Der richtige Kindersitz

Autokindersitze im Praxistest

Einer für alle, alles in einem? Mitwachsende Kindersitze begleiten den Nachwuchs teils vom ersten bis zum zwölften Lebensjahr. Das ist durchaus sinnvoll – aber nicht immer.

 

Mitwachsende Kindersitze der Gruppe 1/2/3 sind für viele Eltern und Großeltern ein Segen: Sie decken die größtmögliche Gewichts-, Alters- und Größenspanne aller Kinderrückhaltesysteme ab und liegen preislich in einem vergleichsweise moderaten Bereich. Einmal gekauft, hält das gute Stück im besten Fall vom ersten bis zum zwölften Lebensjahr. Eine Anschaffung fürs (Kinder-)Leben. Gute Pflege vorausgesetzt.

9 bis 36 Kilogramm Gewicht, 75 cm bis 1,50 Meter Körpergröße – der Einsatz-
bereich ist riesig, Qualität und Sicherheit überzeugen: Von den acht Gruppe-1/2/3-Sitzen, die der ADAC und die Stiftung Warentest im Jahr 2015 gemeinsam getestet haben, schnitt die Hälfte mit „gut“ ab (z. B. Joie Trillo Shield und Casualplay Multiprotector Fix II), die anderen vier verdienten sich ein „befriedigend“.

 „Kombisitze sind vor allem dann interessant, wenn man regelmäßig Kinder befördert, die unterschiedlich alt und groß sind“, sagt Andreas Ratzek, Kindersitztest-Koordinator des ADAC. 

 
Cooler Job: Testcrew im Fotowagen Renault Espace.

Der Autositz muss zum Kind passen, nicht zur Normgruppe

„Großeltern zum Beispiel, die mal ihren dreijährigen, mal den achtjährigen Enkel mitnehmen, haben so mit nur einem Sitz immer die richtige Größe an Bord.“

Erste Wahl sind in diesem Fall Kombisitze mit einem Fangkörper. Der hält Kinder der Gruppe 1 (etwa 1 bis 4,5 Jahre, 9 bis 18 kg) vergleichbar sicher wie ein 5-Punkt-Gurt – und erspart einem die meist zeitaufwendige Abrüstung des sitzeigenen Hosenträgergurtsystems für die älteren, größeren Kinder (Gruppe 2/3), die mit dem Fahrzeuggurt gesichert werden müssen. Wer es einmal ausprobiert hat, der weiß: Fangkörper in Position bringen oder rausnehmen dauert nur eine Sekunde, 5-Punkt-Gurt aus- und wieder einbauen erfordert deutlich mehr Zeit und Geschick. Und fast immer einen tiefen Blick in die Bedienungsanleitung. 

 

Was muss der Kindersitz können?

Letztlich müssen die Eltern sich entscheiden: Wollen sie nach der obligatorischen Babyschale (Gruppe 0+) für jede Altersgruppe einen spezifischen Sitz? Dann müssen sie sich auf kontinuierliche Ausgaben einstellen, haben aber immer neueste Technik an Bord und „frische“ Sitze. Oder hegen und pflegen sie lieber ein „Lifetime“-Modell?

„Man darf nicht vergessen: So ein Kindersitz macht auf Dauer ganz schön was durch“, sagt ADAC-Ingenieur Ratzek. Die Bezüge verschleißen, die Polsterung gibt nach. „Insoweit ist unser Tipp in der Regel: Reiner Gruppe-1-Sitz und dann ein mitwachsender Gruppe-2/3-Sitz.“ Damit sind Eltern und Nachwuchs immer auf der sicheren Seite. Korrekter Einbau vorausgesetzt.

 

Schneller Umbau: Kindersitze mit Fangkörper passen ruck, zuck für Groß und Klein.

Joie Transcend

 

Gruppe 1/2/3 (9 bis 36 kg), 

  • ab 9 Monate bis 12 Jahre
  • Einklappbare „Isosafe“-Konnektoren         (Isofix)
  • Geringes Gewicht
  • Verstellbarer Fangkörper
  • Seitenaufprallschutz-Technologie
  • 10-fach höhenverstellbar

Passgenauer Rundumschutz mit viel Liebe zum Detail. Der Joie Transcend überzeugt mit perfekter Verarbeitung, geringem Gewicht (7,8 kg) und cleveren Ideen. Die „AutoAdjust“-Seitenflügel weiten sich automatisch beim Herausziehen der 10-fach höhenverstellbaren Kopfstütze und passen sich so der Größe des Kindes an. Die Sitztiefe ist in drei Stufen verstellbar. Das vierfach verstellbare Sicherheitskissen (Fangkörper) ist eine komfortable Alternative zum 5-Punkt-Gurt für die Gruppe 1; ein Wechselbezug gehört zum Lieferumfang. Der Joie-Seitenaufprallschutz „Guard Surround Safety“ lässt sich rechts und links (je nach Einbauposition im Auto) separat aktivieren und soll zusätzlichen Schutz für Kopf, Brust und Becken bieten.

Etwa 210 Euro

 

Kindersitz Dino Radian5.

Diono Radian5

 

Gruppen 0-2  (0-25 kg), von Geburt bis ca. 6 Jahre

Besonderheiten

  • Bis 25 kg Körpergewicht rückwärtsgerichtetes Fahren möglich
  • Spezieller Faltmechanismus
  • Durchgehender Stahlrahmen und metallverstärkte Seitenteile mit Memory-Schaum-Polsterung
  • Neugeborenen-Einsatz

Etwa 400 Euro

 
Kindersitz: Chicco Seat-Up 012.

Chicco Seat-Up 012

 

Gruppen 0-2 (0-25 kg), von Geburt bis ca. 6 Jahre

Besonderheiten

  • Kopfstütze und gepolsterte Gurte mit einem Handgriff am Kopf des Sitzes auf die Größe des Kindes anpassbar
  • Baby-Sitzverkleinerer
  • Diverse Befestigungsmöglichkeiten (vorwärts, rückwärts, mit oder ohne Top Tether, mit oder ohne Isofix-Arme)

Etwa 140 Euro

 

Kindersitz: Peg-Perégo Viaggio1 Duo-Fix K.

Peg-Perégo Viaggio1 Duo-Fix K

 

Gruppe 1 (9-18 kg), ca. 1-4 Jahre

Mit Isofix-Basis (separat erhältlich) bewerten Stiftung Warentest und ADAC den Sitz mit „gut“. Der Sitz kann aber auch allein mit dem Dreipunktgurt im Auto befestigt werden. 

Besonderheiten 

Sitz ist auf vier verschiedene Neigungen einstellbar – für erholsame Nickerchen auch auf längeren Strecken

  • höhenverstellbarer Seitenaufprallschutz
  • Sitzverkleinerer
  • Gurt-schnell-verstell-System
  • Coole Bezüge, zum Beispiel Camo Green

Ab etwa 260 Euro, Basis etwa 140 Euro

 

Streifen machen schlank. Im „Smart Zebra“-Look kostet der Dualfix etwa 444 Euro.

Britax Römer Dualfix

 

Gruppe 0+/1 (bis 18 kg), ab Geburt bis 4 Jahre

  • Isofix erforderlich
  • Einbau entgegen und in Fahrtrichtung
  • Liegeposition 
  • 360 Grad drehbar
  • Kopfteil und Gurtsystem mit einer Hand justierbar

Der Dualfix verwandelt die Rückbank in eine Burg, ist aber nichts für Leute, die mit ihrem Nachwuchs öfter das Auto wechseln. Fast 15 Kilo schwer, dazu das ausklappbare Stützbein – den Dualfix von einer Rückbank zur nächsten zu hieven, geht ins Kreuz. Einmal montiert, ist der durchdachte Sitz der Hit: Er lässt sich auf der Isofix-Basis komplett um die eigene Achse drehen. Man kann das Kind also „frontal“ hineinsetzen beziehungsweise herausheben – und die Sitzschale samt dem angeschnallten Nachwuchs in Fahrtposition drehen. Sehr praktisch, sehr rückenfreundlich – vor allem bei schweren oder größeren Kindern.

Ab etwa 420 Euro

 

Testurteil ADAC/Stiftung Warentest: gut (2,2).

Maxi Cosi 2way Pearl

 

Gruppe 1 (bis 18 kg), ab 6 Monate bis 4 Jahre

  • I-Size-Kombisitz (ECE R129/00)
  • Isofix erforderlich 
  • Einbau entgegen und in Fahrtrichtung
  • Ruheposition
  • „Easy Out“-Gurtsystem

Neugeborene schlüpfen im Hause Maxi-Cosi in Babyschalen wie Pebble Plus oder CabrioFix. Ab circa sechs Monaten können sie dann umsteigen auf den i-Size-Kombisitz „2way Pearl“. Einbau und Bedienung sind erfreulich einfach: Die visuelle und akustische Anzeige an der obligatorischen 2wayFix-Basis bestätigt die korrekte Installation – da kann man (eigentlich) nix falsch machen, auch nicht beim Verschieben der Sitzschale in die Ruheposition. Lästige Fummelei beim Angurten des Nachwuchses im Sitz erspart einem das „Easy Out“-Gurtsystem: Es hält die beiden Enden des 5-Punkt-Sicherheitsgurts stets in Hab-Acht-Position.

Ab etwa 250 Euro, Basis etwa 200 Euro

 
Das steckt Musik drin: In den seitlichen Kopfstützen sind Boxen integriert.

Recaro Monza Nova IS Racing 

Gruppe 1/2/3 (9 bis 36 kg), ab 9 Monate bis 12 Jahre

  • Isofix („Seatfix“)
  • Integrierte Lautsprecher
  • Kopfteil mit aufblasbarem Luftpolster
  • Weich gepolsterter Fangkörper 
  • Limitierte Auflage

 

An dem werden rasante Familien ihre Freude haben: Das limitierte zweifarbige Editionsmodell „Racing“ in Rot/Schwarz macht den Recaro Monza Nova IS zum ultimativen Accessoire auf jeder GTI-Rückbank. Extrafeste Armlehnen, stabile, breite Sidepads, Kopfteil mit aufblasbarem Luftpolster – der komfortable Monza kommt den „großen“ Sportsitzen von Recaro ganz schön nah. Unterhaltsames Gimmick: das integrierte Recaro Sound System. Die Lautsprecher in der 11-fach verstellbaren Kopfstütze können per Kabel mit MP3-Player, Smartphone & Co. verbunden werden. Das Abspielgerät findet in der kleinen Tasche am Sitz ein sicheres Plätzchen. Optimale Luftzirkulation verspricht das Recaro Air Circulation System (ACS).

Etwa 300 Euro

 
Kindersitz: Concord Reverso Plus.

Concord Reverso Plus

Gruppe 0+ bis 1 (von Geburt bis 23 kg), bis 105 cm/ca. 4 Jahre

Besonderheiten

  • Entspricht der neuen i-Size-Norm/rückwärtsgerichtetes Fahren
  • Verstellbare Sitzgröße und Liegeposition über jederzeit zugängliche Drehknöpfe
  • Sitzverkleinerer für Neugeborene
  • Einbauhilfe: Fußplatte passt sich automatisch dem Fahrzeugsitz an
  • Maximale Sicherheit bei leichtem Gewicht mit knapp 11 kg (inkl. Neugeboreneneinlage)

Etwa 400 Euro
 

Richtig Wichtig: Der Einbau

EU-Sicherheits-Verordnung 

ECE R 44/04 und ECE R 44/03 – diese beiden Prüfnormen entscheiden über Sein oder Nicht-Sein bei Kindersitzen und Babyschalen, sofern sie nicht nach ECE R 129/00 (i-Size) zertifiziert sind. Rückhaltesysteme mit der Prüfnummer 44/01 oder 44/02 sind nicht mehr zulässig und dürfen daher weder verwendet noch verkauft werden – und das bereits seit April 2008! Also Finger weg vom vererbten Drei-Generationen-Lottersitz („Der tut es doch noch“) – und schleunigst auf den Müll mit den alten Teilen!

 

Web-Check

Fast alle Sitzhersteller bieten auf ihrer Webseite eine Fahrzeugtypenliste an. Daraus geht hervor, welche Sitze für welches Auto geeignet sind – und auf welchen Plätzen sie montiert werden können. Bei vielen Autos ist der Mittelplatz schmaler als die äußeren Sitzplätze. Das kann zu Problemen beim korrekten Anschnallen führen, erst recht, wenn in der zweiten Reihe drei Kindersitze mitreisen sollen.

 

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