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Unverträglichkeiten bei Lebensmitteln

Laktose-Intoleranz & Co.

Getreide, Milch, Obst: Viele Menschen vertragen bestimmte Nahrungsmittel nicht. Aber zum Glück gibt es Alternativen, die verträglich sind.

 

Emmi liebt Schokokuchen. Dass die Siebenjährige ihn heute ohne Probleme essen kann, war nicht immer so. Es begann vor drei Jahren. Emmi klagt regelmäßig über Bauchschmerzen, hat Durchfall und wirkt schlapp und abgespannt. „Emmi war immer eine gute Esserin“, erinnert sich ihr Vater Per Valentin. „Wenn ein Kind allerdings nach fast jeder Mahlzeit nicht mehr von der Toilette herunterkommt, verliert es irgendwann die Lust am Essen. Es ging so weit, dass Emmi gar nichts mehr anrühren wollte.“ Emmis Eltern machen sich große Sorgen um ihre Tochter und suchen einen Arzt auf. Dieser stellt nach einigen Tests die Diagnose: Emmi leidet unter einer Glutenunverträglichkeit, der sogenannten Zöliakie, bei der der Darm auf die in Getreide enthaltenen Klebereiweiße (Gluten) überempfindlich reagiert.

 

Verschiedene Formen der Unverträglichkeiten 

Zöliakie ist eine auto-immunologisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit. Im Unterschied zur Allergie, bei der der Körper Antikörper gegen fremde Eiweißbestandteile bildet, sind die Antikörper bei der Zöliakie gegen den eigenen Körper gerichtet. Daneben gibt es auch Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz oder Fruktose-Malabsorption, an denen das Immunsystem nicht beteiligt ist. Schuld an Laktose-Intoleranz ist ein Enzymmangel.

Während Nahrungsmittelallergiker und Zöliakie-Betroffene die nicht-verträglichen Lebensmittel vollständig von ihrem Speiseplan streichen müssen, weil bereits kleinste Mengen zu Beschwerden und im schlimmsten Fall zu einem allergischen Schock führen, vertragen Betroffene mit nicht-immunologisch bedingten Unverträglichkeiten das kritische Lebensmittel in unterschiedlichen Mengen. Das heißt: Der eine kann viel davon zu sich nehmen und hat kaum Beschwerden, bei dem anderen löst ein kleiner Bissen schon große Probleme aus. Fakt ist: Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen zu. Hier die vier häufigsten:

 

Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit)

Was passiert im Körper? 

Unser Darm ist mit sogenannten Zotten ausgekleidet. Auf diese Weise entsteht eine große Oberfläche, um viele Nährstoffe aufzunehmen. Die Gluten führen zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut. Die Folge: Die Darmzotten bilden sich zurück, sodass nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden können. Der so entstandene Nährstoffmangel löst die Beschwerden aus.

Welche Symptome treten auf? Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall mit Fettstühlen, Übelkeit, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Wesensveränderungen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose? Durch einen Antikörper-Bluttest und eine bestätigende Untersuchung von entnommenem Gewebe (Biopsie).

Wie viele Menschen leiden darunter? Rund einer von 200 Menschen in Deutschland. 

Was kann man dagegen tun? Patienten dürfen nur glutenfreie Lebensmittel zu sich nehmen. Ob Schokoladenkuchen, Pasta oder Mehl: Die Auswahl ist aber inzwischen groß.

 

Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit)

Was passiert im Körper? Damit der Darm Milchzucker (Laktose) verdauen kann, muss er ihn durch das Enzym Laktase aufspalten. Bildet der Körper keine oder zu wenig Laktase, ist das nicht möglich. Deshalb landet ein Teil der Laktose in tieferen Darmabschnitten, wo Bakterien dann den unverdauten Milchzucker zersetzen und Gase entstehen, die das Bauchgrummeln verursachen.

Welche Symptome treten auf? Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, selten auch Verstopfung.

Wie stellt der Arzt die Diagnose? Durch einen Wasserstoff-Atemtest.

Wie viele Menschen leiden darunter? 10 bis 30 Prozent der Mneschen bei uns.

Was kann man dagegen tun? Je nach Ausprägung laktosehaltige Lebensmittel wie Milch und wenig gereifte Milchprodukte meiden. Laktase kann auch als Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verzehr eingenommen werden.

 

Fruktose-Malabsorption (Fruchtzucker-Unverträglichkeit)

Was passiert im Körper? Wenn die Fruktose in den Darm gelangt, befördern sogenannte Glukosetransporter sie über die Darmwand in die Blutbahn. Bei einer Fruktose-Malabsorption ist dieser Transport gestört, sodass der Fruchtzucker unverdaut in den Dickdarm gelangt, wo er von Bakterien zersetzt wird. Es entstehen Gase, die Bauchschmerzen und andere Verdauungsprobleme verursachen. 

Welche Symptome treten auf? Vor allem Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen, selten auch Verstopfung.

Wie stellt der Arzt die Diagnose? Durch einen Wasserstoff-Atemtest.

Wie viele Menschen leiden darunter? 15 bis 25 Prozent der Menschen bei uns. 

Was kann man dagegen tun? In der Regel hilft es schon, fruchtzuckerhaltige Getränke und große Obstmahlzeiten zu meiden beziehungsweise das Obst nicht statt, sondern nach der Mahlzeit zu essen. Abzugrenzen ist das Krankheitsbild der Fruktose-Malabsorption von einer angeborenen Fruktose-Intoleranz, die sehr selten ist. Bei Betroffenen können schon geringe Fruchtzuckermengen zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. In diesem Fall müssen sie fruchtzuckerhaltige Nahrungsmittel (z. B. Obst, Gemüse, Säfte, Süßigkeiten) konsequent meiden. 

 

Histamin-Intoleranz (Histamin-Unverträglichkeit)

Was passiert im Körper? Experten sind sich uneinig darüber, was genau zur Histamin-Unverträglichkeit führt, manche bezweifeln sogar, dass die Krankheit überhaupt existiert. Vermutlich liegt aber ein Ungleichgewicht hinsichtlich Histamin-Produktion, -Aufnahme und -Abbau vor.

Welche Symptome treten auf? Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein. Patienten klagen unter anderem über Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Nesselsucht, Schwindel, Müdigkeit. 

Wie stellt der Arzt die Diagnose? Bisher gibt es noch keinen verlässlichen Test – nur durch ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt. Gemieden werden sollte nur, was tatsächlich auch zu Beschwerden führt. 

Wie viele Menschen leiden darunter? Schätzungen sind schwierig, weil es sich meist um ein vorübergehendes Phänomen handelt.

Was kann man dagegen tun? Auf die histaminreichen Lebensmittel (z. B. lang gereifter Käse, Tomaten, Rotwein) verzichten, die tatsächlich Beschwerden hervorrufen. Faustregel: Je länger der Reifegrad eines Nahrungsmittels, desto mehr Histamin enthält es. Eine Studie hat gezeigt, dass vor den Mahlzeiten eingenommene Diaminoxidase-Kapseln die Beschwerden lindern. 

 

Unsere Expertin

Dr. Imke Reese, Ernährungstherapeutin mit dem Schwerpunkt Allergologie, München, www.ernaehrung-allergologie.de

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