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Darauf sollten Eltern achten
Wie sicher ist unser Spielzeug?

Wohl alle Eltern wünschen sich, dass ihr Nachwuchs unbeschwert mit Teddy, Bauklötzen & Co. spielen kann. Aber: Wie ist es um Verarbeitung, potenzielle Schadstoffe und Spielzeugsicherheit bestellt? Christian Gerling, Bereichsleiter Sales, Marketing und Customer Service beim Prüfinstitut Hermes Hansecontrol, Hamburg, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen - und Tipps für den Spielzeugkauf.

Worauf sollten Eltern beim Spielzeugkauf achten?

Auf die Verarbeitung und den Geruch. Wenn ein Teddybär auffällig riecht, kann das ein Indiz dafür sein, dass er schädliche Stoffe enthält; sind seine Augen schon lose angenäht, spricht das für eine schlechte Verarbeitung. Ebenfalls wichtig: die Verpackung. Wenn Warntexte unverständlich oder so klein gedruckt sind, dass man sie kaum lesen kann: Finger weg! Auch unabhängige Prüfsiegel bieten Orientierung.

 

Welche sonstigen Kennzeichnungen gibt es?

Zum Beispiel das CE-Zeichen. Es sagt zwar nicht direkt etwas über die Qualität eines Spielzeugs aus. Da aber innerhalb der EU für Spielzeug eine Kennzeichnungspflicht besteht, Produkte also das CE-Zeichen tragen müssen, wissen Sie schon mal, dass etwas nicht stimmt, wenn’s fehlt. 

 

Zuweilen sind Marketing-Abteilungen im Erfinden neuer Siegel sehr kreativ – der Verbraucher weiß gar nicht, welchem er tatsächlich vertrauen kann.

Das stimmt leider, wie man an der Bio-Siegel-Flut sieht. Für Endkonsumenten wird es zunehmend schwieriger einzuschätzen, ob es sich um ein aussagekräftiges Prüfsiegel oder eine Eigenkreation handelt. Bei uns ist jedes Prüfzeichen mit einer Nummer versehen, die man sogar mithilfe eines QR-Codes direkt im Geschäft scannen kann, und dann in unsere Datenbank weitergeleitet wird. Dort kann man dann einsehen, welche Prüfungen wann wie durchgeführt wurden und wie lange das Zertifikat gültig ist.

 

Welche Gefahren können von Spielzeug ausgehen?

Allen voran gesundheitliche. Auch wenn es vorgeschriebene Grenzwerte gibt, wie hoch die Konzentration von bestimmten Chemikalien in Spielzeugen sein darf: Als Laie kann man oft nicht feststellen, ob nicht doch verbotene Mittel eingesetzt wurden. Ein starker Geruch ist immer ein Zeichen, dass ein Stoff flüchtig ist und sich aus dem Produkt löst. Einige flüchtige Stoffe stehen im Verdacht, Krebs auszulösen und das Erbgut zu schädigen. Das bedeutet nicht, dass ein Kind, wenn es an diesem Spielzeug saugt, an Krebs erkrankt. Aber: Es besteht eine potenzielle Gefahr.

Zum anderen können Spielzeuge auch der Umwelt schaden, wenn sie nach dem Ende ihrer Lebensdauer entsorgt werden. Das Thema Umweltschutz rückt daher neben dem Verbraucherschutz auch bei der Spielzeugproduktion zunehmend in den Fokus.  

 

Bei Spielzeug aus Asien schrillen bei vielen Vätern und Müttern die Alarmglocken.

Fakt ist: Es gibt kaum noch Firmen, die in Deutschland produzieren. 90 Prozent der Spielzeugartikel, übrigens auch von Markenherstellern, sind „Made in China“. Deshalb sind die Produkte aber nicht schlechter. Hinsichtlich der Spielzeugproduktion hat sich gerade in China in den letzten Jahren viel getan. Je häufiger die Hersteller mit dem europäischen oder US-amerikanischen Markt zu tun haben, desto achtsamer gehen sie auch bei der Produktion vor. Sie wissen: Wenn sie Spielzeug liefern, das nicht verkehrsfähig ist, brauchen sie nie wieder welches zu liefern. 

 

Wie schätzen Sie die Lage in punkto Spielzeugsicherheit in Deutschland ein?

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist Deutschland hier deutlich weiter. Die Gewerbeaufsichtsbehörden sind stark sensibilisiert, wenn es um Spielzeug geht und die Grenzwerte, die wir für Chemikalien in Spielzeug definieren, sind sehr streng. Zudem gibt es eine zentrale europäische Datenbank („Rapex“), wo sich Verbraucher über Produktrückrufe informieren können. 

 

Was sagt das Gesetz?

Die Spielzeugsicherheit ist in der Europäischen Norm EN 71 geregelt. Sie beinhaltet verschiedene Teile, in der unter anderem Anforderungen betreffend der Entflammbarkeit sowie der mechanischen und chemischen Sicherheit formuliert sind. Diese Norm schreibt auch bis ins kleinste Detail vor, wie Labore wie wir Spielzeug zu prüfen haben. Zum Beispiel, welches Gerät wann zum Einsatz kommt, wie Teddybär-Augen daran anzubringen sind und: bei welcher Kraft sie erst abreißen dürfen. 

 

Was kostet so eine Prüfung?

Das hängt von der Funktion, Ausstattung und Komplexität des Produkts ab. Ein ferngesteuerter Hubschrauber muss in viele Einzelteile zerlegt werden, das kann dann schnell 10.000 Euro kosten. Ein simpler Plüschbär kostet zum Vergleich um die 1.000 Euro. Insgesamt dauert die Prüfung etwa fünf bis zehn Werktage.  

 

Haben Sie noch einen Tipp für Eltern?

Setzen Sie beim Spielzeugkauf alle Sinne ein! Scheuen Sie sich nicht, das Produkt aus der Verpackung zu nehmen, es anzufassen, daran zu ziehen und zu riechen. Sprechen Sie mit dem Verkaufspersonal und lassen sich beraten. Denn auch der Handel ist verpflichtet, seinen Teil zur Sicherheit von Spielzeug beizutragen.

 

 

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