Insektenschutz Tropische Mücken in Deutschland: So gefährlich sind sie wirklich

Exotische Stechmücken sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Und: Sie haben gefährliche Viren im Gepäck. Wie groß das Risiko wirklich ist, dass sie uns mit einer Tropenkrankheit infizieren. Und: Wie man sich schützt.

Viele Eltern sind sehr besorgt, weil sich in unseren Gefilden tropische Mücken wie die Asiatische Tigermücke ausbreiten, die gefährliche Krankheiten (Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber) übertragen können. Aber: Wie groß ist das Risiko tatsächlich? „Dass die hier lebenden tropischen Mücken diese gefährlichen Krankheiten übertragen, ist unwahrscheinlich“, sagt Dr. Helge Kampen, Laborleiter für Medizinische Entomologie am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. Da müssten schon einige verschiedene Ereignisse zusammentreffen:

  •  Es muss eine Infektionsquelle geben – Reisende, die unwissentlich infiziert sind. 
  • Die Mücke muss dem Erreger die erforderlichen Bedingungen bieten, damit er sich in ihrem Körper vermehren und ausbreiten kann. 
  • Der Erreger muss in die Speicheldrüse der Mücke gelangen, damit diese ihn beim nächsten Stich auf einen Menschen übertragen kann, der wiederum dafür empfänglich sein muss. 
  • Die Mücke muss lange genug leben und die Temperaturen müssen warm sein.

Dr. Kampen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass all diese Ereignisse zusammentreffen, steigt, je höher die Mückendichte ist. Im Falle der Asiatischen Tigermücke ist sie in Deutschland derzeit gering, da hier nur verhältnismäßig wenige Exemplare sehr lokal vorkommen. Es besteht also nicht die Notwendigkeit, sich über das normale Maß hinaus vor Mückenstichen zu schützen.“ 

Mücken lassen sich nicht gern auf heller Kleidung nieder

Fliegengitter vor den Fenstern und lange, helle Kleidung sind als Schutzmaßnahmen ausreichend. Wenn die Kleinen häufig gestochen werden, können Eltern auf kindgerechte Insektenschutzmittel zurückgreifen. Im Gegensatz zu Mücken, die unser Blut beziehungsweise das darin enthaltene Eiweiß für ihre Eier brauchen, interessieren sich Wespen und Bienen eigentlich nicht für Menschen. Sie fliegen vielmehr auf unsere Leckerbissen. Die sollte man bei einer Freiluft-Familienmahlzeit gut abdecken oder bestenfalls gleich drinnen speisen. Wichtig: Essensreste im Gesicht und auf der Kleidung von Kindern entfernen, denn auch die locken Insekten an. Trinken sollten die Kleinen nur mit Strohhalm oder aus Tassen mit Deckel, damit sie kein im Glas schwimmendes Insekt verschlucken. 

Bei einem Stich in Mund und Hals ist schnelles Handeln gefragt

Hat eine Biene doch mal zugestochen, den Stachel mit einer Pinzette entfernen und die Stelle mit kaltem Wasser, Eiswürfeln oder einer Gelkompresse kühlen, ebenso Wespenstiche. Kritisch wird es, wenn Kinder eine Wespe oder Biene verschluckt haben. Ein Stich in Mund oder Hals kann dazu führen, dass die Schleimhäute anschwellen, was mit akuter Atemnot einhergeht. In diesem Fall müssen Eltern sofort den Notarzt alarmieren. Bis der Arzt eintrifft, sollte das Kind aufrecht sitzen und möglichst einen Eiswürfel lutschen, um die Einstichstelle von innen zu kühlen. Kalte Umschläge kühlen von außen. Leidet das Kind unter Erbrechen, Fieber und Ausschlägen, deutet das häufig auf eine Allergie gegen Insektengift hin – auch dann muss man sofort den Arzt verständigen. 

Urlaub in den Tropen

Familien, die in die Tropen reisen, müssen in puncto Mückenschutz besondere Sorgfalt walten lassen. Neben einer medikamentösen Vorbeugung gegen Malaria und Moskitonetzen sind auch sogenannte Repellentien sinnvoll. Diese werden auf die Haut aufgetragen. Zu den am besten untersuchten gegen Mücken wirkenden Abwehrsubstanzen (meist mit Geruchsstoffen) gehören Substanzen wie DEET (N,N-Diethyl-m-toluamid oder N,N-Diethyl-3-methylbenzamid, z. B. „No Bite“).

Sie sind im Ausnahmefall zwar auch für Kleinkinder zugelassen, sollten jedoch bei Kindern nur angewendet werden, wenn es keine gleichwertigen Alternativen gibt. Vor einem Tropenaufenthalt mit Kindern sollte jeder für sich abwägen, ob es wirklich sinnvoll und verantwortbar ist, Säuglinge und Kleinkinder dem Krankheitsrisiko auszusetzen, das zwar durch die angesprochenen Maßnahmen reduziert, aber nie ganz verhindert werden kann. Um das Risiko zu minimieren, nicht während der Regenzeit reisen.

Unsere Experten

Dr. Helge Kampen

Laborleiter für Medizinische Entomologie am Friedrich-Loeffler-Institut auf der
Ostseeinsel Riems, www.fli.de

Dr. Klaus Rodens, Kinder- und Jugendarzt, Langenau

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