Heuschnupfen & Co. Schnelle Hilfe bei Allergien

Endlich Frühling! Es könnte alles so schön sein, wären da nicht Heuschnupfen & Co., die Kindern das Leben schwer machen. Warum immer mehr Mädchen und Jungen unter Allergien leiden, was genau bei einer allergischen Reaktion passiert, und: was den kleinen Patienten hilft.

 

Ärzte sprechen von einer dramatischen Entwicklung: Fünf bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen haben allergisches Asthma, 15 Prozent der 14- bis 17-Jährigen Heuschnupfen. Der Anstieg sei immer noch nicht gebremst, so die Wissenschaftler.

 

Die Abwehr tobt

Allergien sind eine Erscheinung der neueren Zeit. Doch was genau ist eine Allergie eigentlich? Kurz gesagt: Eine Fehlfunktion des Immunsystems lässt harmlose Stoffe gefährlich werden. Das heißt: Unser Immunsystem hat die Aufgabe, uns vor Krankheitserregern und Schadstoffen zu schützen. Sobald Viren oder Bakterien in unseren Körper gelangen, schlägt es Alarm und bekämpft die Eindringlinge mithilfe von Antikörpern. Bei einer Allergie reagiert unser körpereigenes Abwehrsystem jedoch überzogen auf bestimmte natürliche oder künstliche Stoffe, die von unserem Körper normalerweise ohne Schwierigkeiten toleriert werden. Die Folge: Der Körper produziert eine Vielzahl von Antikörpern, die die allergische Reaktion auslösen.

 

Zu viel Hygiene

Allergieauslösende Stoffe sind zum Beispiel Schadstoffe wie Autoabgase, Chemikalien aus Pflanzenschutzmitteln oder Kosmetikprodukten sowie Inhaltsstoffe von Medikamenten. Ebenso Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, Blütenpollen, Insektengifte, Tierhaut und -haar oder Sporen von Schimmelpilzen.

Experten sehen die Ursache des Anstiegs der überzogenen Körperreaktion unter anderem in der sogenannten „Hygiene-Hypothese“. Sie gilt als eine mögliche Erklärung für die wachsende Zahl der Allergiker in der westlichen Welt: Da wir großen Wert auf Sauberkeit legen, schließt unser Immunsystem mit immer weniger Bakterien Bekanntschaft und wird immer seltener auf die Probe gestellt.

 

Stillen beugt vor

Foto: Thinkstock

In einer Sache sind sich die Experten einig: Stillen beugt Allergien vor. Die Muttermilch ist in ihrer Zusammensetzung ideal auf die Bedürfnisse eines Babys abgestimmt und liefert dem Kind zudem wichtige Antikörper, die es für die Abwehr von Infektionen braucht.

Früher wurde Müttern geraten, ihr Baby zur Allergieprävention sechs Monate ausschließlich zu stillen. Gemäß der aktuellen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) reiche es jedoch aus, das Kleine vier volle Monate ausschließlich zu stillen. Danach könne bereits mit der Einführung von Beikost begonnen werden.

 

Immunsystem trainieren

Es gebe neuere Erkenntnise, so Dr. Peter Fischer, Kinder- und Jugendarzt und Allergologe aus Schwäbisch Gmünd. Die bisherige Vorbeuge-Strategie – nämlich alle möglichen Allergieauslöser zu meiden – ist ins Gegenteil verkehrt. Besser ist es, den Körper kontrolliert an diese Stoffe zu gewöhnen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Imke Reese hat gemeinsam mit namhaften Experten 217 Studien zum kindlichen Allergierisiko ausgewertet. Das Ergebnis: Auch wer eine Veranlagung zu einer Allergie hat, muss potenzielle Auslöser in der Nahrung nicht komplett meiden. Denn das würde dem Körper die Chance nehmen, sie als harmlos zu erkennen. Schließlich kann er nur auf das tolerant reagieren, was er kennt. „Eine normale Immunantwort funktioniert nur, wenn der Körper einem angemessenen Belastungsreiz ausgesetzt ist“, sagt Reese.

 

Antihistaminika und Hyposensibilisierung

Mit antiallergischen Medikamenten lassen sich Triefnase und Augenjucken in den Griff bekommen: Antihistaminika – als Nasensprays, Augentropfen oder Säfte erhältlich – verschaffen sofortige Linderung. Heilen können sie allerdings nicht. Da hilft nur die Hyposensibilisierung. Dabei spitzt der Arzt über einen Zeitraum von drei Jahren die Pollenallergene – zuerst in stark verdünnten, später in langsam steigenden Dosen – unter die Haut. Das Ziel: Das Immunsystem soll lernen, das Allergen ohne Panikreaktion zu tolerieren. Die Erfolgsrate liegt bei über 50 Prozent und die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Der Nachteil: Es braucht einen langen Atem und die Kinder müssen immer wieder Pikse ertragen. Für Kinder, die gegen Gräserpollen allergisch sind, gibt es seit einiger Zeit eine piksfreie Alternative, nämlich die Immunisierung per Tablette.

 

Essen was schmeckt

In Sachen Ernährung bedeuten die neuen Empfehlungen auch für Schwangere eine kleine Revolution. Hieß es bisher: Schwangere und Stillende mit Risikokindern sollten ihrem Nachwuchs zuliebe auf allergenreiche Lebensmittel wie Nüsse, Eier, Milch verzichten, sieht man dies nun anders.

Studien beweisen: Der Verzicht bringt nicht den erhofften Erfolg. Im Gegenteil. „Es gibt eine Studie aus den 90er-Jahren. Sie zeigte: Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Eier und Eiweiß aßen, entwickelten weniger Allergien als Kinder, deren Mütter darauf verzichteten“, erklärt Reese.

Für Kinder gilt: Statt verboten ist daher nun fast alles erlaubt. Denn die Zahlen belegen den aktuellen Trend und zeigen, dass es falsch ist, Allergieauslöser völlig zu meiden. Frauen, die nicht stillen wollen oder können und ein Risikokind haben, sollten diesem vier Monate lang hypoallergene Säuglingsnahrung (HA Milch) füttern.

 

Zum Weiterlesen

„Allergien vorbeugen“, Dr. Imke Reese und Christiane Schäfer, Systemed Verlag 2009, 14,95 Euro.

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