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"Nur in bestimmten Fällen"

Präimplantationsdiagnostik im Fokus

Das Wort ist unaussprechlich – das Verfahren umstritten: Präimplantatationsdiagnostik, kurz: PID. Dabei werden Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, auf Erbkrankheiten und genetische Defekte untersucht. Dr. Christine Jung über eine Methode, die ethische Fragen aufwirft.

BABY & GESUNDHEIT: Frau Dr. Jung, was ist der Unterschied zwischen Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik?

Dr. Christine Jung: PID findet nach einer künstlichen Befruchtung statt, zu einem Zeitpunkt, wenn die Frau noch nicht schwanger ist. Pränataldiagnostik (PND) ist eine Untersuchung meist in der 13. oder 15. Schwangerschaftswoche. Es werden Zellen des Kindes untersucht, das bereits im Mutterleib heranwächst.

Verfolgen die beiden Methoden ein ähnliches Ziel?

Ziel von PND und PID ist, genetische Defekte frühzeitig festzustellen. Aber die Ausgangsbedingungen sind verschieden. PND wird häufig nach Zufallsbefunden durchgeführt, z. B. nach einem auffälligen Ultraschall. PID kommt dagegen nur für Paare nach einer künstlichen Befruchtung in Frage, deren Kinder ein erhöhtes Risiko für eine erblich bedingte Erkrankung haben, wie beispielsweise ein schwerwiegender Muskelschwund oder eine Stoffwechselerkrankung mit fortschreitender geistiger Behinderung.

Wie funktioniert PID?

Wenige Tage nach der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas – der Embryo besteht dann aus mehreren Zellen – werden ein bis zwei Zellen entnommen und auf krankheitsrelevante Mutationen oder eine spezielle, in der Familie bekannte Chromosomenanomalie untersucht. Der Frau überträgt man anschließend nur den Embryo in die Gebärmutter, der die Erkrankung nicht trägt.

Warum ist dieser „Gencheck“ so umstritten?

Grundsätzlich geht es um die Frage, ob es ethisch haltbar ist, Embryonen zu selektieren und darüber zu entscheiden, welcher Embryo im Mutterleib zu einem Kind heranwachsen darf und welcher „aussortiert“ wird. Allerdings macht man das ja nur in Fällen, in denen ein hohes Wiederholungsrisiko für eine genetisch bedingte Krankheit besteht. Die Alternative zur PID ist meistens PND, an einem Kind, das schon sehr viel größer ist – mit der hohen Wahrscheinlichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs, wenn eine Erkrankung festgestellt wird.

Sie sehen also das Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs, nach dem Embryonen, die aus einer künstlichen Befruchtung entstanden sind, auf Erbkrankheiten und genetische Defekte untersucht werden dürfen, positiv?

Ja. PID kann z. B. Familien mit Kinderwunsch helfen, die bereits ein behindertes Kind haben, und sich nicht in der Lage sehen, ein weiteres großzuziehen.
 
Ist nun der erste Schritt in Richtung „Designer Baby“ getan?

Hierzulande haben wir das Gendiagnostikgesetz. Es regelt, wann genetische Tests zum Einsatz kommen dürfen, und es verbietet z. B. die Selektion nach sogenannten „Normalmerkmalen“ wie Geschlecht und Augenfarbe. Zudem ist es für die Frau sehr belastend, auf diese Weise schwanger zu werden: Die Eingriffsrisiken, die Kosten, die geringen Erfolgsaussichten ...

In den USA hat man die Freiheit, nach diesen Merkmalen auszuwählen.

Ich bin der festen Überzeugung, Ärzte sollten keine Untersuchungen auf solche nicht-krankheitsrelevanten Merkmale durchführen.

Gehört PID irgendwann genauso selbstverständlich zur Schwangerschaftsvorsorge wie die Pränataldiagnostik?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie zu einer Routinemaßnahme wird. Auch in Zukunft werden nur wenige Menschen durch künstliche Befruchtung gezeugt werden und nur dann könnte die Methode zum Einsatz kommen.

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