Wie ein Fisch im Wasser "Schwimmenlernen gehört zum Leben dazu"

Fast jedes zweite Kind kann laut einer Umfrage für die DLRG nicht schwimmen. DLRG-Schwimmlehrerin Dana Gromoll erklärt, was du tun kannst, um deinem Nachwuchs die Scheu vor dem Wasser zu nehmen.

Warum haben Kinder Angst vorm Wasser? 

Dana Gromoll: Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Es ist grundsätzlich gut, dass Kinder Respekt vor Wasser haben. Die Angst davor liegt manchmal auch im häuslichen Umfeld begründet: Es gibt Eltern, die ihre eigene Angst vorm Wasser auf die Kinder übertragen. Im Schwimmkurs ist dann das gesamte pädagogische Geschick des Lehrers gefragt, um diese Angst behutsam abzubauen.

Wann sollten sie Schwimmen lernen?  

Im Vorschulalter empfiehlt sich zunächst ein Wassergewöhnungskurs, der die Kinder in gezielten Übungen auf das Schwimmen vorbereitet. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Kinder dann mit sechs Jahren gut vorbereitet, um das eigentliche Schwimmen zu erlernen, manche auch schon früher. Man darf nicht vergessen: Schwimmen lernen erfordert von den Kleinen höchste Konzentration und koordinative Fähigkeiten, die sie oft erst in diesem Alter besitzen.

Was tun, wenn der Nachwuchs partout nicht ins Wasser will? 

Väter und Mütter sollten ihren Kindern Zeit geben und sich nicht von anderen Eltern unter Druck setzen lassen. Wenn ein Kind mit Angst zum Schwimmkurs geht, wird es höchstwahrscheinlich auch nicht gut Schwimmen lernen. Ratsam ist es in diesem Fall, einen Schritt zurückzugehen, eine Pause zu machen oder einen Wassergewöhnungskurs zu besuchen. 

Wie können Eltern erklären, dass Schwimmen lernen wichtig ist, ohne dass die Kleinen Angst vorm Ertrinken bekommen?

Sie sollten den Kindern vermitteln, dass Schwimmenlernen einfach zum Leben dazugehört. Es sollten nur positive Assoziationen damit in Verbindung gebracht werden. Sie können ihren Nachwuchs motivieren, indem sie gemeinsam ins Schwimmbad oder an den Strand gehen und dort viel Spaß haben. Das Negative darf nicht in den Vordergrund gestellt werden.

Es gibt kaum eine altersgerechte Erklärung für die Möglichkeit des Ertrinkens, die nicht weitere Scheu erzeugt –  vor allem bei ohnehin ängstlichen Kindern. Eine klare Aussage wie „Geh nicht so dicht an den Teich, du kannst noch nicht schwimmen!“ bringt da wahrscheinlich mehr.

Was macht einen guten Schwimm- oder Wassergewöhnungskurs aus? 

In einem guten Schwimmkurs sollte ein Ziel in Aussicht gestellt, aber nicht garantiert werden – zum Beispiel das Erreichen des „Seepferdchens“. Auch sollte er keine definierte Stundenzahl umfassen, sondern sich an dem individuellen Lerntempo des einzelnen Kindes orientieren.Die einen lernen schneller, die anderen brauchen mehr Zeit. Die Schwimmlehrer sollten einen freundlichen und konsequenten Umgang mit den Kindern und Eltern pflegen. 

Außerdem sollten sie über entsprechende Qualifikationen wie zum Beispiel Sportlehrer mit Schwimmqualifikation, Übungsleiter der DLRG, Schwimmmeister, Trainer des DSV etc. verfügen und sich regelmäßig fortbilden. Wichtig für einen erfolgreichen Schwimmkurs ist nicht zuletzt, dass Eltern und Kinder Vertrauen zum Schwimmlehrer aufbauen. 

"Seepferdchen für alle"

Um schon die Kleinsten über Gefahren am und im Wasser zu informieren, haben der Kosmetikhersteller Nivea und die DLRG – übrigens die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt – die Aktion „Seepferdchen für alle” ins Leben gerufen. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, 200.000 Kindern pro Jahr das Schwimmen beizubringen. In kostenlosen DLRG-Lehrgängen können sich Lehrer, Erzieher und Bundesfreiwillige dafür qualifizieren, Schwimmunterricht zu erteilen. Mehr Infos: www.nivea.de/dlrg, www.dlrg.de

Unsere Expertin

Dana Gromoll, Übungsleiterin im Kinder-und Jugendbereich, Referatsleiterin Schwimmen im DLRG Landesverband Mecklenburg-Vorpommern 

wirEltern.de - Newsletter

Gewinnspiele und deine Themen. Jede Woche neu.