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Wissenswertes zum Rotavirus
„In der Regel harmlos“

Rotaviren sind die häufigsten Erreger von Brechdurchfällen bei Kindern. Normalerweise verläuft die Infektion ohne Komplikationen. Säuglingen kann sie jedoch gefährlich werden. Kinderarzt Dr. Jan-Claudius Becker erklärt, warum.

Junge Familie: Wie macht sich eine Rotavirus-Infektion bemerkbar?                                 

Dr. Jan-Claudius Becker: Die Kinder werden trinkfaul und wollen nicht mehr richtig essen. Hinzu kommen sehr plötzlich einsetzendes Erbrechen und wässriger Durchfall. Säuglinge unter zwölf Monaten reagieren zudem oft mit Fieber.

Warum ist die Erkrankung für Säuglinge so gefährlich? Weil sie über den Darm sehr viel Flüssigkeit verlieren. Das Rotavirus greift die Darmschleimhaut an und bewirkt, dass sie bestimmte Nährstoffe nicht mehr aufnehmen kann. Zucker, Eiweiß- und Fettmoleküle binden das Wasser an sich und werden ausgeschieden; es kommt oft zu sehr flüssigen Durchfällen. Dem Körper geht also sehr viel Wasser verloren und das Kind kann im schlimmsten Fall austrocknen.

Was können Mütter und Väter tun, damit es nicht soweit kommt? Wichtig ist, dass Eltern ihrem Nachwuchs immer wieder esslöffelweise Flüssigkeit zuführen – am besten Tee. Eine medikamentöse Therapie wie bei Erwachsenen, zum Beispiel in Form Kohletabletten, ist bei Säuglingen und Kleinkindern übrigens nicht erlaubt.

Wann müssen kleine Patienten ins Krankenhaus? Spätestens, wenn sie zehn Prozent ihres Körpergewichts verloren haben. Weil Eltern das oft nur schwer feststellen können, sollten sie sich die Haut ihres Babys genau ansehen. Wenn sie nicht mehr so elastisch ist und zum Beispiel im Bereich der Fontanelle einsinkt, ist es höchste Zeit, die Klinik aufzusuchen. Das gilt auch, falls das Kind gar nichts mehr trinken mag, apathisch ist, eine trockene Zunge, auffällige Atmung, blasse Hautfarbe oder einen seltenen Lidschlag hat. Im Zweifelsfall lieber den Kinderarzt aufsuchen, vor allem bei jungen Säuglingen.

Wie kann man sich anstecken?
Von der Hand in den Mund sozusagen. Die Keime sind sehr umweltresistent und überleben zum Beispiel auf Türklinken und Spielzeug. Hat der Nachwuchs das Spielzeug angefasst und steckt anschließend seine Hand in den Mund, werden die Viren übertragen. Wenn man nun bedenkt, dass bereits zehn Keime ausreichen, um sich zu infizieren und die kleinen Patienten etwa zehn Milliarden Rotaviren pro Gramm ihres Stuhls ausscheiden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich weitere Kinder anstecken.

Können Eltern ihr Baby vor einer Ansteckung schützen?
Das kann schwierig werden. Vor allem, wenn das Kind in der Krippe ist und dort mit anderen Kindern in Kontakt kommt. Wichtig ist grundsätzlich, dass Mütter und Väter auf eine gute Hygiene achten. Dazu gehört unter anderem, sich nach dem Wickeln und nach dem Toilettengang gründlich die Hände zu waschen. Zu Hause ist eine Desinfektion nicht notwendig. Wenn die Eltern mehrere größere Kinder haben, sollte man sie verschiedene Toiletten benutzen lassen, falls möglich. Und dann gibt es noch die Schutzimpfung.

Die wird ja bisher von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nicht empfohlen.
Das stimmt. Es gibt nur ein paar Bundesländer, die die Impfung empfehlen.

Sollte sie Ihrer Meinung nach empfohlen werden?
Nein. Der Kinderarzt muss immer eine individuelle Nutzen-/Risikoabwägung durchführen. Problematisch ist auch die Impfung von Kindern mit schwerem angeborenem Immundefekt. Ihr Immunsystem kann sich gegen die lebenden Viren – es handelt sich um einen Lebendimpfstoff – nicht zur Wehr setzen, sodass sich die Erreger im Körper ungehindert ausbreiten können – das Kind kann schwer krank werden. Weil die Impfung sehr früh erfolgen soll, ist dieser Immundefekt aber meist noch nicht bekannt. Zudem haben Studien gezeigt, dass es selten infolge der Rotavirusimpfung zu Einstülpungen des Darms kommen kann, was manchmal nur durch eine Operation behandelt werden kann. Es wird hierzu in den nächsten Jahren weitere Studien geben. Eltern sollten den Empfehlungen ihres Kinderarztes vertrauen.

Wie funktioniert die Impfung?
Die Rotavirusimpfung ist eine Schluckimpfung. Sie wird im Alter von sechs Wochen gegeben und muss im Abstand von vier Wochen noch einmal und je nach Impfstoff ein drittes Mal wiederholt werden.

Eine Rotavirusinfektion ist für Eltern und Kind oft eine Belastungsprobe. Ihr Tipp?
Wichtig ist, dass die kleinen Patienten Zuwendung und körperliche Nähe erfahren. Und allen Eltern sei gesagt: In der Regel verläuft eine Infektion mit Rotaviren harmlos. Und: heilt folgenlos aus.

Fakten zum Rotavirus

90 % der Kinder in Mitteleuropa infizieren sich bis zum dritten Geburtstag einmal mit Rotaviren.

230 Menschen sterben in Europa jährlich an einer Rotavirus-Infektion.

18.000 Kinder werden deutschlandweit wegen einer Rotavirus-Infektion  im Krankenhaus behandelt.

Zwei Tage nachdem der Durchfall vorbei ist, sind die kleinen Patienten noch infektiös. Danach können sie wieder Krippe oder Kita besuchen.

Etwa zehn Milliarden Rotaviren scheiden Kinder pro Gramm ihres Stuhls aus. Schon zehn Keime genügen, um sich anzustecken.

Acht Wochen dauert es etwa, bis die Erkrankung vollständig ausgeheilt ist.

Unser Experte

Dr. Jan-Claudius Becker, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Marien-Hospitals Witten

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