Inhalieren Warum ist Dampf so gefährlich?

Die zweithäufigste Unfallursache bei Kleinkindern sind Verbrühungen. Leider passiert es auch oft beim Inhalieren.

Frage: Ist die Gefährdung wirklich so groß, dass sich Kinder bei der bewährten Methode des Inhalierens von ätherischen Ölen verbrennen, Herr Professor Meyer? 

Antwort: Ja, gerade in der Erkältungszeit verbrühen sich viele Kinder beim Inhalieren. Denn die Gefahr ist groß, dass die Schüssel mit dem heißen Wasser umkippt oder mit dem Handtuch beim Aufrichten vom Tisch gerissen wird und sich die heiße Flüssigkeit über das Kind ergießt. Schwerste Verbrühungen des Unterbauchs, der Oberschenkel und der Genitalien sind die Folge. Auch besteht die Gefahr, dass sich das Kind das Gesicht verbrüht, wenn der Wasserdampf zu heiß ist. Sicherer als Inhalieren sind Nasenduschen oder standfeste Feuchtinhalationsgeräte

Über 30.000 Kinder verbrennen oder verbrühen sich so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen

Bereits heiße Flüssigkeiten ab 52 Grad schädigen die Haut: Der Inhalt einer Tasse Tee oder Kaffee kann bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes verletzen. Jedes Jahr verbrennen oder verbrühen sich mehr als 30.000 Kinder unter 15 Jahren so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen. 6.000 Kinder müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die Mehrzahl der Kinder mit thermischen Verletzungen ist jünger als fünf Jahre. Experten schätzen, dass durch Prävention 60 Prozent aller Unfälle vermeidbar wären. Der Verein Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e. V. gibt Tipps, wie ihr euer Kind im Haushalt schützen könnt:

  • Tassen mit heißen Getränken weit weg von der Tischkante stellen.
  • Bei Tauchsiedern und Wasserkochern auf hängende Kabel achten.
  • Nie etwas Heißes essen oder trinken, wenn ein Kind auf dem Schoß sitzt oder ihr es auf dem Arm habt. Kinder versuchen, die Tasse oder den Teller zu erreichen, um zu sehen, was darin ist.
  • Auf den hinteren Herdplatten kochen. Töpfe und Pfannen mit dem Griff nach hinten auf den Herd stellen.
  • Niemals nur heißes Wasser in die Badewanne einlaufen lassen und die Wassertemperatur kontrollieren.
  • Den Heißwasserregler nie auf „heiß” stehen lassen. Das Kind könnte sich beim Öffnen des Wasserhahns verbrühen.
  • Die Wasserhähne mit einem Thermostat sichern, der die Wassertemperatur auf maximal 50 Grad begrenzt.
  • Nur Wasser unter 50 Grad in Wärmflaschen füllen und gut verschließen. Sicherer sind Kirschkernkissen.
  • Eimer oder Wannen mit heißen Flüssigkeiten nicht auf dem Boden stehen lassen. Kinder könnten darüber stolpern und hineinfallen.
  • Das Bügeleisen abschalten und den Stecker rausziehen, wenn man den Raum verlässt.
  • Lampen nicht mit Tüchern oder Papier abdunkeln.
  • Streichhölzer und Feuerzeuge immer konsequent wegschließen

Unser Experte

Professor Dr. Thomas Meyer, Leiter Abt. Kinderchirurgie, Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Kinderchirurgie in Würzburg 

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