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Buch - "Keim daheim"
Leben mit unsichtbaren Mitbewohnern

Wir sind nicht alleine – jeden von uns umgeben rund 40 Billionen unsichtbare Mikroorganismen! Doch wie gefährlich sind Bakterien, Viren und Pilze?

Welche Unterschiede gibt es? Und wie können wir damit gesund leben? Wertvolles Wissen zwischen Fluch und Segen – in seinem aktuellen Buch "Keim Daheim" erzählt der Wissenschaftler und Autor Dirk Bockmühl in bester Pop-Science-Manier von der Wunderwelt unserer unsichtbaren Mitbewohner: Bakterien, Viren und Pilzen.

Verpackt als unterhaltsame Hygienestunde beleuchtet Bockmühl anschaulich Keime und Co. Nach der Lektüre sieht man ganz alltägliche Dinge plötzlich mit ganz anderen Augen. So sind uns viele Mikroorganismen sogar wohlgesonnen - ohne sie könnten wir gar nicht überleben.

Der Wissenschaftler erklärt, wo uns Mikroben begegnen, wie sie uns beeinflussen, wie wir die schlechten loswerden und die guten unterstützen können. Wir finden: Ein schlauer Lesespaß für Allergiker, Phobiker, Hygienefanatiker und Putzmuffel oder einfach nur für Neugierige, die sich gerne Rat holen für den richtigen Umgang mit dem gemeinen Keim daheim.

Zu Hause ist, wo die Keime wohnen

Gibt es zu Hause keimfreie Räume? Fehlanzeige! Jeder Bewohner oder Besucher hinterlässt beim Betreten eines Raumes seinen "mikrobiellen Fingerabdruck"(durch Hautflora, Schimmelpilz- oder Fußpilzsporen). Da kann man noch so viel putzen! Und die Wohlfühltemperatur zur Vermehrung liegt bei Pilzen, Viren und Bakterien nahe der Körpertemperatur.

Übrigens tummeln sich in der Küche die meisten Keime. Mikroorganismen mögen es warm und feucht und sitzen am liebsten in der Spüle, im Schwamm, in der Kaffee- oder Waschmaschine. Gefährlich wird es dann, wenn rohe tierische Lebensmittel zubereitet werden. Bei ungekochtem Hühnchen muss zwingend sauber gearbeitet werden, damit keine Keime über andere Lebensmittel auf den Menschen "verschleppt" werden.

Keime auf dem Handy oder der PC-Tastatur werden nur dann zum Problem, wenn sie nicht von einem selbst stammen. Eine regelmäßige Reinigung kann natürlich nicht schaden. Viel mehr Vorsicht ist geboten, wenn der Kollege verschnupft ist und mir die Hand reicht.

Die Guten - es gibt sie!

Dass uns so viele Mikroorganismen besiedeln, wie wir Körperzellen haben, klingt zunächst einmal bedrohlich. Doch es gibt auch genügend von ihnen, die für uns lebenswichtig sind. Die Organismen unterstützen uns etwa bei der Verdauung und schützen uns vor schädlichen Umwelteinflüssen und Krankheitserregern.

Probiotika aus Milchprodukten helfen mit ihren Bakterien, unser Immunsystem zu trainieren und zu stärken. Auch auf unserer Haut fördern Bakterien den Aufbau unseres Säureschutzmantels und vermeiden Hautkrankheiten. Bis heute ist übrigens nicht genau erwiesen, wofür die vielen Keime noch gut sind.

Wege der Infektion

Bei einer Infektion gelangen Krankheitserreger in den Körper. Durch die Luft per Tröpfchen, oder über Berührung per Schmierinfektion. Dabei hilft das Immunsystem, den Körper zu schützen. Prof. Bockmühl weiß: Ob man erkrankt oder nicht hängt von der "infektiösen Dosis" ab. Sogenannte YOPIs (Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem) sind besonders gefährdet, zu erkranken.

Auch durch Intoxikation kann es zu einer Infektion kommen. Hier sind stark vermehrte Bakteriengifte die Ursache. Mykotoxine aus Schimmelpilzen in Lebensmitteln führen zu solchen mitunter sogar krebserregenden Vergiftungen. Also Finger weg von verschimmelten Essen!

Großflächiger Schimmelpilzbefall in der Wohnung kann zu Allergien und asthmatischen Beschwerden führen und ist daher unbedingt loszuwerden.

"Vier gewinnt" gegen "Keim daheim"

Der Wissenschaftler singt ein Loblied auf den Geschirrspüler - zwar wird er meist mit energiesparenden und nicht so heißen Ecoprogrammen genutzt, aber neben heißem Wasser sind auch der starke Wasserstrahl, die Programmlänge sowie Tenside und Bleiche im Spültab für die Beseitigung der Keime verantwortlich. Im Vergleich zur Handwäsche ist der Geschirrspüler beziehungsweise auch die Waschmaschine auf jeden Fall die gründlichste Art zur sicheren Reinigung.

Merke: Vier gewinnt! Die clevere Kombination aus Mechanik, Temperatur, Zeit und Chemie ist die wirksamste Formel gegen Mikroorganismen!

Saubere Tipps fürs "Stille Örtchen"

Regelmäßig angewendet und mit Schrubben kombiniert wirkt der klassische WC-Reiniger auf Säurebasis zuverlässig gegen Schmutz, Kalk und Keime. Wichtig: beim Spülen immer den Klodeckel schließen, da dabei bis zu 10.000 Mikroorganismen in die Luft geschleudert werden. Chlorhaltige WC-Hygiene-Duftspüler zum Einhängen in die Kloschüssel bieten allerdings herrliche Nester für Keime und Biofilme, also weg damit! 

Der Brechdurchfall auslösende Norovirus ist mit 200.000 Fällen pro Jahr so häufig wie gefährlich. Für die Ansteckung sind nur wenige Viruspartikel notwendig. Daher ist hier die konsequente Desinfektion von Händen, Türgriffen und Oberflächen genauso wichtig wie Desinfektion der Kloschüssel mit Chlorbleiche (Hypochlorit). Aber Achtung: Nie mit anderen WC-Reinigern mischen – dabei können giftige Chlorgase entstehen!

Anti-Keim-Einkaufsliste

  • Bleichhaltiges Vollwaschmittel (Pulver, Perlen oder Tabs enthalten Sauerstoffbleiche gegen Keime)
  • Schimmelspray mit Chlor (für den Notfall wie zum Beispiel bei Norovirus)
  • WC-Reiniger
  • Alkohol (wirksam gegen Keime bei einer Konzentration von 60 bis 70 Prozent)
  • Händedesinfektionsmittel für unterwegs (und den Notfall)

Tipps und Tricks für die Küche

  • Lebensmittel mit verschimmelten Stellen sofort komplett entsorgen.
  • YOPIs sollten Rohmilchprodukte meiden, da die hierfür verwendete Milch nicht erhitzt wird.
  • Rohes Fleisch nach unten in den Kühlschrank: Oben ist es wärmer und kontaminierter Fleischsaft kann auf andere Lebensmittel runtertropfen.
  • Bei gekühlten Eiern finden sich Salmonellen wenn überhaupt nur noch auf der Schale – also mehr Vorsicht beim Hantieren als beim Essen.
  • Rohes Hühnchen vor dem Verzehr nicht waschen – so werden Keime durch Spritzwasser und Wischlappen in der Küche verteilt.
  • Schweinefleisch und Hähnchen unbedingt durcherhitzen.
  • Geöffnete Getränke innerhalb weniger Tage verbrauchen – hier bilden sich Keime besonders durch das Trinken aus der Flasche.
  • Vorsicht beim Umgang mit dem Spülbecken – es ist in der Regel verkeimter als die Kloschüssel!
  • Spülschwämme sind Keimfallen! So oft es geht austauschen oder besser Lappen nutzen und regelmäßig heiß in der Maschine waschen.
  • Maschinelles Spülen verbraucht weniger Energie und Wasser und ist hygienischer als das Spülen von Hand.
  • Um im Geschirrspüler möglichst wenig Keime zu halten, unbedingt das Sieb regelmäßig rausnehmen und gründlich reinigen
  • Bei der Zubereitung von Fleisch Plastikbrettchen wählen – Holzbrettchen gehen nicht in den Geschirrspüler und halten Mikroben.
  • Je heißer der Kaffee, desto weniger Keime (ab 65 Grad keimfrei).
  • Den Wassertank des Kaffeevollautomaten stets neu mit Wasser befüllen, sowie Kaffeesatz und Tropfschale regelmäßg leeren und säubern, sonst droht Schimmelbildung.

Tipps und Tricks fürs Bad

  • Gegen Schimmelpilze das Bad nach dem Duschen möglichst schnell von Nässe befreien: Dusche trockenwischen und gegebenenfalls Fenster öffnen.
  • Bei Zahnbürsten Plastik- statt Naturborsten wählen – hier hängen Bakterien weniger dran.
  • Gute Mund- und Zahnpflege ist zugleich Prophylaxe für Herz-Kreiskauferkrankungen (dieselben Bakterien sind hier verantwortlich).

Tipps und Tricks fürs Schlafzimmer

  • Gegen Hausstaubmilben und Keime Bettwäsche regelmäßig bei mindestens 60 Grad mit festem Vollwaschmittel (Pulver, Perlen, Tabs) waschen!
  • Allergiker sollten für Matratze, Kissen und Decke extra Milbenschutzbezüge verwenden, das hilft!

Tipps und Tricks für die Waschküche

  • Nach dem Waschen das Bullauge und die Waschmittelschublade offenlassen, damit Feuchtigkeit als Keimnährboden entweicht.
  • Bevorzuge Sportbekleidung aus Baumwolle – nur sie wird bei Temperaturen bis 60 Grad wirklich rein von Schweiß und Keimen.
  • Gegen Geruch und Bakterien Waschmaschine regelmäßig bei hohen Temperaturen von mindestens 60 Grad laufen lassen.

Sind wir zu hygienisch?

Eine schwierige Frage, findet auch Experte Dirk Bockmühl. Fest steht: Der junge Organismus muss sein Immunsystem trainieren. Bei der Begegnung mit Mikroorganismen werden auch Resistenzen gebildet. Das sollte auf keinen Fall komplett unterbunden werden. Kinder werden eher krank, wenn Mama hinter allem mit der Desinfektionsflasche herläuft. Auch mal im Dreck zu spielen, ist eher förderlich als schädlich. Mit Ausnahmen: der runtergefallene und von Mama abgelutschte Schnuller infiziert das Kleine im Zweifel mit Kariesbakterien!

Auch, dass zu viel Putzen gleich zu Allergien führt oder zu viel Hygiene wirklich schadet, trifft nicht zu. Wichtig ist, an der "richtigen Stelle das Richtige zu tun": Dazu gehört auch das Wissen, wann Mikroorganismen nützlich sind und wann Maßnahmen gegen schädliche Krankheitserreger zu ergreifen sind.

Keim-Knigge für Daheim: Sechs goldene Regeln im Umgang mit Mikroorganismen

  1. Keime entstehen nicht aus dem Nichts
    Keime sind überall. Dass wir nicht ständig krank sind, bedeutet also, dass unser Immunsystem sie soweit im Griff hat. Vorsicht ist in der Grippezeit geboten, im Umgang mit kranken Familienmitgliedern oder mit rohem Fleisch, Eiern oder Milchprodukten. Hier muss man sich schützen und/oder die Quellen der potenziellen Erreger meiden.
  2. Hände waschen!
    Die meisten Keime werden per Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Häufig reicht es aus, sich gründlich die Hände (mit Seife) zu waschen. Das ist vor allem in der Erkältungszeit wichtig. In problematischer Umgebung wie im Krankenhaus unbedingt Hände desinfizieren!
  3. Problematische Lebensmittel richtig zubereiten
    In vielen Lebensmitteln vor allem tierischer Herkunft schlummern Erreger wie Salmonellen. Nicht durchgegartes Fleisch von Schwein und Federvieh ist immer ein Risiko. Um "Keimverschleppung" über andere Lebensmittel zu vermeiden, bei rohem Hühnchen separates Brett und Messer verwenden.
  4. Wasser weg - Keime weg
    Wo es feucht ist, existieren Keime. Schimmelpilze breiten sich gerne dort aus, wo Wasser ist, also in Wasch- und Spülmaschine oder in den Fugen der Dusche. Also am besten im Bad sowie im Bereich der Spül- und Waschmaschine alles schön trocken halten, um die lästigen Mitbewohner zu beseitigen.
  5. Nicht alle Mittel sind wirklich sinnvoll
    Wichtig ist, Keimeinzugswege trocken zu halten. Da Wäsche und Geschirr heute nur noch bei niedrigen Temperaturen gespült wird, reicht gegen Schimmel- und Geruchsbildung gelegentliches Waschen bei mehr als 60 Grad. Keimfeindliche Tenside oder Bleiche auf Sauerstoffbasis sind in modernen Waschmitteln bereits enthalten. Normales Putzen reicht aus, eine regelmäßige Zusatzkur mit Bleiche oder Chlor macht allerdings Sinn.
  6. Keine Panik!
    Nicht verrückt machen lassen und akzeptieren, dass es Mikroorganismen um uns herum nun einmal gibt. Wichtig ist, zwischen schädlichen und nützlichen Keimen unterscheiden zu können. Vieles kann man selbst steuern: Durch den richtigen Umgang mit Mitmenschen und Lebensmitteln sowie durch "gezielte Hygiene" zur Vorbeugung von Infektionen.

"Keim Daheim" von Dirk Bockmühl ist bei Droemer Knaur erschienen und kostet rund 17 Euro.

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