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So findet man den richtigen Autokindersitz

Kindersitze sind mitunter eine Wissenschaft für sich. Wie praktisch, dass der ADAC Rückhaltesysteme regelmäßig auf Herz und Nieren testet. Mit welchem Modell kleine Passagiere gut fahren – und sicher ankommen.

Einem Kindersitz sieht man nicht an, ob er tatsächlich hält, was sein Hersteller verspricht. Deshalb nimmt der ADAC Rückhaltesysteme regelmäßig unter die Lupe. Das Testverfahren: Mit einem sogenannten Prüfschlitten, auf dem eine Autokarosserie montiert ist, simulieren die Tester einen Frontalaufprall mit rund 65 km/h und einen Seitencrash mit 50 km/h. An Bord befindet sich das jeweilige Kindersitzmodell. Für jede Sitz-Gewichtsklasse gibt es zwei Dummies – einen an der oberen und einen an der unteren Gewichtsgrenze. Die Prüfingenieure testen mit beiden – und zusätzlich in verschiedenen Einbaukombinationen (z. B. Isofix und gegurtet, Sitz und Ruheposition).

Außerdem müssen sich seit 2011 alle Modelle einer Schadstoff- und Ergonomieprüfung unterziehen. Fazit des ADAC Kindersitztests 2012: Von 33 Rückhaltesystemen erhielten 17 das Urteil „gut“. Fünf Sitze hatten gravierende Sicherheitsmängel, dass es nur für das Gesamturteil „mangelhaft“ reichte.

Klassenunterschiede

Grundsätzlich schreibt der Gesetzgeber vor, Kinder bis zu einer Körpergröße von 150 cm bzw. bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres mit einem geeigneten Rückhaltesystem zu sichern. Für die Kindersitzwahl entscheidend sind allerdings nicht Alter und Größe. Einzig auf das Körpergewicht des kleinen Passagiers kommt es an. Die „ECE-R44“ Kindersitz-Prüfnorm unterscheidet fünf Gewichtsklassen:
 

  • Klasse 0: Kinder bis 10 kg und Klasse 0+: Kinder bis 13 kg

In sogenannten Babyschalen reisen die kleinen Passagiere rückwärts – man installiert sie entgegen der Fahrtrichtung. Der Vorteil: Die Belastungen für Kopf und Nacken sind im Falle eines Aufpralls deutlich geringer als bei vorwärtsgerichteten Systemen, weil der Kopf des Kindes nicht nach vorne fliegt.

Bringt man solche Rückhaltesysteme auf dem Beifahrersitz unter, unbedingt den Airbag deaktivieren! Wenn er auslöst, kann er dem kleinen Passagier erheblichen Schaden zufügen.
 

  • Klasse I: Kinder von 9 bis 18 kg

Sitze dieser Kategorie sind mit „Hosenträgergurt“ oder als „Fangkörpersystem“ erhältlich. Fangkörpersysteme sichern das Kind durch einen kleinen Tisch vor dem Bauch. Es gibt gute Modelle mit Fangkörper und mit Hosenträgergurt – vor dem Kauf ausprobieren.
 

  • Klasse II: Kinder von 15 bis 25 kg und Klasse III: Kinder von 22 bis 36 kg

Sitzerhöhungen mit Rücken- bzw. Schlafstützen sichern den Nachwuchs fast immer durch den normalen Dreipunktgurt – und sind für Kinder ab etwa vier Jahren geeignet. Wichtig: Darauf achten, dass der Gurt immer mittig über die Schulter verläuft.

Hinten rechts

Der sicherste Platz für Kinder im Auto ist auf den Rücksitzen. Macht es sich der kleine Passagier hinten rechts bequem, kann er das Fahrzeug zudem auf der sicheren Seite zum Fußweg verlassen. Der Beifahrersitz kommt nur in Frage, wenn Mama oder Papa allein mit dem Nachwuchs unterwegs ist – und ihn deshalb im Blick haben muss. Bei rückwärtsgerichteten Modellen den Airbag unbedingt ausschalten. Für vorwärtsgerichtete Systeme gilt: Bedienungsanleitung von Fahrzeug und Kindersitz beachten!

 

Das sitzt!

Zum Kindersitzkauf braucht es Dreierlei: Den kleinen Passagier, das Fahrzeug und eine qualifizierte Beratung. Letztere am besten in einem Fachgeschäft – inklusive Einbauprobe. Ohne die geht es nämlich nicht. Die richtige Montage des Sitzes entscheidet über die Sicherheit bei einem Unfall.

Vorsicht ist übrigens bei gebrauchten Autokindersitzen geboten: Wenn sie das orangefarbene Siegel mit der Prüfnorm ECE 44/02 oder 44/01 tragen – Hände weg! Sie erfüllen nicht mehr die erforderlichen Sicherheitsstandards und sind seit April 2008 verboten. Erlaubt sind nur noch Rückhaltesysteme mit der Prüfnorm ECE R 44/03 und ECE R 44/04.

Gleiches gilt für Sitze mit sichtbaren Materialschäden. Risse, Verformungen etc. stammen möglicherweise von einem Unfall und sind ein Grund, den Kindersitz zu entsorgen. Tipp: Am besten nur gebrauchte Sitze kaufen, deren Herkunft bekannt ist – und die vollständig sind (Bedienungsanleitung!).

Unser Experte:

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Ratzek, Projektleiter im Bereich Fahrzeugsicherheit des ADAC Technik Zentrums Landsberg am Lech

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