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Grüne Medizin
Phytotherapie für Kinder

Magen-Darm-Infekte, Erkältungen und andere Alltagswehwehchen sind ein Fall für Dr. Fliederbeere, Professor Kamille und ihre Heilpflanzenkollegen. Denn: Auf pflanzliche Arzneimittel sprechen kleine Patienten besonders gut an. Ein Ausflug zur Kräuterhexe.

Was kann Atréju und Fuchur jetzt noch retten? Die dunkle Verwandlungskünstlerin Ygramul hat den Jungen vom Stamm der Grünhäute und den Glücksdrachen gebissen und ihnen ihr tödliches Gift injiziert. Aber: Ein Glücksdrache bringt ja bekanntlich Glück. Und so finden Engywuck und seine Frau Urgl, ein verschrobenes Gnomen-Ehepaar, die armen Tröpfe gerade noch rechtzeitig. Urgl, eine clevere Kräuterhexe, weiß, was zu tun ist: Sie braut einen Trank aus Heilkräutern, um Ygramuls Gift zu neutralisieren – und rettet Atréju und Fuchur so das Leben. Auch wenn ein Heilkräuter-Trunk in Wirklichkeit nicht unbedingt Leben rettet wie in Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“: „Heilpflanzen werden seit tausenden von Jahren überall auf der Welt verwendet, um Krankheiten zu kurieren“, sagt Michaela Girsch, Heilpraktikerin aus der Nähe von Freiburg.

Phytotherapie: weder Hexenwerk noch Hokuspokus

Die Pflanzenheilkunde, Phytotherapie genannt, gehört zu den ältesten medizinischen Behandlungsmethoden der Welt. Dabei schöpft sie einerseits aus einem riesigen Erfahrungsschatz, andererseits aus wissenschaftlichen Untersuchungen, die die Wirksamkeit belegen. Die Phytotherapie ist also weder Hexenwerk noch Hokuspokus, sondern eine anerkannte Therapie mit erwiesener Wirksamkeit. Das unterscheidet sie von der Homöopathie. Entweder kann man die Heilpflanzen selbst als Medizin zu sich nehmen. Oft tun wir das sogar, ohne dass wir krank sind oder Beschwerden haben. Ein beliebter Snack mit heilender Wirkung sind beispielsweise Äpfel. Das darin enthaltene Pektin hilft gegen Durchfall. Die zweite Möglichkeit: Man greift auf ein Phytopharmakon zurück.

Phytopharmaka sind Arzneimittel aus der Natur

Das ist ein pflanzliches Arzneimittel in Form von Tabletten, Tropfen oder Tee, das Bestandteile der Heilpflanze oder Extrakte daraus enthält. Um an die Wirkstoffe in der Pflanze zu kommen und das Arzneimittel haltbar zu machen, benötigt man Alkohol. Sind die Präparate trotzdem für Kinder geeignet? „Unbedingt“, sagt Michaela Girsch. „Die Mengen sind sehr gering, oft sogar geringer als in alltäglichen Lebensmitteln. Ein Glas Apfelsaft enthält zum Beispiel mehr Alkohol als die Einzeldosis eines Phytopharmakons.“ 

Fencheltee ist auch für Babys geeignet

Laut Beipackzettel sind viele Naturarzneien allerdings erst für Kinder ab zwölf Jahre geeignet. Das bedeutet nicht, dass das Mittel für jüngere Patienten ungeeignet ist, sondern dass es keine ausreichenden Studien zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei jüngeren Kindern gibt. Die klinische Prüfung eines Medikaments für Kinder ist nämlich sehr teuer. Michaela Girsch: „Kinder unter einem Jahr sollten keine pflanzlichen Arzneimittel bekommen. In dem Alter sollten Heilpflanzen vor allem als Tees eingesetzt werden. Einige Heilpflanzen wie Fenchel sind auch für Säuglinge geeignet. Bei Patienten ab vier Jahre lassen sich die meisten Heilpflanzen jedoch bedenkenlos einsetzen.“ Insofern im Beipackzettel von Fertigarzneimitteln keine spezielle Kinderdosierung angegeben ist, empfiehlt die Phytotherapeutin folgende Dosierung:

  • Kinder von null bis sechs Jahre: 1/3 der Erwachsenendosi
  • Kinder von sechs bis 14 Jahre: 1/4 der Erwachsenendosis
  • Ab 14 Jahre: die volle Erwachsenendosis

 

Phytopharmaka unterliegen in Deutschland übrigens wie jedes andere Arzneimittel dem Arzneimittelgesetz und müssen vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen sein, bevor sie verkauft werden dürfen. Viele Phytopharmaka sind freiverkäuflich in Drogerien, Supermärkten, Reformhäusern und Apotheken erhältlich; einige sind apothekenpflichtig. Die Krankenkassen erstatten für gewöhnlich die Kosten für ärztlich verordnete Arzneimittel für Kinder bis zwölf Jahre. Man benötigt nur ein Rezept. Phytopharmaka erfreuen sich gerade bei Eltern großer Beliebtheit. Einer Studie zufolge greifen 86 Prozent aller Mütter und Väter zu Phytopharmaka, wenn ihr Nachwuchs krank ist – bevorzugt bei Erkältungs-, Magen-Darm-Erkrankungen und Hautausschlägen

Pflanzliche Arzneimittel sind für Kinder gut verträglich, aber nicht ohne Nebenwirkungen

„Mithilfe von Heilpflanzen, die oft  vor unserer Haustür oder im eigenen Garten wachsen, können Eltern die Alltagswehwehchen ihres Nachwuchses sanft lindern. Denn sie und die zugehörigen Arzneimittel sind gut verträglich und haben in der Regel weniger Nebenwirkungen als synthetisch hergestellte Medikamente“, erklärt Michaela Girsch. Voraussetzung ist allerdings, dass man das Produkt richtig anwendet und sich exakt an die Dosierung hält. Um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen, sollten Eltern vorab mit dem Kinderarzt sprechen. Tipp: Kinderärzte, die sich auf Naturheilverfahren und Phytotherapie spezialisiert haben und Heilpraktiker wie Michaela Girsch kennen sich mit der Pflanzenmedizin mindestens so gut aus wie die schrumpelige Kräuterhexe Urgl aus der „Unendlichen Geschichte“

Unsere Expertin:

Michaela Girsch, Heilpraktikerin mit eigener Praxis in Merdingen, Mitglied in der Gesellschaft für Phytotherapie, Autorin und Dozentin, www.michaela-girsch.de

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