Das hilft Magen-Darm-Infekte

Durchfall kommt gerne plötzlich und ohne Vorwarnung. Nicht immer sind Abwarten und Teetrinken geeignete Therapiemaßnahmen. Denn besonders Kleinkinder leiden unter dem Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen.

Nahezu kein Kind bleibt davon verschont: Brechdurchfall plagt mitunter ganze Kindergartengruppen oder das Gros einer Schulklasse. Die Symptome: dünner, wässriger Stuhl, meist mehrmals täglich. Häufig wird das lästige Übel auch noch von Erbrechen und Fieber begleitet.

Wer ist Schuld?

Verursacher von Magen-Darm-Infekten sind Bakterien oder Viren (70 bis 80 Prozent). Als eine der Hauptübeltäter gelten die Rotaviren. Sie sind die häufigste Ursache von Brechdurchfall bei Säuglingen und Kleinkindern. Besonders in der kalten Jahreszeit machen sie auf sich aufmerksam. Fast jedes Kind erkrankt bis zum fünften Lebensjahr einmal am Rotavirus-Brechdurchfall. Die Folgen: quälende Bauchschmerzen, wässrige Durchfälle, Erbrechen und Fieber. Und zwar über zwei bis sechs Tage. Mehr als 20 Brech- und Durchfallattacken pro Tag muss ein Kind mitunter ertragen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schluckimpfung gegen Rotaviren ab dem Alter von sechs Wochen, die abhängig vom Impfstoff aus zwei beziehungsweise drei Teilimpfungen besteht und bis zum Alter von 24 beziehungsweise 32 Wochen abgeschlossen sein muss. Da das Risiko für Darmeinstülpungen nach der Immunisierung mit dem Alter des Kindes möglicherweise zunimmt, sollte man diese Alterseinschränkung unbedingt einhalten. 

Durchfallviren werden durch direkten Kontakt von Patient zu Patient weitergegeben. Außerdem tummeln sie sich auf Türklinken im Kindergarten, auf Spielzeug oder in der Turnhalle der Schule. Bakterien hingegen – wie Salmonellen oder Campylobacter-Bazillen – finden sich vorwiegend in verdorbenen Lebensmitteln.

Was können Eltern tun?

Die meisten Brechdurchfälle heilen von selbst aus und sind nach einem Tag überstanden. Der durchfallgeplagte Körper verliert jedoch viel Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte), die es rasch zu ersetzen gilt. Laut der aktuellen „Leitlinien zur Therapie von Durchfallerkrankungen bei Kindern“, herausgegeben von der „Gesellschaft für Kindergastroenterologie und Ernährung (GPGE)“, sind Getränke wie Säfte oder Tee mit Zucker nicht geeignet. Kinder sollten stattdessen ausschließlich Trinklösungen (Elektrolyt-Glukose-Lösung) aus der Apotheke oder ab dem siebten Lebensmonat auch Elektrolyt-Reisschleim bekommen. Sie enthalten Salze und Traubenzucker in einem für den Aufbau der Darmschleimhaut günstigen Verhältnis.

Säuglinge und Kleinkinder bekommen die Flüssigkeit am besten löffelweise. Die Menge richtet sich nach dem Alter des Kindes, seinem Körpergewicht und der Menge der durch Erbrechen und Durchfall verloren gegangenen Flüssigkeit.
Viele Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Darmschleimhaut am besten erholt, wenn die kleinen Patienten möglichst rasch wieder mit der gewohnten Kost beginnen. Für Kleinkinder haben sich stärkehaltige Nahrungsmittel wie Nudel-, Kartoffel- und Reisgerichte bewährt. Ebenso wie Grieß- oder Haferbrei, Brot und Zwieback. Falls der Nachwuchs diese Speisen verträgt, darf er auch wieder das gewohnte Familienessen genießen. Mit Fruchtsäften, Softdrinks oder stark gezuckerten Speisen, sollte man Magen und Darm jedoch zunächst noch verschonen.

Ein Fall für den Kinderarzt?

Durchfall ist umso gefährlicher, je jünger ein Kind ist. Besonders, wenn der Nachwuchs zusätzlich unter Erbrechen leidet und nur sehr schlecht trinkt. Dann reichen die elterlich-häuslichen Therapien nicht mehr aus. Um einer lebensbedrohlichen Situation vorzubeugen, sollten Eltern in jedem Fall in folgenden Situationen einen Kinderarzt aufsuchen:
 

  •  Das Kind ist jünger als sieben Monate oder wiegt weniger als acht Kilogramm
  •  Es hat hohes Fieber (über 39,5 °C).
  •  Es verhält sich auffällig (Gereiztheit, schrilles Schreien,      Trinkschwäche).
  •  Große Mengen und häufiger, wässriger Stuhlgang (8 bis 10 mal    pro Tag).
  •  Es leidet unter unstillbarem Erbrechen
  •  Das Kind verweigert die Elektrolyt-Glukose-Mischung.
  •  Sein Zustand verschlechtert sich trotz Flüssigkeitsgabe
  •  Blutiger Stuhlgang
  • Andere Grunderkrankungen liegen vor (Darm-, Nieren-,     Stoffwechselkrankheit).


Immerhin: der Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen führt sehr schnell dazu, dass der kindliche Körper austrocknet. Indizien dafür sind:

  • Das Kind weint nahezu ohne Tränen, sein Mund ist trocken
  • Zieht man am Bauch mit zwei Fingern eine Hautfalte hoch, bleibt     diese  stehen, nachdem man loslässt
  • Bei Babys sinkt die Fontanelle ein
  • Das Kind wirkt schläfrig und reagiert nicht richtig auf Ansprache.
     
  • Es hat hohes Fieber und scheidet nur wenig Urin aus.


Auch wenn Eltern unsicher über die Schwere der Erkrankung sind, sollten sie sich lieber früher als spät medizinischen Rat holen. Im besten Fall erhalten Väter und Mütter durch den Kinderarzt die Gewissheit, dass die Beschwerden ihres Sprösslings ohne weitere Maßnahmen abklingen.

Unser Experte:

Dr. Stephan Buderus, Chefarzt Pädiatrie, St-Marien-Hospital-Bonn

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