Anzeige Impfen gegen Meningokokken? Eine Diskussion

Soll ich mein Baby impfen lassen? Und gegen was eigentlich? Was steht in der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO)?

Fragen über Fragen beschäftigen frisch gebackene Eltern, wenn es um das Thema "Impfen" geht. Und über genau diese Fragen diskutierten fünf Mütter und ein Kinder- und Jugendarzt.

Bei der Impfdiskussion ging es vor allem um Meningokokken. Etwa jeder zehnte Erwachsene trägt diese Bakterien im Nasen-Rachen-Raum. Husten oder Niesen kann ausreichen, um die Erreger auf andere Menschen zu übertragen und sie anzustecken[1].

Problematisch ist das vor allem für Säuglinge und Kleinkinder. Da deren Immunsystem oft noch nicht ausgereift ist, haben sie den Bakterien kaum etwas entgegenzusetzen. In seltenen Fällen führt eine Meningokokken-Infektion dann zu einer Blutvergiftung, der sogenannten Meningokokken-Sepsis, oder zu einer Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis).

Die Mamas Jana und Alexandra aus der Diskussionsrunde hatten ihre Babys gegen "Meningokokken" impfen lassen. Dabei war aber nur Alexandra bekannt, dass es in Deutschland verschiedene Meningokokken-Typen gibt. Der mit Abstand häufigste Typ ist B, gefolgt von C. "Die Schutzimpfung gegen Meningokokken C wird bereits im Standard-Impfplan von der STIKO empfohlen. Gegen die in Deutschland selteneren Typen  A, W und Y sowie gegen den Typ B wird nicht standardmäßig geimpft, da es bisher keine allgemeine Empfehlung gibt", weiß Kinder- und Jugendarzt Dr. med. Stephan von Landwüst. Jana ist überrascht. "Ich wusste gar nicht, dass es verschiedene Typen und damit auch verschiedene Impfungen gibt", sagt sie. "Unsere Kinderarztpraxis ist so überlaufen, dass wir vielleicht gar nicht ausführlich genug informiert wurden. Wir nahmen einfach die Standardimpfungen vor."

Impfschutz ist wichtig. Foto: GSK

Etwa 300 Meningokokken-Erkrankungen gibt es pro Jahr in Deutschland[2]. "Eine Erkrankung führt in etwa zwei Drittel der Fälle zur Meningitis", berichtet Kinderarzt Dr. von Landwüst aus der Praxis. "In einem Drittel der Fälle kommt es zu einer Blutvergiftung. Bis zu einer von zehn Erkrankten kann trotz medizinischer Hilfe nicht gerettet werden."

"Da es sich bei Meningokokken um Bakterien handelt, können Erkrankte mit einem Antibiotikum behandelt werden. Je früher das passiert, desto besser sind auch die Heilungschancen", so von Landwüst. Doch genau da liegt der Knackpunkt.

Die Meningokokken-Erkrankung ist deshalb so tückisch, weil sie aufgrund der grippeähnlichen Krankheitszeichen schwer zu diagnostizieren ist und der Krankheitsverlauf schnell fortschreitet. "Eine Therapie kommt daher oft zu spät", berichtet der Kinderarzt.

Charakteristisch bei einer Hirnhautentzündung ist der steife Nacken, bei dem das Kinn nicht komplett zur Brust bewegt werden kann. "Kommt ein Kind mit Grippesymptomen in die Praxis, prüfen wir zunächst auf Nackensteifigkeit", berichtet von Landwüst. "Bei Säuglingen ist das aber natürlich schwierig." Kalte Hände und Füße, eine unnatürliche Hautfarbe und Beinschmerzen können auf eine fortschreitende Meningokokken-Sepsis hindeuten. Genauso wie Einblutungen auf der Haut und den Schleimhäuten. "Bestmöglich geschützt ist das Kind durch frühzeitige Meningokokken-Impfungen", so von Landwüst.

Jana meint, die Aufklärung der Eltern durch den Kinder- und Jugendarzt spiele eine zentrale Rolle. Die anderen Mütter nicken. "Ich hatte mich kurz vor der Geburt auf den Seiten des Robert Koch-Instituts informiert", berichtet Sonja. "Interessant ist aber natürlich Ihre Erfahrung aus der Praxis: Wie verträglich sind denn die Impfungen?", möchte sie wissen. „In meiner Praxis habe ich bisher keine schwerwiegenden Komplikationen erlebt. Die Kinder haben nach meiner Erfahrung allerhöchstens Beinschmerzen, da sie in den Oberschenkel geimpft werden, oder eine erhöhte Temperatur. Ich empfehle dann, ein Schmerzmittel zu nehmen. Am nächsten Tag geht es den Kindern meistens schon wieder gut", berichtet von Landwüst. "Besser ein leichtes Unwohlsein und man weiß, dass es zu einem bestmöglichen Schutz für das Kind führt."

"Aber muss ich denn die Impfungen selbst bezahlen?", fragt Tanja. Schließlich ist ja nur die Impfung gegen Meningokokken C eine Standard-Impfung nach der STIKO-Empfehlung. "Die Kosten der Meningokokken-C-Impfung werden von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Aber auch die Meningokokken-B-Impfung erstatten bereits viele Krankenversicherer", weiß Dr. Stephan von Landwüst. "Es kann sich lohnen, dort nachzufragen", rät er. Eine Impfung gegen die vergleichsweise selten vorkommenden Typen A, W und Y und auch die Impfung gegen B wird bei Reisen in Risikogebiete oftmals als Reiseimpfung übernommen.

Weitere Infos zu Meningokokken-Erkrankungen und Impfschutz unter www.meningitis-bewegt.de.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Foto: GSK

[1]RKI-Ratgeber für Ärzte „Meningokokken-Erkrankungen“. Verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Meningokokken.html, April 2016. Letzter Zugriff: Oktober 2018.

[2]www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/03_18.pdf__blob=publicationFile, 08/18

Freigabenummer: DE/BEX/0081/18a; 10/2018

wirEltern.de - Newsletter

Gewinnspiele und deine Themen. Jede Woche neu.