käse, Fleisch, Schokolade und andere ökologische Leckerbissen an. Familien können in Kernegaarden nicht nur zugucken, wie Apfelsaft gemacht wird, sondern auch Ziegen, Schafe und Lämmer streicheln und einen Ausritt zum nahe gelegenen Meer auf dem Rücken der Shetlandponys Hanibal und Robin unternehmen.

Im Garten des Hofs steht, na, was wohl? Klar, ein Windrad, das die Anlage mit Energie versorgt. Die Äpfel poltern in den Presskorb. Nun ist Muskelkraft gefragt: Um die Äpfel zu pressen, muss man die Gewindespindel der Apfelpresse drehen. Mit aller Kraft und der Unterstützung von Papas starken Armen setzt ein kleines Mädchen die Gewindespindel in Bewegung. Der Lohn für ihre Mühen läuft am unteren Ende des Presskorbes in den Eimer. Den Apfelsaft in Flaschen füllen, in einer Kreativrunde mit dem Nachwuchs ein Etikett gestalten, fertig. Apfelsaft selbst machen ist einfacher als gedacht! Die Würmer schmeckt man übrigens nicht.   

Natürlich!

Tipps zum Trip

Infos www.visitlolland-falster.com
Anreise mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby, zum Beispiel mit „Scandlines“
„Den Fulkomne Fisker“/„Onsevig Camping“ www.onsevig.com
Erlebnisbauernhof Kernegaarden Tiere streicheln, bei der Apfelsaftherstellung zuschauen oder gleich in einer der beiden Ferienwohnungen übernachten. Apfelsaft selbst herstellen: nur für Gruppen mit Voranmeldung – Familien tun sich am besten mit anderen zusammen! www.kernegaarden.dk
Badevergnügen Der Strand von Marielyst wurde 2011 zum besten Badestrands Dänemarks gekürt.
Bootstour Nysted Offshore-Windpark vorab arrangieren, da es keine festen Termine gibt. 0045 / 24 21 10 78, amigo@fisker.mail.dk. Preis: 325 Dänische Kronen pro Person (ca. 43 EUR).
Biohof Knuthenlund Lämmchen streicheln und beim Melken zusehen, www.knuthenlund.dk

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