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Wenn Getreide krank macht
Zöliakie

Zöliakie ist eine Darmerkrankung, die für betroffene Kinder und ihre Eltern zu einer lebenslangen Herausforderung werden kann.

 

Paulinas Mutter macht sich Sorgen. Ihre eigentlich fröhliche Tochter zeigt sich seit einiger Zeit ziemlich übellaunig und schwankt zwischen Antriebslosigkeit und Gereiztheit. Außerdem hat die Zweijährige offensichtlich an Gewicht verloren und ihre Stühle riechen übel.

Die Glutenunverträglichkeit ist keine Seltenheit
Nach eingehenden Untersuchen diagnostiziert der Kinderarzt bei Paulina eine Zöliakie, also eine Glutenunverträglichkeit, die zu den häufigsten Darmerkrankungen zählt. Sie betrifft besonders Kinder, kann aber durchaus auch bei Erwachsenen vorkommen und ist in der Bevölkerung stärker verbreitet, als man denkt. Immerhin: 1 von 200 Deutschen leidet – nach neuesten Erkenntnissen – unter einer Glutenunverträglichkeit unterschiedlichen Ausmaßes.

 

Gluten: Reizstoff für den Darm

Gluten ist ein Sammelbegriff für die Klebereiweiße, die in Getreiden wie Weizen, Roggen und Gerste vorkommen. Gluten ist aber auch Bestandteil zahlreicher Lebensmittel, da die Klebeeigenschaften des Proteins recht beliebt sind. Daher kommt es häufig zum Einsatz, um eine bestimmte Konsistenz bei zahlreichen Produkten zu erreichen. Auch wegen der versteckten Gluteninhalte ist seit 2005 gesetzlich vorgeschrieben, dass deren Einsatz bei Lebensmitteln auf der Zutatenliste vermerkt wird. Bei manchen Menschen bewirkt Gluten eine Art allergische Reaktion des Darmes. Das heißt: Das eigene Immunsystem greift den Darm an und führt so zu einer Entzündung. Dadurch wird das Verdauungsorgan auf lange Sicht geschädigt und kann nicht mehr seiner eigentlichen Aufgabe, der Nahrungsaufnahme, nachgehen. Dies liegt daran, dass durch die ständige Entzündung auch die natürliche Bauweise des Darms zerstört wird. Wenn ursprünglich noch viele Schleimhautfalten vorhanden waren, die für eine bestmögliche Aufnahme der Nährstoffe sorgten, sind diese im Rahmen der Erkrankung fast nicht mehr vorhanden. Besonders bei Kindern macht sich eine zu geringe Aufnahme von Nährstoffen während der Wachstumsphase erheblich bemerkbar. Dies kann – wie bei der kleinen Paulina – manchmal sehr schnell zu einem Wachstumsknick und den so genannten übelriechenden Fettstühlen führen, die immer ein Zeichen für ein schwerwiegendes Verdauungsproblem sind.

 

Körperliche und seelische Folgen der Zöliakie

Unbehandelt führt die Zöliakie und die mit ihr einhergehende Mangelversorgung zu schweren Gedeihstörungen mit brüchigen Knochen, lockeren Zähnen, Blutarmut und Infektanfälligkeit. Typisch sind auch seelische Symptome, die sich in Misslaunigkeit und Wesensveränderungen offenbaren. 35 Prozent der Kinder mit Zöliakie zeigen diese neurologisch-psychiatrischen Beeinträchtigungen.

 

Konsequente Diät ohne Gluten

Mithilfe eines Bluttests stellen Mediziner fest, ob ihre kleinen Patienten tatsächlich an Zöliakie leiden. Bestätigt sich der Verdacht, entnimmt der Arzt eine Probe aus dem Darm, um den Schaden, den die Entzündung dem Organ zugefügt hat, einschätzen zu können und die Diagnose zu sichern. Bislang gibt es keine Medikamente, die eine Zöliakie komplett heilen können. Für Kinder heißt das, sie müssen ihr Leben lang auf Lebensmittel verzichten, die Gluten enthalten, wie Brot, Pizza, Brei und die meisten Frühstücksflocken. Kinder, die diese Diät konsequent einhalten, sorgen jedoch dafür, dass sich ihre  Darmschleimhaut wieder erholt und ihr gesamter Körper sich normal entwickelt. Allerdings: Es ist gar nicht so einfach, glutenfreie Mahlzeiten zuzubereiten, denn in vielen Lebensmitteln verbergen sich glutenhaltige Stoffe, auch dort, wo man sie gar nicht vermutet – zum Beispiel in Gemüsebrühe. Viele Eltern betroffener Kinder entscheiden sich für speziell hergestellte glutenfreie Lebensmittel oder greifen bei der Herstellung von Lebensmitteln auf Alternativen wie Mais, Reis und Buchweizen zurück. Denn bereits kleine Mengen des tückischen Klebeeiweißes lösen mitunter Symptomen aus, die langfristig mit schweren Folgen, z. B. schwache Knochen, geringeres Wachstum und Unfruchtbarkeit einhergehen.

Paulina hat sich inzwischen an die glutenfreie Ernährung gewöhnt und der Kinderarzt konnte den Eltern versichern, dass sich die Kleine unter diesen Voraussetzungen gesund entwickeln wird. Immerhin: Bei ihren regelmäßigen Kinderarztbesuchen präsentiert sie sich ziemlich aufgeweckt und bringt die gesamte Praxis beständig zum Lachen.

Ausführliche Informationen bietet die Deutsche Zöliakiegesellschaft

www.dzg-online.de

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