Bettnässen

Wenn Kinder nachts ins Bett machen

Auch im Vorschulalter sind viele Kinder nachts nicht trocken. Mit einigen Maßnahmen können Eltern und Ärzte helfen, damit das Einnässen die Familie nicht zu sehr belastet.

So kann’s nicht weitergehen. Wieder einmal ist Pauls Bett morgens nass. Seine Mutter zieht entnervt das Laken von der Matratze. „Hoffentlich lachen dich die anderen auf der Kita-Reise nicht aus.“ Paul ist das unangenehm. Er geht aus dem Zimmer. Seine Mutter weiß, dass es nichts bringt, ihm Vorwürfe zu machen. Doch sie will ihm helfen. Vielleicht ist die bevorstehende Reise ja ein Anreiz dafür, dass Paul sich mehr bemüht. Der Fünfjährige müsste nämlich eigentlich längst trocken sein, finden seine Eltern.

Weder sind Erziehungsfehler am Bettnässen Schuld, noch ist es böse Absicht

Paul ist keine Ausnahme. Etwa 15 Prozent aller Kinder in seinem Alter nässen nachts ein. Meist stecken weder Erziehungsfehler noch Krankheiten und erst recht keine bösen Absichten dahinter. Oft hilft geduldiges Warten, und das Problem löst sich von allein. Dennoch möchten viele Väter und Mütter nachhelfen, um sich das lästige Wäschewaschen und den Kindern Peinlichkeiten zu ersparen. Ab einem Alter von sechs Jahren gilt es als sinnvoll, über unterstützende Maßnahmen nachzudenken. Dazu begeben sich die Beteiligten erst einmal auf Ursachensuche. Kinderärzte unterscheiden zwischen primärer und sekundärer Enuresis, so der Fachbegriff für das unwillkürliche Einnässen. Bei der primären Enuresis ist das Kind seit seiner Geburt noch nie ohne Windeln durch die Nacht gekommen sind. Das trifft 75 bis 80 Prozent aller bettnässenden Jungen und Mädchen.

Hat das Kind Kummer? Dann braucht es Unterstützung

Anders die sekundäre Enuresis, bei der das Kind schon mal mindestens ein halbes Jahr lang nachts trocken war und dann plötzlich wieder anfängt, ins Bett zu machen. Das hat häufig psychische Ursachen. Hat das Kind Kummer? Fühlt es sich – zum Beispiel nach der Geburt eines Geschwisterchens – zurückgesetzt? Wenn es gelingt, diese Probleme durch liebevolle Unterstützung zu beseitigen, bleibt das Bett nach einer Zeit wieder trocken. Was steckt hinter dem nächtlichem Einnässen? Es kann zum Beispiel daran  liegen, dass im Gehirn noch nicht alle Mechanismen funktionieren. Der Teil, der dafür sorgt, dass man nachts aufwacht, wenn die Blase drückt, ist noch nicht ausreichend ausgebildet – das Kind schläft einfach weiter, während sich die Blase entleert. Eventuell fehlen auch Hormone, die dafür sorgen, dass der Körper nachts weniger Urin produziert. Erwachsene bilden im Schlaf nur ein Drittel ihrer gesamten Urinmenge, während Babys rund um die Uhr gleichmäßig viel produzieren. Wenn sie größer werden, stellt der Körper das dafür zuständige Hormon her.

Erste Hilfe mit Klingelhose oder der Weckmethode

In manchen Fällen lässt sich mit kleinen Anreizen nachhelfen. Zum Beispiel, indem Eltern ihr Kind noch einmal wecken und zur Toilette schicken, bevor sie selbst ins Bett gehen. In anderen Fällen hilft der Kinderarzt, indem er eine Klingelhose verschreibt, die einen Ton abgibt, sobald die Hose mit einem Tropfen Flüssigkeit in Kontakt kommt. Auch eine medikamentöse Behandlung mit dem Wirkstoff Desmopressin ist möglich. Den bekommt das Kind meist in Tablettenform, damit es nachts weniger Urin produziert. Diese Maßnahme ist vor allem für Klassen- oder Kitafahrten geeignet, weil sie sehr unauffällig ist. Dafür haben sich auch Pauls Eltern entschieden. Ob Zufall, Folge oder einfach ein weiterer Entwicklungsschritt: Auf der Reise ging alles gut – und danach blieb Paul auch ohne Medikamente trocken.  

Unser Experte

Professor Dr. Michael Schulte-Markwort, leitender Arzt in der Abteilung für Psychosomatik im Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg, www.kinderkrankenhaus.net

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