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"Bewusst genießen"
Vegane Ernährung für Kinder?

TV-Moderatorin Jasmin Hekmati hat den Familienspeiseplan von heute auf morgen auf vegan umgestellt – und präsentiert nun ihre besten Rezepte in einem Buch. Ein Gespräch.

 

Kinder: Wenn man Ihr Buch aufschlägt, sieht man süße Lämmchen, Schweinchen etc. Ich besitze ein Buch über Fleisch, das genauso aussieht. Bei einem veganen Familienkochbuch habe ich das nicht erwartet.  

Jasmin Hekmati: Warum? Die meisten Leute, die sich vegan ernähren, lieben doch Tiere! Es ist ja ein Buch, das die ganze Familie ansprechen soll. Meine Kinder gucken sich die Lämmer und Schweinchen sehr gern an und erfreuen sich daran.

 

Haben Sie von jetzt auf gleich in den „Vegan-Modus“ geschaltet?  

Ja, tatsächlich. Ich hatte vorher zwar schon häufiger über unser fragwürdiges Konsumverhalten nachgedacht. Aber erst als Mutter wurde mir klar, dass ich konsequent sein möchte, dass ich meinen Kindern etwas vorleben und mitgeben möchte, hinter dem ich auch stehe. Mein Mann und ich haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und als wir die Argumente ausgetauscht hatten, kamen wir beide zu dem Schluss, dass wir unsere Ernährung mit einem Schlag komplett umstellen wollen. Wir wollten mal sehen, ob das funktioniert. Und siehe da: Es hat wunderbar geklappt! Es war eine tolle Erfahrung, neue Gerichte auszuprobieren und mit Lebensmitteln zu experimentieren.  

 

Fiel die Umstellung schwer?

Auf Fleisch zu verzichten, war für uns kein Problem, da wir das schon vorher nur selten gegessen haben. Allerdings muss ich zugeben, dass ich meinen geliebten Käse manchmal noch vermisse. Aber inzwischen habe ich herrlichen Käse aus Cashews, Macadamia und anderen Nüssen entdeckt, den eine kleine Käserei in Norddeutschland macht.  

 

Und dieser Nusskäse schmeckt wie „echter“ Käse?  

Er schmeckt wie echter Käse, aber eben nicht wie Käse aus tierischer Milch. Nüsse an sich schmecken ja schon gut, und noch besser, wenn man sie fermentiert und ihnen eine käsige Note verleiht.  

 

Nusskäse kostet aber sicher mehr als herkömmlicher Käse?

Auf jeden Fall ist er teurer als der Käse, den man abgepackt im Supermarkt kaufen kann. Aber viel teurer als ein hochwertiger Käse von der Käsetheke ist er auch nicht. Den leistet man sich ja auch nur hin und wieder. Ich persönlich halte nichts davon, Lebensmittel nach dem Motto zu essen: Hauptsache es ist billig, ich werde satt und irgendwie schmeckt’s auch noch. Mir ist wichtig, dass wir wieder Respekt vor Lebensmitteln bekommen. Lieber gönne ich mir gelegentlich ein feines Stück Nusskäse, das ich ganz bewusst genieße, als mir jeden Tag mit Billigkäse den Bauch vollzuschlagen.  

 

Die Leute stopfen sich im Gehen irgendwas in den Mund, Familien setzen sich nur noch selten hin, um gemeinsam eine Mahlzeit einzunehmen: Genuss scheint heutzutage keine große Rolle mehr zu spielen.  

Da sprechen Sie mir aus der Seele! Ich finde das sehr beklagenswert. Vor allem, weil Essen etwas ist, das wir mit allen Sinnen genießen könnten, aber im Vorbeigehen geht das nicht. Und nicht zuletzt hat es auch eine soziale Dimension, die gerade für Familien enorm wichtig ist. Mein Mann und ich legen großen Wert darauf, abends zusammen mit unseren Kindern Caspar und Clara zu kochen und die Familienmahlzeit zu zelebrieren. Das bringt die Wertschätzung füreinander zum Ausdruck. 

 

Ihre Kinder helfen demnach in der Küche tatkräftig mit?

Ja, und zwar sehr gerne. Wir gehen oft zusammen einkaufen und die Kinder dürfen mitentscheiden, welches Gemüse auf den Tisch kommt und welches Obst es zum Nachtisch gibt.  

 

Wie haben Sie Caspar und Clara erklärt, dass Milch, Eier, Käse & Co. ab sofort tabu sind?  

Für Clara war das noch kein Thema, weil sie damals erst drei Monate alt war und noch gestillt wurde. Sie war sozusagen die einzige aus unserer Familie, die sich nicht sofort vegan ernährt hat. Caspar war zwei und hat das nicht bewusst wahrgenommen. Wenn er mitbekommen hat, dass andere Kinder Fleisch essen, haben wir ihm erklärt, dass wir das nicht tun, weil wir den Tieren nicht wehtun wollen. Inzwischen ist Caspar ein stolzer Veggie und findet auch, dass Tiere nicht für unser Essen leiden sollten. 

 

Was, wenn Ihre Kids doch mal ein Schokoladeneis wollen?

Dann versuche ich zwar, ihnen das Zitroneneis ans Herz zu legen. Wenn’s aber unbedingt das Schokoladeneis sein muss, dürfen sie das auch mal essen. Und wenn sie abgesehen davon unbedingt etwas Tierisches probieren wollen, dann sollen sie das auch. Wir sind da nicht dogmatisch. Wir wollen, dass unsere Kinder sich nicht eingeschränkt fühlen, sondern aus Freude und Überzeugung mitmachen.

 

Essen Ihre Kinder im Kindergarten auch vegan?  

Wir geben den beiden ihr Frühstück mit. Beim Mittagessen sind sie in der Veggie-Gruppe. Veganes Essen gibt es in unserem Kindergarten bisher leider nicht.

 

Lässt sich vegane Ernährung im Alltag einfach umsetzen?

Ich finde schon. Wer daran gewöhnt ist, Mahlzeiten frisch zuzubereiten und Gemüse zu schnippeln, für den bedeutet vegane Ernährung eigentlich keinen Mehraufwand. Unterwegs kommen wir 

manchmal noch in die Bredouille. Aber inzwischen hat sich so viel getan, dass es zumindest in den größeren Städten am Kiosk, in der Bäckerei oder im Restaurant immer eine vegane Alternative gibt. Und die Palette an veganen Lebensmitteln wird ja auch zunehmend größer. 

Ist es gesund, sich vegan zu ernähren?  

Es gibt diesbezüglich viele Vorurteile und große Skepsis. Fakt ist: Wenn man’s nicht richtig macht, kann man auch viel falsch machen. Deshalb habe ich erst mal eine intensive Recherche gestartet, bevor wir unsere Ernährung umgestellt haben. Ich habe mit Ernährungswissenschaftlern und Kinderärzten gesprochen, die mir zugesichert haben, dass es nicht nur gesund ist, sondern dass es auch Vorteile gegenüber der weit verbreiteten Mischkost hat, was die Vorbeugung von Krankheiten angeht. 

Vorausgesetzt natürlich, man macht es richtig. Nachdem ich so viel Arbeit in dieses Thema investiert und so viel Wissen angesammelt hatte, musste ich quasi ein Buch dazu schreiben – ich wollte anderen Eltern helfen, die so wie wir mit ihrer ganzen Familie Veganer werden wollen. 

 

Woher haben Sie die Inspiration für Ihre Rezepte?

Mein Vater ist Iraner, ich bin in Teheran geboren, und dann bin ich als Studentin und Reporterin viel in der Welt herumgekommen. Wenn ich unterwegs etwas Neues esse, inspiriert mich das oft zum Nachkochen. Daher finden sich in meinem Buch auch viele exotische Speisen, die ich aus der Welt mitgebracht habe. 

 

Es müssen jetzt aber nicht alle Menschen Veganer werden, oder?  

Es ist nicht mein Anspruch, die ganze Welt zu bekehren. Aber abgesehen vom Tierleid funktioniert es auch einfach nicht, dass jeder Mensch auf der Erde Fleisch und Milchprodukte in dem Maße konsumiert, wie die meisten Deutschen das tun. Deswegen können sich diejenigen, die gerne Fleisch essen, über Menschen wie mich freuen, die darauf verzichten. So bleibt quasi mehr für sie übrig. 

 

Haben Sie noch einen Tipp für Eltern?  

Das Ganze nicht als Verzicht zu sehen, sondern sich darauf zu freuen, was man alles entdecken kann. Und sich gleichzeitig auch intensiv damit zu beschäftigen, auf was man achten muss.    

Interview: Janine Overmann

 

Buchtipp

In ihrem Kochbuch zeigt Jasmin Hekmati, wie raffiniert man auch ohne tierische Lebensmittel kochen kann. Ein Auswahl ihrer leckeren Rezepte finden Sie auf den nächsten Seiten. Guten Appetit!

„Das vegane Familien-Kochbuch. Gesunde Lieblingsgerichte für Groß und Klein“, Ars vivendi 2015, 24,90 Euro.

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