Leibspeisen Schritt für Schritt von der Milch zur Familienkost

Damit die Kleinen groß und stark werden: Die richtige Ernährung für Babys im ersten Lebensjahr. Und: Wissenswertes über den neuen Breifrei-Trend "Baby-led Weaning".

1. Aus der Brust oder dem Fläschchen: Milch oder Milchnahrung

Die Milch macht’s. Die Muttermilch macht’s besser! Muttermilch ist die beste Ernährung für Babys in den ersten Lebensmonaten, da sind sich Experten einig. Sie liefert alle wichtigen Nährstoffe, die der Säugling für das Wachstum und die gesunde Entwicklung braucht – und zwar in einer Form, wie Babys Körper sie optimal aufnehmen und verwerten kann. Muttermilch enthält unter anderem Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate – und: Abwehrstoffe. Ihren Immunschutz geben Stillende nämlich an ihren Nachwuchs weiter.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfehlen eine ausschließliche Stilldauer von vier bis sechs Monaten. Mindestens bis zum Beginn des fünften Monats sollten Babys ausschließlich – also ohne Zugabe von Flüssigkeiten und anderer Nahrung – gestillt werden. Das gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko. Und wenn Mama nicht stillen kann, weil sie zum Beispiel zu wenig Milch hat?

Dann springt das Fläschchen ein! Anfangs kommt dünnflüssige Pre-Nahrung in die Pulle. Sie kann von der dickflüssigeren Anfangsmilch 1 abgelöst werden. Die Folgemilchen 2 und 3 werden von vielen Experten nicht empfohlen. Kinder mit erhöhtem Allergierisiko, die nicht gestillt werden können, sind in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten mit hypoallergener Milch, sogenannter HA-Milch, gut versorgt. Sie enthält weniger Allergene als die „normale“ industriell hergestellte Fertigmilch.

 

2. Jetzt gibt’s was auf den Löffel: Beikost

Zwischen Beginn des fünften und Ende des sechsten Lebensmonats, spätestens mit Beginn des siebten Monats, ist es an der Zeit, den ersten Brei zu servieren. Anfangs kommt ausschließlich Gemüse in den Brei – zum Beispiel Karotten, Kürbis, Pastinaken oder Zucchini. Spinat, Fenchel und anderes nitratreiches Gemüse sowie Salz sind noch tabu. Verträgt das Baby den Gemüsebrei gut, nimmt man alle vier Tage eine neue Zutat hinzu – erst Kartoffeln, anschließend Huhn, Pute oder Rindfleisch. Noch etwas Öl unterrühren – fertig ist die erste vollständige Beikostmahlzeit: der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei.

Nach weiteren vier Wochen steht der Getreide-Obst-Brei am Vor- oder Nachmittag und anstelle der abendlichen Milchmahlzeit ein Milch-Getreide-Brei auf dem Speiseplan. Dieser besteht aus Obstmus, das mit Muttermilch beziehungsweise Milchnahrung und Getreide wie zum Beispiel Dinkel kombiniert wird.

 

3. Zum Anbeißen: Familienkost

Ab etwa dem zehnten Monat ist es für den Nachwuchs dann an der Zeit, sich in die Geschmackswelt der Großen aufzumachen. Kartoffelstückchen, ein paar Brokkoliröschen oder gekochte Nudeln: Lassen Sie Ihr Kind probieren! So kann es sich langsam an die Erwachsenennahrung gewöhnen. Mit etwa einem Jahr können die Kleinen dann fast schlemmen wie die Großen – nur scharfe Gewürze, Kaffee, Schwarz- und Eistee und selbstverständlich Alkohol haben auf ihrem Speiseplan nichts verloren.   
 

Zeit lassen!

Wichtig ist, dass Mütter und Väter nichts überstürzen, wenn sie ihr Kind an neue Nahrung gewöhnen. Schließlich hat jedes Kind sein individuelles Entwicklungstempo. Ob Ihr Baby beispielsweise bereit ist für den ersten Brei, erkennen Sie an den sogenannten Beikostreifezeichen. Kann der Nachwuchs Dinge greifen und zum Mund führen, sieht er neugierig zu, wie sich Mama und Papa etwas in den Mund stecken und schluckt sogar schon dabei, ist es an der Zeit für den Gemüsebrei.

 

Geht’s auch ohne Fleisch?

Eltern können ihr Baby problemlos vegetarisch ernähren, wenn sie den Brei anstelle von Fleisch mit Hirse, Hafer oder anderen eisenreichen Nahrungsmitteln kombinieren. Eisen brauchen Babys nämlich besonders im zweiten Lebenshalbjahr für ihr Wachstum. Frisches Obst und Gemüse sorgen für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C.

 

Breifrei: Baby-led Weaning (BLW)

Beikosteinführung geht auch ohne Brei. Beim sogenannten "Baby-led Weaning", kurz: BLW, übersetzt: "Vom Baby gesteuerte Beikosteinführung", nimmt das Baby das Essen selbst in die Hand - und bestimmt selbst, was und wieviel er isst. Mama und Papa reichen ihrem Baby bei dieser Methode Fingerfood, also mundgerechte Stücke wie Karottenstückchen, Blumenkohl, Nudeln, gekochtes Fleisch etc. Alles, was das Baby selbst greifen kann und verträgt. Also nichts Scharfes, Salziges, Gesüßtes. Teller und Löffel sind dabei völlig überflüssig!

 

Unsere Expertin

Ingeborg Hanreich, Ernährungswissenschafterin, Stillberaterin (IBCLC), Verlegerin und Autorin, www.hanreich-verlag.at, Wien

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