Keine Angst! Albträume: Wenn nachts die bösen Monster kommen ...

Haben Kinder Albträume, leiden Mama und Papa mit. Ein renommierter Schlafexperte hat unserer Autorin Silke Schröckert verraten, was gegen ungebetenen Monsterbesuch in der Nacht hilft.

Toms Schrei reißt mich aus dem Tiefschlaf. Und verursacht sofort einen stechenden Schmerz in meiner Brust: Sein angsterfülltes, flehendes Rufen geht mir im wahrsten Sinne des Wortes ans Herz. Nach einem Satz über den Flur hocke ich an seinem Bett. Ein halb wacher, halb träumender Tom wimmert etwas von „groooß“ und „kaputt“ – mehr verstehe ich nicht. Doch was auch immer „groß“ und „kaputt“ ist: Es bereitet ihm eine Heidenangst. Sein kleiner Körper zittert wie Espenlaub.

Ein Albtraum. Und nun?

Soll ich den Knirps aufwecken, ins Hier und Jetzt holen, und ihm zeigen, dass keine große, kaputte Gefahr hinter ihm her ist? Aber wer weiß, wie lange er zum Wiedereinschlafen braucht, wenn er erst einmal richtig wach ist … Doch wenn er jetzt sofort wieder wegdöst, träumt er doch sicher schlecht weiter. Wie verhalte ich mich also richtig? „Nach dem Aufwachen aus einem Traum lassen Sie Ihr Kind den Trauminhalt kurz erzählen“, sagt Kinderarzt und Schlafexperte Dr. Alfred Wiater. „Dann beruhigen Sie Ihr Kind und sagen ihm, dass Sie am nächsten Tag mit ihm weiter über den Traum sprechen.“ Wichtig dabei: Das in der Nacht versprochene Gespräch sollte am nächsten Tag auch wirklich stattfinden.

„Mama, was ist ein Traum?“

Wer über Albträume redet, nimmt ihnen das Gruselige, Unbekannte. Diese Gespräche sind deshalb ab jedem Alter sinnvoll, in dem euer Kind aus Albträumen erwacht und sich dazu äußern kann. Allerdings sind konkrete Traumerinnerungen laut Dr. Wiater erst ab einem Alter von etwa drei Jahren zu erwarten. Wenn euer Kind den Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit noch nicht eigenständig erkennt, helft ihm dabei, das Geträumte einzuordnen. Dr. Wiater beschreibt kleinen Patienten einen Traum zum Beispiel als „Reise durch die Nacht, auf der wir Vieles erleben, das aber nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat.“ Dann besprecht ihr den Inhalt des Geträumten: „Monster, Verfolgung und Bedrohung sind häufige Trauminhalte“, weiß Dr. Wiater. Lasst euch von eurem Kind erzählen, was genau es „gesehen“ und erlebt hat. Das kann Anhaltspunkte für die Ursache der schlechten Träume geben: Ist mein Kind einfach vom heutigen Tag reizüberflutet? Oder sitzen die Gründe für den Albtraum tiefer?

Wie viele schlechte Träume sind „normal“?

„Häufig treten Albträume phasenweise auf, zum Beispiel in bestimmten Reifungsphasen oder nach Änderung der Lebensumstände“, sagt  Dr. Wiater. Das kann eine familiäre Trennungssituation genauso sein wie der Eintritt in den Kindergarten oder der Umzug in eine neue Stadt. Ernst wird es erst, wenn die bösen Träume nicht nachlassen: „Wenn sich Trauminhalte immer wieder wiederholen, könnten traumatisierende Erlebnisse die Ursache sein“, warnt der Schlafforscher. „Über mehrere Wochen regelmäßig vorkommende und insbesondere Träume mit immer wieder demselben Inhalt sollten Anlass zu einer kinderpsychologischen Abklärung geben“, rät Dr. Wiater.  

Auch Lärm und Licht können Angst machen

Doch natürlich ist nicht jeder wiederkehrende Traum gleich ein Anzeichen für ein traumatisches Erlebnis, das verarbeitet wird. Manchmal hat auch schlicht der Schlafplatz selbst eine negative Wirkung: „Gegenstände im Zimmer, bestimmte Lichteinflüsse, auch Lärm und andere äußere Reizeinwirkungen können auf Kinder einen beängstigenden Einfluss haben, der dann in Albträumen zum Ausdruck kommen kann“, erläutert Dr. Wiater. Hilfreich ist es, wenn sich Eltern einen Eindruck verschaffen, welchen äußeren Einflüssen ihr Kind in der Nacht ausgesetzt ist. Also: Einfach mal mit der Matratze ins Kinderzimmer umziehen und eine Nacht aus Kindersicht verbringen – wir wünschen angenehme Träume! 

Albtraum oder Nachtschreck?

Kein böser Traum, sondern ein psychologisches Phänomen –
daran erkennt ihr den sogenannten „Nachtschreck“:

  • Euer Kind sitzt plötzlich aufrecht im Bett und schreit.
  • Die Augen sind weit aufgerissenen Augen, der Puls rast.
  • Es wirkt orientierungslos.
  • Es ist nicht ansprechbar.
  • Anders als bei einem Albtraum, kann sich euer Kind am nächsten Tag an nichts erinnern.

Geratet nicht in Panik: Der Spuk ist nach einigen Minuten wieder vorbei. Und auch beim Nachtschreck gilt: Solange er nicht auffällig häufig auftritt, gibt es keinen Grund zur Sorge.

Tipps für ein kindgerechtes Schlafumfeld

  • Eine gute, schadstofffreie Kinder-Matratze kaufen. Da die Kleinen schnell wachsen, benötigen sie etwa alle fünf Jahre eine neue. Tipp: Ökotest testet Kindermatratzen regelmäßig und bietet Orientierung, www.oekotest.de
  • Das Zimmer sollte auch im Sommer gut abgedunkelt sein.
  • Die ideale Raumtemperatur zum Schlafen liegt bei 16 bis 18 Grad.
  • Optimale Luftfeuchtigkeit: zwischen 40 und 60 Prozent. 
  • Lärm und Stimmen vermeiden.
  • „Gruselige“ Gegenstände (der böse blickende Teddy? das Wandbild mit dem komischen Clown?) sollten aus dem Kinderzimmer verbannt werden.
  • Ist das Kind alt genug, ist ein Lieblings-Stofftier ein guter Einschlaf-Kamerad (und „Albtraum-Jäger“).

Unser Experte

Dr. med. Alfred Wiater ist Chefarzt der Kinderklinik im Krankenhaus Porz am Rhein und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin.

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