Dein wirEltern-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

„Sensibel und verletzlich“
Babyhaut: Erste Schritte bei Milchschorf, Säuglingsakne & Co.

Von wegen weich wie ein Babypopo: Säuglinge leiden in den ersten Monaten häufig unter trockener Haut. Ihr Schutzmantel ist zudem empfänglich für Reizungen oder Entzündungen. Der Dermatologe Professor Bernhard Homey erklärt, was bei typischen Hautphänomenen hilft.

wireltern.de: Herr Professor Homey, bei vielen Babys zeigen sich in den ersten Lebenswochen schuppige oder rote Stellen auf der Haut.

Professor Dr. Bernhard Homey: In der Tat trifft unsere Vorstellung von einer ‚zarten Babyhaut’ in den ersten Wochen häufig nicht zu. Denn die Haut von Neugeborenen ist noch nicht voll funktionsfähig. Sie ist besonders dünn, ihre Barrierefunktion ist noch nicht voll ausgeprägt. Dadurch trocknet sie schnell aus und wird sensibel und verletzlich. Verliert die Haut zu viel Feuchtigkeit, entstehen Rötungen oder gar Ekzeme.

Worauf sollten die Eltern bei der Pflege ihres Sprösslings achten?

Spätestens dann, wenn sich die Haut papierartig trocken anfühlt, muss sie eingecremt werden. Säuglinge mit besonders sensibler und trockener Haut baden am besten nur einmal pro Woche, denn das Wasser wirkt entfettend und die Haut verliert mit der Fettschicht auch ihre Schutzfunktion. Zudem sollten die Kleinen direkt nach dem Bad unbedingt mit einer rückfettenden Pflege versorgt werden.

Sind Ekzeme mögliche Vorboten einer Neurodermitis?

Aus besonders trockener Haut im Säuglingsalter kann sich später Neurodermitis entwickeln – muss es aber nicht. Mit einer regelmäßig aufgetragenen, rückfettenden Creme können die Eltern mitunter den Entzündungskreislauf verhindern, der für Neurodermitis typisch ist.

Wenn Mutter und Vater selbst Atopiker sind – also unter Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis leiden – dann ist auch das Kind gefährdet, daran zu erkranken. In diesem Fall muss die Haut des Babys auf jeden Fall immer gut mit Feuchtigkeit und rückfettender Pflege versorgt werden.

Typische Phänomene bei Säuglingen sind Kopfgneis und Milchschorf. Müssen die Eltern aktiv werden?

Ich würde beides immer behandeln, denn für das Baby ist das nicht gerade angenehm. Kopfgneis zeigt sich mit einer fettig anhaftenden Schicht, bei Milchschorf bilden sich trockene und schuppige Ablagerungen auf dem Kopf.

Die Behandlung ist jedoch bei beiden Phänomenen gleich: Vorsichtig etwas Babyöl auf die Kopfhaut geben, einwirken lassen und dann die Ablagerungen auskämmen. Dabei den Kamm am besten flach und parallel zur Kopfhaut halten. Eine Bürste eignet sich nicht so gut, das Auskämmen sollte die Haut möglichst nicht reizen.

Ein anderes Problem bei Neugeborenen ist die Säuglingsakne. Müssen sich Eltern Sorgen machen, dass die Pickel bleiben?

Da kann ich beruhigen: Nach etwa drei bis vier Wochen verschwinden diese Pickel zumeist ohne Zutun wieder. Eltern sollten die Entwicklung jedoch im Blick behalten.

Manche Babys haben bei der Geburt kleine Blutschwämmchen auf der Haut, die mit der Zeit sogar größer werden.

Diese sogenannten Hämangiome sind zumeist harmlos und bilden sich nach anfänglichem Wachstum fast immer von selbst zurück. Wenn sie jedoch an problematischen Stellen wie am Augenlid, an der Nase oder im Genitalbereich sitzen, rate ich dazu, frühzeitig einen Kinderarzt oder Dermatologen aufzusuchen und bei starker Wachstumstendenz zu behandeln.

Und wie gehen Ärzte dabei vor?

Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Neben Kältetherapie, Lasertherapie oder operativen Verfahren haben Studien der letzten Jahre sehr gute Ergebnisse mit der Einnahme von Betablockern gezeigt. Diese Methode hat wenige Nebenwirkungen und die Säuglinge sprechen gut darauf an.

Zwar müssen Babys zunächst stationär behandelt werden, jedoch schädigen die Betablocker die Umgebungszellen nicht. Wichtig bei der Entscheidung für die eine oder andere Behandlungsform ist allerdings immer die Einschätzung des Kinderarztes oder Dermatologen.
 

Eine besonders sensible Zone ist der Windelbereich. Wie verhindert man, dass sich eine Dermatitis entwickelt?

Da heißt es: Häufig die Windel wechseln. Am besten direkt dann, wenn sie gefüllt ist, damit Urin und Kot die Haut nicht reizen. Die Eltern sollten Po und Genitalbereich immer mit einer rückfettenden Wundschutzcreme pflegen.

Ist die Haut bereits entzündet, hilft eine weiche Zinkpaste. Wenn man bei einer Entzündung nicht handelt, droht eine Besiedelung mit Hefepilzen, diese zeigen sich als rote Flecken mit pünktchenartigen Satellitenherden. Für das Baby ist das sehr unangenehm, denn die Stellen nässen und jucken. Spätestens dann sollte ein Dermatologe einen Blick darauf werfen.

Unser Experte

Prof. Dr. med. Bernhard Homey, Direktor der Hautklinik, Universitätsklinikum Düsseldorf

Teile diesen Artikel:

]