"Essen ist Kommunikation" Interview mit Fernsehkoch Klaus Velten

wireltern.de spricht mit Klaus Velten (37), Fernsehkoch, Kochbuchautor, Kochdozent und frischgebackener Vater einer Tochter, über Ernährung und Familienrituale.

wireltern.de: Bereits im Mutterbauch wird der Grundstein gelegt für das Leben des Kindes. Welche Tipps geben Sie für die Ernährung in der Schwangerschaft?
Klaus Velten:
Ausgewogen muss sie immer sein, besonders in der Schwangerschaft. Darüberhinaus dürfen Schwangere ruhig hin und wieder ihren Gelüsten nachgeben und sollten auf jeden Fall auf ihren Körper hören. Meine Frau hatte einen richtigen Fruchtflash und hat plantagenweise Obst gegessen. Im Sommer habe ich oft kalte Suppen gemacht, da sind viele Vitamine drin. Insgesamt gelten natürlich die Standards wie kein Alkohol, kein Rohmilchkäse, nur durchgegartes Fleisch.

Haben Sie sich während der Schwangerschaft Ihrer Frau anders ernährt als sie?
Mit gehangen, mit gefangen. Es hilft auf jeden Fall, wenn der Vater in spe solidarisch ist. Es wäre ja gemein, wenn ich mir den rohen Schinken aufs Brot legte, den meine Frau nicht essen darf. Allerdings habe ich durchaus hin und wieder etwas Alkohol getrunken, aber das hat meine Frau nicht gestört.

Was sagen Sie zum Stillen?
Ich bin ein absoluter Befürworter, aber man sollte sich keinen Stress machen. An der Brust entwickelt das Baby ein natürliches Sättigungsgefühl. Die Mutter sollte in der Stillzeit nicht zu viel Kohl essen, davon kann das Baby Blähungen bekommen. Und keine Zitrusfrüchte, das führt beim Baby möglicherweise zu einem wunden Hintern. Alkohol ist nach wie vor ein absolutes No-Go. Rohmilchkäse und ein medium gebratenes Steak sind in der Stillzeit aber wieder in Ordnung.

Welche Tipps geben Sie zur Beikosteinführung?
Unbedingt selber kochen! Eine Karotte und eine Kartoffel habe ich schnell geschnippelt und gegart, während ich meinen Kaffee trinke. So weiß ich genau, was drin ist, wo es herkommt und füttere mein Kind nicht mit Konservierungsstoffen.

Und später, wenn das Kind im Prinzip alles isst, was muss man dann beachten?
Die Kinder ganz entspannt ans Essen heranführen und alles probieren lassen, ohne im Voraus mit Unverträglichkeiten zu rechnen. Oft sind es die Eltern, die ihren Kindern einreden, dass sie etwas nicht mögen. Bei einer Kochveranstaltung mit Kindern haben wir letztens einen grünen Smoothie mit Spinat gemacht. Die Kids haben gestaunt, wie lecker der war. Und wenn die Kinder ihre Pizza selbst belegen, mögen sie oft Dinge, die sie vorher nicht mochten. Einfach, weil Mais und Paprika schön bunt aussehen.

Was ist im Hinblick auf Familienessen das Wichtigste?
Das Essen muss auf jeden Fall am Tisch stattfinden und im Mittelpunkt stehen. Wer beim Fernsehen nebenbei isst, weiß hinterher oft gar nicht mehr, was er überhaupt gegessen hat. Das ist schlimm. Kochen oder Essen ist Kommunikation, denn über gemeinsame Mahlzeiten kommt die Familie ins Gespräch und tauscht sich aus. Das ist ganz wesentlich. Wenn möglich, sollten Familien mindestens eine Mahlzeit am Tag gemeinsam einnehmen. Am Wochenende gehören alle drei Mahlzeiten der Familie.

Mit kleinem Kind fehlt im Alltag häufig die Zeit, eine aufwendige Mahlzeit selber zu kochen. Ihr Tipp?
Es gibt viele Küchengeräte, die einem die Arbeit erleichtern. Mit einem Hochleistungsmixer wie dem Vitamix kann man zum Beispiel schnell gesunde und leckere Smoothies, Suppen und Breie machen, auch in größeren Mengen zum Einfrieren. Letztens habe ich damit sogar spontan einen Waffelteig vorbereitet. Der war schneller fertig als das Waffeleisen aufgeheizt war.

Wie geben Eltern ihren Kindern von Anfang an ein Gespür für gesunde Ernährung mit, ohne dass es die Kinder nervt und abschreckt?
Am besten gehen die Kinder mit einkaufen und helfen beim Kochen. Auf das gemeinsame Kochen mit meiner Tochter, sobald sie etwas größer ist, freue ich mich am meisten. Bei einem Besuch auf dem Bauernhof lernt der Nachwuchs, wo Fleisch, Milch, Früchte und Gemüse herkommen und wie viel Menschen dafür arbeiten müssen, damit die Supermärkte immer voll sind. Auch zu Hause kann man selbst etwas anbauen, zum Beispiel eine Tomaten- oder Erdbeerpflanze auf dem Balkon.

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