Was Kinder stark macht

Resilienz

Auch mit einem holprigen Start kann ein gutes Leben gelingen. Resilienz – die Fähigkeit, Krisen zu meistern – spielt dabei die entscheidende Rolle.

 

Was anfing wie ein schöner Traum, endete als Albtraum. „Nur auf ihrem Hochzeitsfoto sahen Mama und Papa glücklich aus“, sagt Kristina (39), Mutter von zwei Kindern. Die Eltern trennten sich, als das Mädchen sechs Jahre alt war. Bis dahin waren Streit, Schläge und Drohungen an der Tagesordnung. Der Vater trank. Die Mutter litt. Die Tochter floh oft zur Oma, wuchs nach der Scheidung ohne Vater auf und fühlte sich verantwortlich für ihre an Depressionen leidende Mutter. Kein guter Start ins Leben. Doch Kristina konnte sich später die Träume erfüllen, die sie vom Leben hatte. Sie machte Abitur, studierte, wurde Lehrerin, fand einen Partner, mit dem sie inzwischen mehr als 15 Jahre glücklich ist, und bekam zwei Söhne. „Die haben es leichter als ich früher. Wir haben eine tolle Beziehung.“ Das ist keineswegs selbstverständlich. Denn Kristina hat als Kind kaum Liebe und Zuneigung erfahren. Dass sie heute trotzdem ein erfülltes Leben führt, liegt wahrscheinlich daran, dass die Großmutter sie gerettet hat, weil sie sich zwar selten, aber dafür liebevoll um Kristina kümmerte. Eine feste Bezugsperson kann ausreichen, um einem Kind Hoffnung zu geben.

Denn selbst wenn am Anfang des Lebens nicht alles perfekt läuft, kann es später sehr gut werden. Untersuchungen zeigen, dass ein Drittel aller Kinder, die vernachlässigt oder misshandelt wurden oder unter Armut und Trennung der Eltern litten, trotzdem glückliche, fürsorgliche und erfolgreiche Erwachsene werden, die in stabilen Beziehungen leben. Was zeichnet diese Menschen aus? Forscher nennen es Resilienz. Gemeint ist damit die seelische Widerstandsfähigkeit. 

 

Schon sehr früh lässt sich die seelische Robustheit stärken

Wer darüber verfügt, ist vor Schicksalsschlägen zwar nicht gefeit – Verluste, Misserfolge, Trauer oder Krankheiten gehören zum Leben –, kann sie aber überstehen, ohne daran zu zerbrechen. Selbstwirksamkeit lautet das Zauberwort. Das Gefühl, selbst Einfluss zu haben und etwas bewirken zu können, gilt als innerer Schutzfaktor. Wer sein Leben selbst positiv beeinflussen kann, kommt auch aus scheinbar hoffnungslosen Situationen wieder heraus.

Schon in frühen Jahren lässt sich die seelische Robustheit stärken. Obwohl es Theorien gibt, dass Resilienz genetisch bedingt ist, gilt es heute als erwiesen, dass Gene und Umwelt zusammenkommen. Mit dieser Kombination lässt sich viel erreichen. 

 

10 Dinge, die Eltern und Erzieher tun können

1. Loben und ermutigen – vor allem, wenn sich das Kind bemüht und nicht aufgibt, weil ihm etwas schwerfällt. Selbst wenn es nicht schafft, was von ihm erwartet wird, sollte auch der Versuch gelobt werden.

2. Feste Bezugspersonen, die Zuversicht vermitteln, stärken Kinder ein Leben lang. Wenn das nicht die eigenen Eltern sein können, haben auch andere Menschen einen großen Einfluss: Verwandte, Pädagogen, Trainer, Nachbarn oder andere Mutmacher. Es müssen Erwachsene sein, die verlässlich da sind und das Kind seinen Bedürfnissen entsprechend behandeln.

3. Anteil nehmen. Wenn Erwachsene echtes Interesse zeigen, blühen Kinder auf. Die Großen sollten die Kleinen deshalb immer wieder auffordern, etwas von sich und ihren Gefühlen zu erzählen. Was spielst du gern? Was liest du? Was magst du an deinen Freunden? Wie gefallen dir bestimmte Dinge? Bei solchen Fragen lernen Kinder, ihre Emotionen zum Ausdruck zu bringen und diese später zielgerichtet einzusetzen, um sich selbst zu helfen.

4. Kritik ist erlaubt. Sie sollte aber richtig formuliert werden. Das heißt, dass nicht die Mängel im Vordergrund stehen, sondern das Bemühen. Auch wenn Kinder etwas falsch machen, müssen sie nicht beschimpft werden. Wenn etwas kritisiert wird, dann ist es das Verhalten und nicht die Person. 

5. Zeit für Zärtlichkeit. In den Arm nehmen, kuscheln, über den Kopf streicheln – das tut jedem Kind gut. Man kann es gar nicht oft genug machen und muss auch keine Angst davor haben. Wenn es mal zu viel werden sollte, wird das Kind seine Eltern das spüren lassen, indem es sich zurückzieht.

6. Du bist einzigartig und wertvoll. Väter und Mütter sollten ihre Kinder nicht mit anderen vergleichen („Guck mal, dein Freund kann das viel besser“). Das kränkt und nimmt den Kleinen den Glauben an sich selbst. Ein zuverlässiges „Wir haben dich lieb – gleichgültig was du tust und wie du bist“ macht stark.

7. Selbstvertrauen gewinnen. Kinder dürfen nicht zu sehr in Watte gepackt werden. Wenn Eltern ihnen jeden Fehltritt ersparen wollen, bleiben wichtige Erfahrungen einfach aus. Das Kind erlebt nie, dass es sich selbst helfen kann.

8. Vorbild sein. Auch bei Erwachsenen läuft nicht immer alles nach Plan. Wenn Eltern im Konfliktfall Reißaus nehmen und den Kopf in den Sand stecken, ist es kein Wunder, wenn die Kinder das auch tun. Mütter und Väter sollten Vorbild sein und ihrem Nachwuchs zeigen, wie man nach Niederlagen wieder aufsteht. Zum Beispiel, indem man sich an frühere Erfolge erinnert, an etwas Schönes denkt oder sich trösten lässt.

9. Tränen zulassen. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „Jetzt heul doch nicht“, „Mach mal ein fröhliches Gesicht“ – solche Sprüche sollten Eltern sich verkneifen. Denn Kinder müssen auch lernen, negative Gefühle zuzulassen. Trauer, Wut, geschockt sein – nur wer solche Gefühle kennt, kann mit ihnen umgehen.

10. Früh Verantwortung übertragen. Sei es für das Haustier, für kleinere Geschwister oder Aufgaben im Haushalt – wer Verantwortung übernehmen kann und dabei erfolgreich ist, hat meist auch später Spaß an Herausforderungen, die glücklich und stark machen

wirEltern.de - Newsletter

Gewinnspiele und deine Themen. Jede Woche neu.