„Der Körper braucht Flüssigkeit“ Das schlägt auf den Magen: Durchfall und Erbrechen

Mal bringen sie einen Virus aus dem Kindergarten mit, mal haben sie einfach zu viel Obst gegessen: Durchfall und Erbrechen sind bei Kindern keine Seltenheit. Der Gastroenterologe Dr. Thorsten Fröhlich erklärt, warum Cola keine Lösung ist und wie kleine Patienten schnell wieder auf die Beine kommen.

KIND & GESUNDHEIT: Herr Dr. Fröhlich, wann werden Durchfall und Erbrechen für Kinder gefährlich?

Dr. Thorsten Fröhlich: Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern kann es schnell zu einer bedrohlichen Austrocknung kommen. Denn durch Erbrechen oder Durchfall gehen dem Körper Flüssigkeit und wichtige Salze verloren. Eltern sollten alarmiert sein, wenn sich Blut in den Durchfall mischt oder das Kind besonders schlapp ist, starke Schmerzen und hohes Fieber hat. Auch wenn die Beschwerden länger als drei bis fünf Tage andauern, sollten sie mit ihrem Kind auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Wie stellen Eltern fest, dass ihrem Kind Flüssigkeit fehlt?

Auf eine Austrocknung weisen etwa eingesunkene Augen oder eine besonders trockene Mundschleimhaut hin. Eltern können den Zustand des Flüssigkeitshaushaltes an der Haut überprüfen. Dazu nehmen sie eine Hautfalte etwa am Handrücken zwischen zwei Finger. Bleibt die Falte nach dem Loslassen stehen, ist der Flüssigkeitshaushalt vermindert.

Bauchkrämpfe sind oft eine unangenehme Begleiterscheinung. Was hilft da am besten?

Der kleine Patient sollte versuchen, sich zu entspannen. Bei akuten Bauchkrämpfen tun eine sanfte Massage und natürlich Wärme gut. Aber Vorsicht, an einer heißen Wärmflasche können sich die Kleinen verbrennen. Also lieber ein Kirschkernkissen auf den Bauch legen. Übrigens sollten die Kranken nicht unbedingt liegen, sondern den Oberkörper aufrecht halten. Kinder ziehen auch oft intuitiv die Beine an, auch das hilft gegen Bauchkrämpfe.

Was ist in der akuten Phase von Brechdurchfall wichtig?

Die Eltern sollten so früh wie möglich versuchen, ihrem Kind Flüssigkeit zu geben. Bei Erbrechen jedoch nicht zu viel auf einmal, sonst kommt das postwendend zurück. Zu Beginn kann man kleine Mengen mit dem Teelöffel oder mit Hilfe einer Spritze geben, um dem Körper die verlorene Menge an Flüssigkeit zuzuführen. Wenn das Kind gar nichts bei sich behalten kann, hilft ein Zäpfchen gegen Erbrechen.

Wenn sie Bauchweh haben, sind bei Kindern vor allem Salzstangen, Cola & Co. beliebt. Aber sind diese Leckereien wirklich sinnvoll?

Nein, Cola ist wegen des hohen Zuckergehaltes überhaupt nicht zu empfehlen. Zudem fördert die Kohlensäure das Erbrechen. Gegen Salzstangen und Zwieback ist allerdings nichts einzuwenden. Flüssigkeit ist jedoch zunächst einmal wichtiger für den Patienten.

Welche Getränke empfehlen Sie denn bei akutem Durchfall?

Ideal sind Elektrolyt-Glukose-Lösungen. Familien haben am besten immer eine Ration davon zu Hause. Denn dieses Mittel enthält genau die Mischung an Salz und Zucker, die kleine Patienten bei Durchfall brauchen. Das Pulver lösen die Eltern in Wasser auf – auf keinen Fall in einem Saft, denn der Fruchtzucker kann den Durchfall verschlimmern. Kamillentee ist natürlich auch gut, er beruhigt den Magen und enthält keine Fruchtsäure. Gesüßt wird der Tee dann mit Traubenzucker.

Und wann dürfen kleine Patienten wieder essen?

Sobald das Erbrechen aufhört und der Appetit sich wieder zurückmeldet. Eine längere Essenspause einzulegen oder gar eine Diät zu starten, wird nicht mehr empfohlen. Nach einer Erkrankung sind stärkehaltige Lebensmittel wie Nudeln, Brot oder Kartoffeln gut, und wenn das Kind Lust hat, darf es auch schon Tomatensoße oder Butter dazu essen. Produkte mit viel Zucker sollten aber noch nicht auf dem Speiseplan stehen. Und wenn der Nachwuchs unbedingt einen Fruchtsaft haben will, dann am besten stark verdünnen.

Unser Experte

Dr. med. Thorsten Fröhlich, Kindergastroenterologe, Leiter der pädiatrischen Gastroenterologie, Kinder- und Jugendklinik am Universitätsklinikum Erlangen

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