Traumberuf Paul ist Synchronsprecher einer Zeichentrickfigur

Pauls (10) großes Abenteuer: Er darf eine Figur seiner Lieblingsserie „Ben 10“ synchronisieren. Wir haben ihn im Studio begleitet – und gestaunt über die hohe Kunst des Synchronsprechens.

Es ist dunkel. Nur ein kleines Leselicht auf dem Text am Mikrofonpult. Riesige Ziffern erscheinen auf der schwarzen Leinwand. 1, 2, 3 … Obwohl Paul Zeglarski (10) es jetzt schon ein paar mal geübt hat: Es ist ganz schön knifflig, sofort loszusprechen, wenn auf „4“ der Film losläuft: eine Szene aus der Zeichentrickserie „Ben 10“. Von einer Sekunde auf die andere muss Paul voll da sein – und schauspielern. Dann klappt es: „Drängelt ihr euch etwa vor!?“, schimpft er verärgert – und genau synchron zu den Lippen seiner Figur.

Regisseurin Uta Kienemann, die hier in den Münchner SDI Studios die Aufnahmen leitet, merkt gleich, dass sie es mit einem Naturtalent zu tun hat: „Er ist offen, spontan und natürlich!“

Während der Aufnahmen bekommt er Tipps von einem weiteren Profi: Felix Mayer stupst Paul an, wenn er lossprechen muss und macht ihm Mut: „Du machst das super! Komm, gleich noch mal …“ Felix ist die Synchronstimme des Stars der Serie: Ben. Der verkörpert das, wovon viele Jungs träumen: Mit seiner außerirdischen Uhr, der Omnitrix, kann er sich in zehn verschiedene Charaktere mit Superkräften verwandeln. Paul kennt die Zeichentrickserie, die es auf Cartoon Network jetzt in einer Neuauflage gibt, seit er fünf Jahre alt ist. Die Mini-Synchronsprecherrolle hat er bei einem Wettbewerb gewonnen. Vier Sätze muss er einsprechen. Schon nach 20 Minuten sind sie im Kasten. Zu hören bekommen wir sie am 24. März 2017 um 14.30 Uhr: Dann wird die Folge mit Pauls Stimme ausgestrahlt.

Nachwuchssynchronsprecher Paul (10) mit den Profis Felix Mayer und Leslie-Vanessa Lill

„Synchronschauspieler brauchen Musikalität“

Ist es nicht besonders herausfordernd, mit Kindern im Synchronstudio zu arbeiten? Kienemann findet nicht: „Einige gehen sogar entspannter mit den technischen Gegebenheiten um als so mancher erwachsene Neuling“, lacht sie. Synchronsprecher müssten sehr gute Schauspieler sein, „aber nicht jeder Schauspieler ist ein guter Synchronsprecher!“ Die Emotionen müssen auf Kommando da sein – und das trotz all der Technik ringsherum.

Zudem sind die Synchronsprecher fast nie gleichzeitig im Studio, sondern sprechen ihre Rollen einzeln ein. Dabei werden sie ständig aus ihrem Spiel herausgerissen, da meist nur einzelne oder wenige Sätze aufgenommen werden. „Es ist eine hohe Kunst und erfordert ein ganz besonderes Gespür“, weiß Kienemann. „Man muss den Ausdruck und das Timing des Originalcharakters übernehmen: Tempo, Verzögerungen und Zäsuren. Synchronschauspieler brauchen viel Musikalität und Rhythmusgefühl.“

Wie wird ein Kind Synchronsprecher?

Der Besuch einer Theatergruppe sei ein guter Schritt auf dem Karriereweg ins Synchronstudio, meint Kienemann. Häufig sind es Kinder von Synchronschauspielern, die in die Tätigkeit hineinwachsen und irgendwann selbst Rollen übernehmen. Trotzdem würden neue Kinderstimmen ständig gesucht, betont die Synchron-Regisseurin, die selbst auch als Synchronschauspielerin arbeitet. Ihr Tipp an interessierte Kinder: „Am besten eine Demo-CD an die Aufnahmeleiter von Synchronfirmen schicken. Eine kleine Spielszene von 30 Sekunden reicht. Profis hören schnell: Bringt das Kind Offenheit und Freude am Spiel mit?“

Eine „schöne Stimme“ sei dabei nicht das Einzige, worauf es ankommt: „Wichtig ist Präsenz, ein guter Ausdruck – der eine Frage des Talents ist – Spielfreude und Hochdeutsch. Die Aussprache muss sauber sein: kein Dialekt, kein Nuscheln, keine Schmatzer, gute Artikulation“, zählt Kienemann auf. Wer es ins Studio schafft, kann sich ein Taschengeld dazuverdienen: In München bekommt ein erfahrenes Synchronkind beispielsweise ab 25 Euro Grundgage für eine Aufnahmesession, die pro Tag maximal drei Stunden dauern darf. Pro aufgenommenem Take (ein oder ein paar wenige Sätze) gibt es zusätzlich etwa 2,50 Euro. Mehr als 30 Tage im Jahr dürfen Kinder allerdings per Gesetz nicht ins Studio, die genaue Zahl variiert je nach Bundesland.

Paul hat seinen Traumberuf gefunden: Synchronsprecher

"Ben 10" läuft bei Cartoon Network

Paul jedenfalls hat an diesem Tag gezeigt: Er hat, was es braucht. Kienemann kündigt an, ihn wieder zu buchen. Und er selbst ist sich jetzt ganz sicher: „Das ist mein Traumberuf! Schauspieler sehen immer gleich aus, aber als Synchronsprecher kann ich mich in ganz andere Figuren verwandeln!“ Es mangelt ihm nicht an Ideen, das zu üben: „Mein Freund hat ein Aquarium, da synchronisiere ich immer die Goldfische: ,Gebt uns Essen! Wir haben Hunger!’“

„Ben 10“ immer montags bis freitags um 14.30 Uhr auf Cartoon Network
Neue Episoden der ersten Staffel zeigt Cartoon Network ab dem 20. März 2017. Die Neuauflage der zweiten Staffel startet im Oktober.

Hier geht’s zur Website von „Ben 10“.

Und hier gibt es Ausschnitte und Trailer der Serie.

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