Kinderkrankheiten Masern, Mumps & Co.

Kinderkrankheiten sind oft alles andere als Kinderkram. Ein Überblick.

Masern

Masern könnten in Deutschland längst ausgerottet sein, wären da nicht die Impflücken: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) waren die Meisten, die die Masernwelle im Sommer dieses Jahres erwischt hat, ungeimpft (85 Prozent) beziehungsweise unzureichend geimpft. Deutschland hat sich gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtet, bis 2015 masernfrei zu sein. Um das zu erreichen, müssen allerdings 95 Prozent der Bevölkerung immun sein.

Wie kann man sich anstecken?
Masernviren werden durch Speicheltröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen übertragen.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Masern hat?
Die Infektion verläuft in zwei Phasen: Sie beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Husten und Schnupfen. Auf der Wangenschleimhaut bilde sich kleine weiße Flecken. In der zweiten Phase folgt der typisch rote und fleckige Hautausschlag, der sich von Ohren und Hals auf den gesamten Körper ausbreitet.

Welche Komplikationen können auftreten?
Masern können zu Mittelohr-, und Lungen-, im schlimmsten Fall zu Gehirnentzündung führen, die mit bleibenden Behinderungen einhergeht und in zehn bis 20 Prozent der Fälle sogar tödlich endet. In ein bis zehn von 100.000 Masernfällen tritt Jahre nach der Infektion die subakute skleriosierende Panenzephalitis auf (SSPE) – eine entzündliche Erkrankung des Gehirns, die immer tödlich endet.

Kann man Masern behandeln?
Nur die Symptome (körperlich schonen, Bettruhe, abgedunkelter Raum,
auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, eventuell Fiebermittel).

Wie kann ich mein Kind schützen?
Durch eine zweimalige Kombinationsimpfung, der sogenannten MMR-Impfung (MMR steht für „Mumps, Masern, Röteln“) zwischen 11 und 14 und zwischen 15 und 23 Lebensmonaten. Es kann auch ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV) verabreicht werden. Abstand zwischen beiden Impfungen: vier bis sechs Wochen. Darüber hinaus empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2010 auch Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, die Immunisierung, wenn diese nicht oder nur einmal geimpft wurden.

 

Mumps

„Ziegenpeter“ tritt gehäuft im Frühjahr und Winter auf, häufiger bei Jungen als bei Mädchen. Genaue Zahlen liegen für Deutschland mangels Meldepflicht nicht vor. Grundsätzlich sind die Krankheitsfälle in Europa aber rückläufig.

Wie kann man sich anstecken?
Das Virus wird durch die Atemluft beim Sprechen, Husten und Niesen übertragen.
Woran erkenne ich, dass mein Kind Mumps hat?
An den „Hamsterbacken“: Die Ohrspeicheldrüsen entzünden sich und schwellen an.

Welche Komplikationen können auftreten?
In der Regel verläuft die Erkrankung im Kindesalter harmlos. Sie kann jedoch zu Hörschäden und Hirnentzündung führen. Infizieren sich männliche Jugendliche nach der Pubertät, kann sich das negativ auf die Zeugungsfähigkeit auswirken.

Kann man Mumps behandeln?
Nur die Symptome (zum Beispiel mit kühlenden Umschlägen, Schmerzmitteln).

Wie kann ich mein Kind schützen?
Durch eine zweimalige Kombinationsimpfung (MMR-Impfung) oder einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV), siehe auch unter „Masern“.

 

Röteln

Heißen auf Englisch auch „German Measles“ (= deutsche Masern), da das Krankheitsbild erstmals von deutschen Ärzten beschrieben wurde. Für Schwangere sind Röteln sehr gefährlich:  Das Ungeborene kann schwere Schäden davontragen

Wie kann man sich anstecken?

Über die Atemluft beim Sprechen, Husten und Niesen.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Röteln hat?

Typisch ist der Hautausschlag mit roten Flecken. Außerdem: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die Infektion verläuft normalerweise ohne Komplikationen. Infizieren sich jedoch werdende Mütter, können schwere Fehlbildungen des Ungeborenen die Folge sein.

Kann man Röteln behandeln?

Nur die Symptome (zum Beispiel mit fiebersenkenden Mitteln).

Wie kann ich mein Kind schützen?

Durch eine zweimalige Kombinationsimpfung (MMR-Impfung) oder einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV), siehe auch unter „Masern“. Zudem empfiehlt die STIKO die Immunisierung für Frauen im gebärfähigen Alter mit unklarem Impfstatus oder die nur einmal oder gar nicht gegen Röteln geimpft wurden.

 

Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten ist eine bakterielle, hochansteckende Infektion der oberen Atemwege. Rund 70 Prozent aller Keuchhustenfälle treten bei Erwachsenen auf. Die Erkrankung verläuft bei ihnen zwar milder als bei Kindern, sie dauert aber auch länger, sodass die Erkrankten in dieser Zeit Säuglinge anstecken können, die noch nicht geimpft werden können. Für sie ist eine Infektion jedoch sehr gefährlich.

Wie kann man sich anstecken?

Über die Atemluft beim Sprechen, Husten und Niesen.

Woran erkenne ich, dass sich mein Kind Keuchhusten hat?

Es leidet unter starken Hustenanfällen, Atemnot, Heiserkeit, Schnupfen, möglicherweise auch Fieber und Erbrechen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die starken Hustenanfälle können die Bronchien schädigen. Mögliche Folgen: Lungen- und Mittelohrentzündung. Bei Säuglingen sind schwere Komplikationen bis hin zum Atemstillstand möglich.

Kann man Keuchhusten behandeln?

Mit Antibiotika und Kortison.

Wie kann ich mein Kind schützen?

Durch eine viermalige Impfung – mit 2, 3 und 4 sowie zwischen 11 und 14 Lebensmonaten. Auffrischimpfung: zwischen 5 und 6 Jahren.

 

Windpocken (Varizellen)

Windpocken gehören zu den häufigsten Kinderkrankheiten: Über 90 Prozent der Erwachsenen haben die Infektion als Kind durchgemacht.

Wie kann man sich anstecken?

Windpocken-Viren verbreiten sich rasant beim Sprechen, Husten und Niesen sowie beim Kontakt mit den Bläschen.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Windpocken hat?

An dem stark juckenden Hautausschlag mit Bläschenbildung.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Neugeborenen: Lungen- oder Hirnhautentzündung.

Kann man Windpocken behandeln?

Mit Juckreiz stillenden Mitteln.

Wie kann ich mein Kind schützen?

Durch eine zweimalige Impfung zwischen 11 und 14 sowie zwischen 15 und 23 Lebensmonaten. Nachholimpfung zwischen 2 und 17 Jahren, wenn das Kind keine Erkrankung durchgemacht hat.

 

Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz: Polio)

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene können an Polio erkranken. Europa gilt seit 2002 als poliofrei; 2010 sind jedoch erneut Fälle aufgetreten. In Afrika, Asien und anderen Ländern mit niedrigem Hygienestandard ist die Erkrankung nach wie vor weit verbreitet. Bereisen Ungeimpfte diese Länder, besteht die Gefahr, dass sie sich anstecken und das Virus nach Deutschland einschleppen.

Wie kann man sich anstecken?

Eine Infektion mit Polio-Viren ist durch unzureichendes Händewaschen nach dem Toilettengang, verschmutztes Trinkwasser sowie kurzzeitig durch Husten und Niesen möglich.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Polio hat?

Es treten grippeähnliche Symptome wie Husten, Fieber, Kopfschmerzen auf. Außerdem: Erbrechen, Nackenstarre.

Welche Komplikationen können auftreten?
Es können dauerhafte Lähmungen zurückbleiben.

Kann man Polio behandeln?

Nur die Symptome (im Krankenhaus, Bettruhe).

Wie kann ich mein Kind schützen?
Durch eine viermalige Impfung – mit 2, 3 und 4 sowie zwischen 11 und 14 Lebensmonaten. Auffrischimpfung: zwischen 9 und 17 Jahren. Und: bei Reisen in Gebiete, in denen Polio auftritt.

 

Scharlach

Ist keine „echte“ Kinderkrankheit, da man nach einer Infektion  – im Gegensatz zu den typischen Kinderkrankheiten – mehrfach erkranken kann. Auslöser sind Bakterien (Streptokokken). Auch Erwachsene können sich infizieren.

Wie kann man sich anstecken?

Durch Niesen und Husten und über verunreinigte Gegenstände wie Spielzeug, Besteck oder Geschirr.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Scharlach hat?

Es bekommt plötzlich hohes Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Zudem färbt sich seine Zunge stark rot („Himbeerzunge“).

Welche Komplikationen können auftreten?

Zum Beispiel rheumatisches Fieber.

Kann man Scharlach behandeln?

Mit Antibiotika (Penicillin).

Wie kann ich mein Kind schützen?

Es gibt keine Impfung. Bei Verdacht auf eine Infektion, sollte das Kind dem
Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden.

 

Unser Experte

Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt, Kinder- und Jugendkardiologe, Sprecher des Ausschusses Prävention und Frühtherapie des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), www.kinderaerzte-im-netz.de

 

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