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Breizeit

Abstillen ohne Stress

Das Kind verfolgt mit großen Augen jeden Löffel, der in seinem Mund verschwindet? Und hat offenkundig Lust auf „feste“ Nahrung? Dann ist es vielleicht Zeit, den Nachwuchs allmählich abzustillen und den ersten Brei zu „servieren“.

Um es gleich vorwegzunehmen: Den richtigen Zeitpunkt für das Abstillen gibt es nicht. Dafür aber zahlreiche Empfehlungen: Die Weltgesundheitsorganisation und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung raten dazu, Kinder mindestens ein halbes Jahr ausschließlich zu stillen. Die Vorteile sind unbestritten: Muttermilch versorgt das Baby mit wichtigen Abwehrstoffen, verringert das Allergierisiko, ist gut verträglich, preiswert und immer vorrätig. Zudem wird durch das Stillen die emotionale Beziehung von Mutter und Kind gefördert.

 

Und trotzdem – irgendwann reicht es. Und zwar nicht nur den Müttern, sondern auch den Kindern. „Wann, bestimmen beide selbst. Und niemand sonst“, sagt Cordelia Koppitz, langjährige Stillberaterin der „La Leche Liga“ aus Freiburg. Solange Mutter und Kind zufrieden sind, spricht nichts dagegen, etwas länger zu stillen. Doch sollte auch niemand eine Mutter dafür verurteilen, dass sie ihr Kind früh abstillen möchte.

Geduldsprobe

In der Regel signalisieren Kinder deutlich, ab wann sie für Beikost bereit sind: Sie schauen den Erwachsenen aufmerksam auf den Löffel, greifen nach Lebensmitteln, können diese auch zum Mund führen und machen Kaubewegungen. Zudem scheinen sie an der Brust nicht mehr richtig satt zu werden. „Wenn das Baby zudem sitzen kann und den Zungenstoßreflex abgelegt hat, kann man es langsam entwöhnen“, erklärt Cordelia Koppitz.

Regel Nummer eins: Ruhig bleiben, wenn es nicht gleich klappt! Oft spucken Babys die ersten Löffel angeekelt wieder aus – allzu befremdlich finden sie Konsistenz und Geschmack des Breis. Eltern sollten es einfach am nächsten Tag erneut versuchen. „Geduldig abwarten“, meint auch Cordelia Koppitz. „Was jetzt nicht klappt, kann in drei bis vier Wochen wunderbar funktionieren“, sagt die Stillberaterin.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, dem Baby die neue Kost anzubieten, wenn es ausgeruht und aufnahmefähig ist, also etwa nach dem Vormittagsschläfchen. Deshalb starten viele Eltern mit dem Mittagsbrei. Es hat sich bewährt, mit wenigen Löffeln zu beginnen und die Menge kontinuierlich zu steigern. Am Anfang können Mütter vor oder nach dem Füttern noch etwas stillen, damit das Baby auch tatsächlich satt wird – und die Brust nicht zu schmerzen beginnt. Neben Karotten- und Kartoffelpüree eignen sich zerdrückte Banane oder geriebener Apfel für Babys erste feste Kost. „Führen Sie pro Woche zunächst nur ein neues Nahrungsmittel ein“, rät Cordelia Koppitz – denn nur so lässt sich feststellen, was das Kind am liebsten isst und worauf es eventuell allergisch reagiert.

Nach und nach kann man dann auch Nahrungsmittel mischen, neue Gemüse- und Obstsorten sowie Reis, Nudeln, Fleisch und Fisch einführen. Idealerweise besteht der Mittagsbrei aus Gemüse, Reis, Nudeln oder Kartoffeln und Fleisch oder Fisch. Stillen Mütter danach nicht mehr, sollten sie einen halben Teelöffel Keimöl oder Butter unter den Brei mischen – so erhält das Baby genügend essentielle Fettsäuren und kann die fettlöslichen Vitamine besser aufnehmen.

Vom Lunch zum Dinner

Nach dem Mittagsbrei beginnen viele mit dem Abendbrei (meist ein Milch-Getreidebrei). Als letztes folgt dann der Nachmittagsbrei (häufig ein Obst-Getreidebrei). Zusätzlich zur Breikost empfiehlt es sich, dem Baby etwas zu trinken anzubieten, z. B. Wasser oder ungesüßten Fencheltee.

Wie viel Zeit die Einführung der verschiedenen Mahlzeiten einnimmt, ist individuell verschieden. Werden die Stillmahlzeiten erst nach und nach durch Brei ersetzen, bildet sich die Milchmenge langsam zurück. So vermeiden Frauen schmerzhaft volle Brüste, einen Milchstau oder gar eine Brustentzündung. Auch das Baby hat so Zeit, sich langsam von der Brust zu verabschieden und die neue Kost im wahrsten Sinnes des Wortes „zu verdauen“.

Milch für jeden Geschmack

Auch wenn Frauen vollständig abgestillt haben: Milch bleibt für das Baby nach wie vor ein wichtiges Nahrungsmittel. Je nach Alter des Kindes bekommt es Pre- oder Folgemilch. Für allergiegefährdete Kinder empfiehlt sich hyperallergene Milchnahrung. Bei Fragen und Problemen rund um das Thema „Abstillen“ sollten sich Frauen nicht scheuen, eine Stillberatung in Anspruch zu nehmen. Sie wird von spezialisierten Hebammen ebenso angeboten wie etwa von Still- und Laktaktionsberaterinnen (www.stillen.de), der La Leche Liga (www.lalecheliga.de) und der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen (www.afs-stillen.de). Mit einem Rezept vom Gynäkologen oder dem Kinderarzt erhöhen sich die Chancen, dass die Krankenkassen diese Leistung übernimmt.

Welche Säuglingsmilch eignet sich für welches Baby?

Wenn Mama nicht mehr stillt oder zufüttern möchte, steht meterweise Säuglingsnahrung als Ersatz zur Auswahl. Je nach Alter des Kindes kann sie sich für eine 1er, 2er und 3er Milch entscheiden (Packungshinweise beachten!). Sollten Frauen aus bestimmten Gründen vergleichsweise früh zum Abstillen gezwungen sein, eigenen sich spezielle Pre-Nahrungen. Diese Anfangsmilch kann als alleinige Nahrung bereits in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten gefüttert werden.

Für allergiegefährdete Babys empfehlen Kinderärzte in der Regel so genannte H.A. Nahrung. Für Babys, die unter einer Kuhmilcheiweiß-Unverträglichkeit oder Lactose-Intoleranz leiden, gibt es zudem ab dem ersten Fläschchen spezielle SL-Nahrung (SL = sine lacte = „ohne Milch“), die milcheiweiß- und milchzuckerfrei hergestellt wird. Für Babys, die mehr als nur ein bisschen nach den Mahlzeiten spucken und deshalb nicht ausreichend zunehmen, empfiehlt sich eine den Spuckreiz hemmende Milch. Sie heißt, je nach Hersteller AR, (AR steht für Anti-Regurgitation) oder S-Milch.

Text: Dr. Katja Iken

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