Kinder und Tiere Aufwachsen mit Haustieren

Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, lernen meist früher, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Es gibt jedoch auch einiges zu beachten.

Josua (6) liebt Paul. Paul ist ein treuer Dackel-Mischling, den seine Eltern aus dem Tierheim geholt haben. Jeden Tag füttert er ihn zwei Mal und stellt ihm frisches Wasser hin. Nach der Schule geht er mit ihm auf dem Feldweg hinter dem Haus spazieren. Seine Mutter freut sich. So bekommen beide noch etwas frische Luft ab, bevor sich Josua an seine Hausaufgaben setzt.

Bevor Paul vor vier Monaten zum Familienmitglied wurde, war Josua häufiger unruhig. Das ging soweit, dass schon mal ein Spielzeug zu Bruch ging, oder eine Tür etwas lauter ins Schloss fiel, als es nötig gewesen wäre. Diese kleinen Trotzanfälle gehören heute der Vergangenheit an.

Lernen, Verantwortung zu übernehmen

"Er ist wie ausgetauscht.", erzählt Mutter Anke. Sie schiebt seine Unausgeglichenheit heute seiner Langeweile zu. "Josua ist einfach kein Kind, das sich viel in seinem Zimmer aufhält. Er liebt es, draußen zu toben und mit Paul zu spielen."

Für den Familienhund sorgt er gewissenhaft. "Es ist toll zu sehen, wie liebevoll unser Sohn mit Paulchen umgeht. Wir brauchen fast nichts zu machen. Er kümmert sich nahezu selbstständig um alles. Wir sind wirklich beeindruckt, wie bewusst ihm seine Verantwortung ist."

Josua hat durch den Umgang mit seinem Haustier nicht nur gelernt, was es heißt, Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen. Er ist ruhiger geworden und beschäftigt sich mit anderen Dingen, als noch vor ein paar Monaten. 

Haustiere unterstützen bei der Entwicklung

Respekt, Empathie und Mitgefühl. Das alles sind Eigenschaften, die Kinder im Umgang mit Tieren lernen. Wenn wir ihnen zeigen, dass es wichtig ist, andere Lebewesen zu beschützen und zu pflegen, erfahren sie eine der wichtigsten Lektionen überhaupt.

Die Psychologen sind davon überzeugt, dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, später seltener zu Gewalttätigkeit neigen, als solche, die in einem Haushalt ohne Haustiere leben. Sie sind außerdem geduldigere Zuhörer und arbeiten häufig konzentrierter im Unterricht mit.

Natürlich klingt das alles erstmal ziemlich gut, doch gibt es einiges zu beachten, bevor ein Vierbeiner Teil der Familie werden kann. Folgende Fragen sollten auf jeden Fall vorher im Familienrat besprochen werden:

  • Wer pflegt das Tier, wenn wir im Urlaub sind? Oder verzichten wir auf Fernreisen, damit wir es mitnehmen können?
  • Schaffen wir es finanziell, etwas zurückzulegen, falls Besuche beim Tierarzt oder in der Hundeschule anstehen?
  • Erlaubt es unser Alltag, dass wir das Tier gemeinsam mit unserem/n Kind(ern) betreuen?

Falls sich der Nachbar in den großen Ferien zukünftig um die Meerschweinchen kümmern soll, sollte auch dieser frühzeitig ins Boot geholt werden.

Außerdem sollte natürlich geklärt sein, welches Tier es sein soll. Grundsätzlich gilt: Kleinere Tiere sind nicht automatisch unkomplizierter, als größere. Ein Kaninchen bedeutet genauso Arbeit, wie ein Hund.

Vorbild sein

Ist die Entscheidung für ein Haustier getroffen und zieht es mit in die Wohnung ein, beginnt die Zeit der Eingewöhnung. Ein Kleinkind lernt in der Regel schnell, auf ein Haustier einzugehen und auf seine Bedürfnisse zu reagieren.

Am besten funktioniert das, wenn die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und dem Nachwuchs den Umgang mit dem Neuzugang liebevoll vorleben. Dabei sollte es dennoch klare Grenzen geben. Das bestätigt auch Mutter Anke.

"Anfangs wollte Josua Paul am liebsten die ganze Zeit herumtragen. Mit seinem neuen Freund zu kuscheln, war einfach das Größte für ihn. Da mussten wir ihm dann auch mal seine Grenzen aufzeigen. So ein Tier hat nun mal auch seinen eigenen Kopf. Es ist schließlich ein lebendes Wesen und keine Puppe. Josua hat das ziemlich schnell verstanden und jetzt weist er sogar manchmal seine Freunde in die Schranken, wenn sie Paul zu sehr auf die Pelle rücken."

Der liebevolle Umgang mit Haustieren

Paul ist ein gutmütiger Hund, der sich nicht beschwert, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Es gilt jedoch: Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter, ob Katze, Hund oder Hamster. Hat der Hund erstmal zugeschnappt oder die Katze gekratzt, dauert es oft lange, bis das Vertrauen auf beiden Seiten wieder hergestellt ist. 

Ist ein Kind von Anfang an dabei, wenn ein Haustier ins Familienleben tritt, orientiert es sich jedoch auch schnell am Verhalten, das ihm von den Erwachsenen vorgelebt wird. Wichtig ist, immer aufmerksam auf Kind und Tier zu hören. Laute Ausrufe wie "Dummer Hund" oder "Jetzt ist aber Ruhe hier!" gehören nicht zum Umgangston. 

Am Beispiel von Josua und Paul kann man sehr gut sehen, wie effektiv sich eine freundliche Erklärung der Eltern auswirken kann. Josua geht inzwischen sogar besonders respektvoll mit seinem Haustier um. Und auch die Pflege hat er schnell übernommen.

Das Leben mit Haustier

"Ich wollte unbedingt einen Tagesplan festlegen. Darum habe ich einen Stundenplan an den Kühlschrank gehängt und alle Fütterungs- und Gassi-Zeiten eingetragen. Inzwischen ist der völlig in Vergessenheit geraten, weil unser Sohn so engagiert ist.", berichte Anke. Die gelernte Erzieherin ist sichtlich stolz auf ihren Sohn.

"Wichtig finde ich vor allem, dass man sich vorher genau überlegt, ob man den Schritt gehen möchte und welches Haustier in Frage kommt. Es gibt sicher nichts Schlimmeres, als wenn man es wieder ins Tierheim zurückbringen muss. Wir sind in den Ferien häufiger auf Campingplätzen unterwegs. Ein Hamster wäre da einfach nicht in Frage gekommen. Paul können wir einfach mitnehmen."

Doch was, wenn das Tier zuerst da ist? Auch hier ist gute Planung wichtig. Besonders große Tiere wie Katzen oder Hunde können mitunter sensibel auf Veränderungen in ihrem Umfeld reagieren. Daher ist es wichtig, auch weiterhin wie gewohnt auf sie einzugehen, wenn sich Nachwuchs ankündigt. 

Katzen und Kinderlieder

Steht die Geburt kurz bevor, gibt es einiges vorzubereiten. Viele Dinge, mit denen man sich bisher nicht beschäftigt hat, rücken plötzlich in den Fokus. Das ist ganz natürlich und auch gut so. Damit das Haustier nicht in Vergessenheit gerät und später mit Eifersucht reagiert, ist es daher wichtig, sich bereits in einer früheren Phase der Schwangerschaft mit dem Zusammenleben von Baby und Haustier zu beschäftigen. 

Es bietet sich zum Beispiel an, feste Räume, die nur für das Baby gedacht sind, nach und nach einzurichten, damit das Tier nicht plötzlich vor vollendete Tatsachen gesetzt wird, sondern sich langsam an die anstehenden Veränderungen gewöhnen kann. Und wenn die Wiege schon mal aufgebaut ist, kann man gerne auch die Spieluhr schon mal laufen lassen und die Reaktion von Hund und Katze beobachten. 

Ist das Kind dann da, sollte man so sensibel wie nur möglich vorgehen. Grundsätzlich sollte man es niemals mit dem Haustier allein lassen. Jeder Kontakt sollte zum Schutz beider genauestens beobachtet werden. Meist kommen Babys sehr gut mit Tieren zurecht und Schritt für Schritt lernen Tier und Mensch aufeinander einzugehen. Den treuen Freund, der seit man denken kann immer da war, vergisst man schließlich sein ganzes Leben lang nicht mehr.

Autorin: Anne Reis

Kommt das Haustier mit in die Ferien? Foto: GettyImages

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