Reise mit Down-Syndrom-Baby Wir zeigen dir die Welt

Mit einem Baby in den Urlaub fahren, womöglich sogar ins Ausland fliegen? Für viele Eltern scheint das ein großes Wagnis. Fabian Sixtus Körner und seine Lebensgefährtin Nico reisen mit ihrer Tochter durch die Welt seit sie drei Monate alt ist – auch die Diagnose "Down-Syndrom" kann die junge Familie nicht ausbremsen.

Die Welt wollten sie ihrem Kind zeigen, möglichst früh im Leben, das hatten sich Fabian Sixtus Körner und seine Freundin Nico vor der Geburt ihres ersten Babys fest vorgenommen. Und genau das machen die beiden Berliner dann auch: Dominikanische Republik, Frankreich, Spanien, Portugal – all diese Länder hat die kleine Yanti schon gesehen. Ihre erste große Reise machte sie bereits als drei Monate altes Baby, als sie noch ganz frisch war im Leben.

Eine Behinderung? Ausgeschlossen!

Dabei sah es kurz nach Yantis Geburt erst einmal gar nicht danach aus, als ob so schnell eine Weltenbummlerin aus ihr würde: Sie kam mit dem Down-Syndrom zur Welt, hatte Schwierigkeiten mit der Atmung und Probleme mit dem Herz. „Das war ein Schockmoment, als wir die Diagnose erhalten haben“, erinnert sich Yantis Vater an die Stunden kurz nach der Geburt vor rund zwei Jahren.

„Ganz bewusst hatten wir uns gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden, weil wir wussten, wir nehmen das Baby an, so wie es ist“, erzählt der Designer und Fotograf. Die Nackenfaltenmessung zeigte keine Auffälligkeiten, also machten sich die werdenden Eltern auch keine weiteren Gedanken über mögliche gesundheitliche Probleme – geschweige denn eine Trisomie 21 – des heißersehnten Nachwuchses.

Auf der Neugeborenenstation wurden diverse Untersuchungen mit dem Baby gemacht. Foto: Fabian Sixtus Körner

Auf und ab mit Down-Syndrom

Obwohl sich die beiden schon vor der Schwangerschaft einig waren, auch ein behindertes Kind voll und ganz anzunehmen und genauso zu lieben, durchlebten sie nach der Diagnose Down Syndrom eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Sie malten sich aus, was für Schwierigkeiten ihrem Kind bevorstehen könnten. Doch der kleine Mensch bezauberte die Eltern schnell mit seinem freundlichen sanften Wesen. Drei Wochen musste Yanti auf der Intensivstation verbringen, sie brauchte zusätzlichen Sauerstoff, ihre Lunge war noch zu schwach.

Mama blickt mit ihrem Baby aufs Meer. Foto: Fabian Sixtus Körner

Fernreise mit behindertem Kind – kein Problem, oder?

Der Traum vom Familienurlaub in der Karibik schien in weite Ferne gerückt zu sein. „Unsere größte Sorge war, ob sie durchkommt“. Doch schließlich ist Yanti fit genug, um nach Hause entlassen zu werden. Und kurz darauf wagen ihre Eltern, wieder über die Reise nachzudenken. Ihr Ziel in der Karibik ist die Dominikanische Republik, hier kennen sich die beiden aus und haben einen Freund, in dessen Wohnung sie sich einquartieren können.

Bevor die Flüge gebucht werden, steht noch eine Hürde an: Was wird der Kinderarzt zu den Plänen sagen? Wird er ihnen abraten? Im Gegenteil: Der findet die Idee prima, ist genau wie die Eltern überzeugt, dass der Aufenthalt in der Wärme fernab vom Winter in Europa Yanti gut tun wird.

„Die Wochen mit Yanti in der Karibik waren für uns alle eine tolle Zeit. Die Menschen sind dort ganz herzlich mit Yanti umgegangen, haben uns immer wieder zu unserem Baby gratuliert. Das tat richtig gut.“ Genau wie zu Hause haben die Eltern darauf geachtet, möglichst den immer gleichen strikten Tagesablauf einzuhalten, weil Yanti damit am besten klarkommt. Da Yanti noch voll gestillt wurde, mussten sich die Eltern über die Ernährung ihres Babys keine großen Gedanken machen.

Auch mit Down-Syndrom glücklich: Yanti am Strand. Foto: Fabian Sixtus Körner

Reiselustige Familie

Zurück in Deutschland kam bald wieder das Reisefieber – die junge Familie kaufte sich daher einen ausgebauten Camper. Damit reisen sie fortan durch Europa, am liebsten ans Meer, denn beide Eltern sind leidenschaftliche Surfer. Mit Baby ist es zwar schon im Hotelzimmer meist ziemlich eng, aber die drei kommen gut mit dem begrenzten Platz im Camper klar.

Seit Yanti 13 Monate alt ist, geht sie in eine kleine Kita direkt in der Nachbarschaft. Hier fühlt sie sich wohl. „Yanti hat den unbedingten Willen, glücklich zu sein. Und das steckt an“, freut sich ihr Vater. Yanti ist gerade zwei Jahre alt geworden, ein zierliches kleines Mädchen, das gerade mal acht Kilo auf die Waage bringt. Bei der letzten Untersuchung gab’s vom Kinderarzt gute Nachrichten: Sogar Yantis Herzfehler wird sich wohl von allein auswachsen.

Jetzt geht’s erst mal mit dem Camper zum Urlaub nach Polen – auch ein schönes Reiseziel. Im Januar 2019 steht dann wieder eine große Reise an: Mexiko, Philippinen oder Ecuador – da schwanken die reiselustigen Eltern noch ein wenig. Auf alle Fälle ist es toll, im Leben mit einem Down-Syndrom-Kind zu merken, dass Reiseziele in anderen Ländern, sogar außerhalb Europas, ohne Weiteres umzusetzen sind.

Schalk im Nacken: Papa mit seinem Baby. Foto: Fabian Sixtus Körner

Buch-Tipp zum Weiterlesen

Buchtipp "Mit anderen Augen". Foto: Verlag

Fabian Sixtus Körner, "Mit anderen Augen. Wie ich durch meine Tochter lernte, die Welt neu zu sehen", Ullstein Extra, 15 Euro.

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